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Düsseldorf
Diese Moskauer Nussknacker beherrschen auch den Zuckerguss

Düsseldorf. Das Tschaikowski Symphonie-Orchester aus Russlands Hauptstadt gastierte unter Vladimir Fedoseyev in der Tonhalle. Solist war der Geiger Julian Rachlin. Von Armin Kaumanns

Diese vier Takte Einleitung beim "Tanz der Zuckerfee", die eigentlich nur aus ein paar gezupften Tönen bestehen, wären der Rede nicht wert, wenn nicht Vladimir Fedoseyev sie mit seinem Tschaikowski Symphonie-Orchester Moskau so unglaublich suggestiv unter die Kuppel der Tonhalle hängen würde: Ein bisschen Klingklang, ein zartes Zögern - da kann die Celesta ja gar nicht anders, als mit ihrem silbrigen Leuchten die Herzen der Zuhörer zu verzaubern.

Die "Nussknacker-Suite" beendete (vor dem Zugaben-Furioso) das Gastspiel des Vorzeige-Klangkörpers aus Düsseldorfs Partnerstadt so populär vorweihnachtlich und wie frisch erfunden mit dem reinen Tschaikowski-Programm, mit dem die Musiker zurzeit unterwegs sind. Ein großer Abend.

Fedoseyev hat das Utensil seines Berufsstandes, den Taktstock, abgeschafft. Wo die "Eins" ist, wissen die Musiker auch so. Seine Hände malen Linien, bedeuten Intensitäten, forcieren das Tempo und schmeicheln ein. Manchmal hebt er die Brauen und runzelt mit der Stirn, mal strahlt sein Lächeln vor einem beseligenden Bratschen-Thema. Immer aber weiß er die Aufmerksamkeit des Orchesters, das der heute 83-Jährige vor über 40 Jahren als Chef übernahm, bei sich und seiner Klangidee. Und die ist in bestem Sinne russisch: sonor, warm, brillant, dabei ziemlich entfettet und mit überall wachen Sinnen durchhörbar austariert.

Vor den "Nussknacker"-Zuckerguss mit Triangel-, Horn-, Harfen-Köstlichkeiten und einem lasziven Ausflug nach Arabien stellt Fedoseyev die Fantasie-Ouvertüre zu "Romeo und Julia": eine emotionale Wundertüte mit Becken-Furioso und Hornseufzern. Die drei Stücke aus "Eugen Onegin" mit der berühmten Polonaise spielt das Orchester von losen Blättern zu Beginn des Abends, bevor der Geiger Julian Rachlin seinen denkwürdigen Auftritt hat - mit Peter Tschaikowskis weltberühmtem Violinkonzert D-Dur.

Das Orchester breitet einladend ein Federbett aus Klang vor dem Star aus, in das sich der in Wien lebende Litauer mit seiner Stradivari voller Tatendrang wirft. Da ist ein Umschmeicheln, ein vertrautes Zögern und verwegenes Wirbeln, dass die Federn stieben. Julian Rachlin kann mit seiner Geige und dem Orchester machen, was er will - und er ist fantastisch.

Hinterher gab es wahrhaft riesigen Applaus.

Quelle: RP
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