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Düsseldorf
Düsseldorf Festival: Ein Zirkus ohne Grenzen

Düsseldorf. Luftakrobatik, bei der den Zuschauern kurz das Herz still steht. Balanceakte, die schier unmöglich scheinen. Jonglage mit Kegeln, die das Publikum staunen lässt. Und fünf Artisten, die mit abenteuerlichen Kunststücken begeistern, in erster Linie aber mit einer ergreifenden Botschaft. Sie wollen Grenzen überwinden - vor allem die in den Köpfen der Menschen. Von Lisa Maier-Bode

Das macht der schwedische Cirkus Cirkör beim Düsseldorf Festival deutlich. Die jungen Artisten in ihren bunten Kostümen feierten im Theaterzelt auf dem Burgplatz ihre Deutschlandpremiere. In ihrer neuen Produktion "Limits" wollen die Künstler sich gegen ein Europa stellen, das Flüchtlinge aussperrt. So produzieren sie während ihrer Aufführung bedrückende, aber auch humorvolle und unterhaltsame Bilder.

Stimmen von Flüchtlingen werden eingespielt. Die Menschen erzählen in gebrochenem Englisch, wie sie aus ihren Heimatländern fliehen mussten. Die Artisten stellen diese Szenen von Zerstörung, Wut und Angst in einer Mischung aus Tanztheater und waghalsiger Akrobatik dar. Unterstützt werden sie dabei von einer Live-Musikerin, die Geige und Gitarre spielt und mit den Darstellern singt. Die dramatische und stimmungsvolle Musik unterstützt die teilweise bedrohliche Atmosphäre auf der Bühne.

Dazu ertönen immer wieder Geräusche von Möwen, Krieg und Zerstörung. Wellen des offenen Meeres werden durch gespannte Planen dargestellt. Schuhe kommen an Fäden von der Decke und Papierboote werden auf der Bühne aufgestellt. Später kentern sie. Projizierte Grafiken zeigen, wie viele Geflüchtete in den vergangenen Jahren auf dem Meer ums Leben kamen. Ein Liveticker läuft, der pro Sekunde einen Menschen mehr zählt, der gezwungen wurde, seine Heimat zu verlassen. Eine Darstellerin sagt auf Englisch, sie glaube, dass Menschen reisen und sich auf der Erde fortbewegen würden, um die Welt in Balance zu halten. Wenn nun aber Mauern gebaut und Grenzen geschlossen würden, befürchte sie, dass das Gleichgewicht verlorengehen könnte und die Erde umkippe. Sie plädiert für ein flexibleres Europa.

Tilde Björfors gründete den Cirkus Cirkör 1995 mit dem Wunsch und Ziel, die Welt durch zeitgenössischen Zirkus positiv zu verändern. Heute reist die Gruppe mit ihren zahlreichen Produktionen durch viele Länder. Die Artisten wurden nach ihrer knapp zweistündigen Performance mit großem Applaus und Standing Ovations vom Publikum bejubelt. Die Botschaft, dass die Erde ein wenig mehr wie ein Zirkus sein sollte - nämlich offen, ohne Grenzen und bunt - ist bei den Zuschauern im Theaterzelt angekommen.

Info Eine letzte Aufführung von "Limits" gibt es heute Abend ab 20 Uhr im Theaterzelt auf dem Burgplatz

Quelle: RP
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