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Kristofer Aström in Düsseldorf
Dieser melancholische Schwede redet nicht mit dem Publikum

Kristofer Aström in Düsseldorf: Dieser melancholische Schwede redet nicht mit dem Publikum
Kristofer Aström hat in Düsseldorf sein neues Album "The Story Of A Heart's Decay" vorgestellt. FOTO: kulturfabrik
Düsseldorf. "The Story Of A Heart's Decay" heißt das neue Album von Kristofer Aström und seiner Band, das sie jetzt im FFT vorstellten. Von Simon Langemann

Das Foyer des FFT in der Jahnstraße ist und bleibt ein seltsamer Konzertschauplatz. Mit seiner ausladenden Schlauchförmigkeit und dem kalten Steinboden versprüht es das zweckmäßige Ambiente einer Schulaula. Das heißt aber auch: Wenn es eine Band schafft, diesen Raum mit Atmosphäre zu füllen, lässt es sich mit der Gewissheit nach Hause gehen, ein großartiges Konzert gesehen zu haben. Kristofer Aström ist das gelungen.

Der schwedische Singer/Songwriter kreuzte jetzt in Düsseldorf auf, um sein neues Album "The Story Of A Heart's Decay" vorzustellen. Eng eingepfercht stehen Aström und Band auf der Bühne. Fünf Schweden wie aus dem Bilderbuch, bärtig, langhaarig, schlank und gut aussehend. Der Bassist im karierten Holzfällerhemd, der Drummer mit der Aura eines 1960er-Jahre-Psychedelic-Musikers. Der Künstler selbst mit einem erstaunlich ausgeruhten Gesicht, für knapp 25 Jahre Musikerleben. Ein Mann der großen Worte scheint dennoch nie aus ihm geworden zu sein. "Redet mal mit dem Publikum, ich kann nicht zwei Dinge gleichzeitig tun", bittet er seine Mitstreiter in die Stille des Gitarrenstimmens hinein, und damit wäre das gesamte Spektrum der Ansagen eigentlich wiedergegeben.

Doch gerade diese Zurückhaltung steht der Musik bestens. Schließlich würde jede aufgesetzte Interaktion, jedes "Hallo Düsseldorf" den wabernden Fluss aus Schwermut, flehenden Folk-Songs und den überraschend gravitätischen, Blues-lastigen Stücken der neuen Platte ohnehin nur unnötig unterbrechen.

Für Aströms Bescheidenheit spricht auch, dass er den Abend nicht mit einem eigenen Stück, sondern mit einem hinreißenden Cover von The Cures "Lovesong" beschließt, das weitaus versöhnlicher anmutet als alles Vorangegangene: "However far away / I will always love you." Danach ein kurzes und knappes Dankeschön, ein schüchternes Kompliment ans Publikum. Mehr gibt es nicht. Und das ist auch gut so.

Quelle: RP
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