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Analyse
"Diese Orgel bietet keinen Hörgenuss"

Düsseldorf. forum Die Orgel der Tonhalle wird seit langem kaum noch benutzt. Soll sie erhalten, aus- oder neugebaut werden? Dazu haben wir unsere Leser befragt. Von Wolfram Giertz

Man kennt das von Menschen, die ein Händchen für Innenausstattung haben. Diese Leute haben manchmal etwas Missionarisches, wenn sie einem eine Erneuerung im Wohnzimmer vorschlagen, aber vielleicht haben sie ja Recht.

So ähnlich geht es uns mit der guten alten Orgel in der Tonhalle. Seit der Eröffnung hängt sie bedächtig über dem Podium und fällt sonst nicht weiter auf. Kaum ein Musikfreund kann sich erinnern, sie jemals klingend erlebt zu haben. Das sei eine Schande, befand unlängst Oskar Gottlieb Blarr, sozusagen Düsseldorfs Ur-Organist; er hatte ein Stück mit Orgel komponiert und bestand darauf, dass die Pfeifenorgel der Firma Klais zum Einsatz kam und nicht ein "elektronisches Surrogat". Seitdem erhebt Blarr die Stimme und fragt: Brauchen wir nicht "eine anständige Orgel in unserer Tonhalle"?

Wir haben diese Frage an unsere Leser weitergereicht und ein Forum eröffnet. Das Echo war groß und substanzvoll, hier eine Auswahl.

Udo Falkner schreibt: "Selbstverständlich braucht die Tonhalle eine künstlerisch akzeptable Orgel. Hier spielen hervorragende Musiker auf sehr guten Instrumenten, und wie soll es mit der "Königin" gehen . . ? Für das Beste nur das Beste."

Falkner denkt gewiss an die Philharmonien in Düsseldorfs konkurrierender Umgebung, in der - von Köln bis Dortmund - hochwertige Orgeln aufgebaut wurden, die diejenige in der Tonhalle an Klang, Volumen und optischer Schönheit übertreffen. Andererseits sind diese Städte orgelmusikalisch nicht so ambitioniert wie Düsseldorf. Hier gibt es nicht nur die Zyklen der Winterlichen und der Sommerlichen Orgelkonzerte, es gibt auch viele Einzelkonzerte. Die Frage stellt sich also: Würden Musikfreunde überhaupt in die Tonhalle gehen, um ein reines Orgelkonzert zu hören?

Elmar Wallerang glaubt das. Er meint, für die Tonhalle sei eine voll funktionierende Orgel angemessen. "Und die Zeit eilt, wenn man das kommende Reger-Jahr und das reichhaltige Orgelwerk des Komponisten bedenkt." Die Orgel-Choralphantasien Regers bedürfen allerdings eines größeren Instruments, bedürfen auch des Sakralraums und seines Halls. Zudem wäre der Effekt bizarr, wenn allenfalls 60 Zuhörer (in einem 1850-Plätze-Saal) einem Orgelkonzert lauschen.

Peter Saechtling meint: "Bisher wusste ich nicht, dass in der Tonhalle eine bespielbare Orgel steht. Man hat sie auch nie gehört. Ich dachte immer, die Orgelpfeifen (Orgelprospekt) an der Stirnseite hängen nur so aus optischen Gründen dort und weil es sich in einem Konzertsaal so gehört. So sollte es auch bleiben. Eine aufwendige und kostspielige Ertüchtigung dieser Orgel, die dann die nächsten Jahrzehnte wieder schweigt, halte ich für Unsinn. In Kirchen wie etwa Lambertus, Max und Andreas gibt es pracht- und klangvolle Orgeln. Das ist genug."

Walter Pelshenke schließt sich an: "Die Tonhalle benötigt keine neue, bessere Orgel. Die Orgeln vieler Kirchen sind eine überzeugendere Alternative. Wünschenswert wäre allerdings, wenn die jetzige Orgel ersatzlos ausgebaut würde, denn sie bietet weder einen Hörgenuss, noch ist sie eine Augenweide."

Wozu würde eine große Orgel überhaupt benötigt? Die Werke der symphonischen und der Chorliteratur, in denen die "Königin der Instrumente" mehr als nur eine stützende Funktion nach barocker Art hat, sind rar - man denke etwa an die Glagolitische Messe von Leo Janáek, die 8. Symphonie von Gustav Mahler oder das "Buch mit sieben Siegeln" von Franz Schmidt. Bislang spielte hierbei eine elektronische Orgel, und die Lautsprecherboxen wurden hinter den echten Pfeifen versteckt.

Quelle: RP
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