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Diese Kirche ist ein Gesamtkunstwerk

Düsseldorf. Die evangelische Kirche in Mönchengladbach gilt als ältestes erhaltenes Gotteshaus mit Rokoko-Ausstattung in der Region. Von Nadine Fischer

Es ist ein wahrer Augenschmaus, nicht nur für Romantiker: sahneweiße Holzvertäfelungen, mit goldenen Ornamenten verziert, holzummantelte Säulen, die aussehen, wie aus Marmor gehauen, funkelnde Kronleuchter und elegante Gewölbe. Wie ein kleines Gesamtkunstwerk aus dem 18. Jahrhundert wirkt das Innere der evangelischen Kirche im Mönchengladbacher Stadtteil Wickrathberg. Sie gilt linksrheinisch als das älteste im Rokoko-Stil erhaltene Gotteshaus, zählt außerdem zu den ältesten Kirchen in Mönchengladbach. "Ich finde, sie ist ein Schatz", sagt Pfarrerin Esther Gommel-Packbier. "Gemütlich, klein und schnuckelig." Darüber hinaus auch geschichtsträchtig: Bis 1220 lässt sich ihre Historie zurückverfolgen.

Im spätromanischen Stil wurde das dreischiffige Gebäude mit Westturm erbaut, teilweise auf den Fundamenten eines einschiffigen Vorgängerbaus aus dem 11. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde die hölzerne Flachdecke im Langhaus durch ein Kreuzrippengewölbe ersetzt, der Chor erhielt ein spätgotisches Sterngewölbe. Im 18. Jahrhundert erhielten der Kirchturm seine charakteristische Turmhaube, und das Innere sein Rokoko-Antlitz. Zwischendurch gab es aber immer wieder Umbauten und Renovierungen, die letzte von 1997 bis 2004. Anfangs gehörte die Kirche dem Erzbistum Köln, doch zwischen 1530 und 1540, als sie den Wickrather Schlossherren von Quadt zugefallen war, wurde sie evangelisch.

Vor allem die ornamentverzierte Kanzel aus Holz und die ehemalige Grafenloge mit Fensterfront und einem fast echt wirkenden Vorhang, sind ein Blickfang. In dem abgeteilten Raum, der ein Stück höher liegt als der übrige Kirchraum, verfolgten einst die Herren von Quadt den Gottesdienst. "Wenn ihnen die Predigt nicht gefiel, konnten sie einfach die Fenster schließen", erzählt Esther Gommel-Packbier. Eine weitere Besonderheit: Damals waren die Bänke in der Loge so hoch, dass die Grafen auf Augenhöhe mit dem Pfarrer saßen, der von der Kanzel aus sprach.

Wer sich in dem kleinen Gotteshaus länger umsieht, entdeckt immer wieder neue Details. Da ist zum Beispiel das goldbemalte Obst, das über der Kanzel wie Stuck an der Decke hängt - welche Bedeutung das hat, weiß Esther Gommel-Packbier nicht. Dann sind da die Schwalbennester, kleine Nischen auf der Empore, in der im 17. Jahrhundert die Lateinschüler der gegenüberliegenden Schule während der Messe saßen, außerdem die alten Bibeln und Fundstücke aus vergangenen Epochen, die in Vitrinen ausgestellt sind.

"Wir bieten hier regelmäßig Führungen an", sagt Esther Gommel-Packbier. Kenner der Kirche erzählen dann unter anderem von den drei Glocken, die wie der Wetterhahn auf dem Turm noch aus der katholischen Ära stammen. Sie zeigen ihnen den Turm mitsamt Uhr, die Orgel im Teschemacher-Stil und berichten von der Zeit bis 1794, als in dem Gotteshaus die Reichsgrafen einmal im Jahr ihr Gericht abgehalten haben. Doch nicht nur zu den Führungen strömen viele Besucher von außerhalb in das Wickrathberger Schmuckstück: Auch bei Brautpaaren und Taufgesellschaften ist es sehr beliebt.

Quelle: RP
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