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Düsseldorf
Doppelmuseum soll Theater und Film vergleichen

Düsseldorf: Doppelmuseum soll Theater und Film vergleichen
Winrich Meiszies leitet das Theatermuseum seit knapp 18 Jahren. Im Juni geht er in den Ruhestand. FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Die Chefs von Theater- und Filmmuseum arbeiten an einem Konzept für die Fusion. Ein Wissenschafts-Beirat soll den Prozess begleiten. Von Dorothee Krings

Eigentlich könnten es beschauliche Monate sein. Winrich Meiszies (65) geht im Juni in den Ruhestand, normalerweise würde der Leiter des Theatermuseums jetzt seine Dinge ordnen, Bilanz ziehen, einen Nachfolger einarbeiten. Doch die Düsseldorfer Kulturpolitik will die Institute der Stadt neu ordnen, dabei Stellen sparen und unter anderem das Theatermuseum an der Jägerhofstraße und das Filmmuseum an der Schulstraße am Alten Hafen zu einem Haus vereinen.

Seit Bekanntwerden dieser Pläne im Frühjahr treffen sich Meiszies und der Leiter des Filmmuseums Bernd Desinger samt Kernteam zwei Mal pro Woche, um ein Konzept für das neue Museum zu erarbeiten. Denn die Institutsleiter wollen vor allem eines verhindern: Die Museen sollen nicht einfach zusammengepackt oder ein Institut dem anderen untergeordnet werden. "Beide Häuser in ihrer alten Form hören auf zu existieren und bilden gemeinsam eine neue, dritte Qualität - wie Phoenix aus der Asche", sagt Meiszies.

Seit März arbeitet er mit den Kollegen aus der Filmwissenschaft an Vorschlägen für die konkrete Gestalt dieses Phoenix. "Wir überlegen, was Theater und Film gemeinsam haben, was beide Kunstformen unterscheidet", sagt Meiszies, "darin liegt die Chance des Unterfangens, denn im Gegensatz scheint auf, was für beide wesentlich ist." So könnte das neue Museum etwa verfolgen, welche Schauspieler zwischen Theater und Film hin- und herwechseln und wie sich ihre Arbeitsweise dadurch verändert. Eine Abteilung im neuen Museum könnte sich mit Theater im Film beschäftigen und dem Einsatz von Videoprojektionen im Theater. "Vor allem interessiert uns der Bereich Wahrnehmung", sagt Meiszies. "Theater geschieht im Kopf des Zuschauers, und obwohl es früher im Film das materielle Substrat der Filmrolle gab, gilt das auch für den Film." Das neue Gemeinschaftsmuseum könnte also auch Wahrnehmungsfragen nachgehen und reflektieren, welche Aufgaben in der Gesellschaft beide Künste erfüllen.

Meiszies hätte mit derlei Überlegungen gern früher begonnen, doch kursierten Pläne über die Zusammenlegung beider Häuser lange nur als Gerücht. "Zunächst hat es mich schon getroffen, davon zu hören", sagt Meiszies, "wenn es plötzlich heißt, dass ein Kollege meine Arbeit zu seiner zusätzlich übernehmen soll, stellt das schon die eigene Leistung in Frage."

Doch Meiszies liegt das Lamento nicht. Sein Museum habe sich immer schon flexibel gezeigt, sagt er lieber. Etwa Anfang der 2000er Jahre, als das Schauspielhaus die Bühne im Theatermuseum als Studiobühne nutzte. "Da haben wir unsere Öffnungszeiten sofort in die Abendstunden verlegt, um die Theatergänger zu erreichen", sagt Meiszies, "wir haben uns immer als Begleiter des Theaters verstanden, nicht als Ort, an dem eine goldene Vergangenheit bewahrt oder gar gegen die Gegenwart ausgespielt werden soll."

Nähe zur Praxis hat dem Museum gutgetan, darum wünscht sich Meiszies das auch für die Zukunft - auch wenn die Ausstellung neue Gestalt annehmen wird. Eine Studiobühne soll es auch im neuen Haus geben. Und weil das im jetzigen Filmmuseum am Standort Schulstraße eng werden könnte, kann sich Meiszies auch andere räumliche Lösungen vorstellen - und auch die Zusammenlegung mit weiteren Instituten wie dem Literaturbüro NRW oder dem FFT.

Spekuliert wird derzeit etwa darüber, ob dies nicht im Gebäude am Konrad-Adenauer-Platz 1 gegenüber der Schauspielhaus-Spielstätte Central geschehen könnte. Schon jetzt ist geplant, dort die Stadtbüchereien, das Stadtarchiv, mehrere Museumsdepots und möglicherweise das Kulturamt unterzubringen. Würde man die Idee dieses Archivhauses weiterdenken und ein "Kulturhaus" einrichten, könnten an dieser Stelle noch mehr Institute zusammenfinden. "Das wäre natürlich ein großer Wurf in einer Gegend, die sich städtebaulich sehr positiv entwickeln könnte", sagt Meiszies. Beim Kulturamt ist allerdings zu hören, dass bisher nur die Pläne für ein Archivhaus geprüft werden. Meiszies hofft allerdings, dass die Kulturpolitik weiter in alle Sparten der Kulturszene investiert und nicht nur auf das Image der Kunststadt Düsseldorf setzt. "Es ist zu viel von Leuchttürmen die Rede", sagt Meiszies, "denn Leuchttürme strahlen zwar in die weite Welt, an ihrem Fuß aber ist es düster."

In seiner verbleibenden Zeit will sich Meiszies nun auf das konzentrieren, was ihm aufgetragen wurde: beide Museen sinnvoll zueinander führen. Für diesen Prozess wünscht sich der Institutsleiter, dass ein wissenschaftlicher Beirat einberufen wird. Der könnte dann darüber wachen, dass die beiden Kunstformen im neuen Museum gleichberechtigt reflektiert werden. Ein Mitglied des Beirats könnte Meiszies selbst werden, denn sein Ausscheiden aus dem Amt im Juni steht fest - und seine Position wird nicht neu besetzt.

Quelle: RP
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