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Robert Fleck
"Düsseldorf ist ein weltweit einzigartiges Künstlerbiotop"

Düsseldorf. Der Kunstakademie-Professor und ehemalige Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn fordert große Kunst-Ereignisse in der Stadt. Von Annette Bosetti

Robert Fleck (58) ist ein Grenzgänger der Kunst. Der österreichische Kunsthistoriker, Ausstellungsmacher, Buchautor und Kritiker war von 2008 bis 2012 Intendant der Bundeskunsthalle und ist seit 2012 Professor für "Kunst und Öffentlichkeit". Außerdem leitet er die Akademie-Galerie am Burgplatz. Fleck betont zu Gesprächsbeginn, nicht im Namen einer Institution, sondern als Beobachter der hiesigen Kunstlandschaft zu sprechen.

Düsseldorf hat große und kleine Ausstellungsorte, städtische, vom Land getragene, bürgerliche Initiativen, Privatmuseen und eine blühende Off-Szene. Wie kann man da eine Ordnung reinbringen?

Fleck Lassen Sie mich aus den vier Jahren, die ich jetzt an der Kunstakademie bin, hinzufügen: Düsseldorf und sein Umfeld, das ebenso wichtig ist, hat auch unglaublich viele weltweit beachtete Künstler, etwa 15, die insgesamt wiederum etwa 200 junge Künstler beschäftigen und 15 international bekannte Museen moderner und zeitgenössischer Kunst in der Nähe.

Ja, aber was ist mit der Stadt selbst?

Fleck Die Stadt und ihre Region sind als Künstler- und Museumsbiotop weltweit einzigartig. Ich denke nicht, dass man Ordnung in die Vielfalt bringen, sondern sie stärker weltweit bewerben sollte. Koreanische Spitzenkünstler sagen auf Deutsch "Kunstakademie" und lassen ihre Fotoarbeiten in Düsseldorf ausarbeiten und rahmen, um sie in Frankreich auszustellen. Das ist die Anziehungskraft dieser Stadt.

Demnächst werden die Kunstsammlung und das Museum Kunstpalast neue Direktoren bekommen. Braucht man nicht eher Manager?

Fleck Man sollte unbedingt für die Museen wieder künstlerisch ausgewiesene Direktoren berufen! Die Abfolge von Werner Schmalenbach zu Armin Zweite und Marion Ackermann in der Kunstsammlung war ja perfekt. Sie verfügen über die persönliche Standfähigkeit, die kunsthistorische Vision und die internationalen Beziehungen, um ein solches Haus in der lokalen, regionalen und globalen Wahrnehmung zu halten. Beide Häuser verfügen über einzigartige Sammlungen, die nicht sehr groß sind, mit der bewanderte Museumsleute von Talent aber weltweit spielen und internationale und nationale Museumskooperationen für umwerfende Ausstellungen zustande bringen können.

Dass man Ackermann ziehen lassen muss, unterbricht die Kontinuität.

Fleck Düsseldorf kann stolz sein, dass Dresden Marion Ackermann nunmehr aufgrund ihrer Arbeit in der Kunstsammlung NRW als erste Frau an die Generaldirektion einer der drei universellen deutschen Kunstsammlungen beruft.

Was braucht diese Stadt?

Fleck Was fehlt, ist ein regelmäßig stattfindendes Ereignis zeitgenössischer Kunst, das auf der internationalen Agenda steht.

Hätte man die Quadriennale nicht sterben lassen dürfen?

Fleck Das konnte die Quadriennale nicht leisten, sie wurde überwiegend lokal und regional wahrgenommen.

Welche Kräfte muss die Kunststadt Düsseldorf bündeln?

Fleck Die Stadt ist ein weltweites Markenzeichen in der Kunst seit 1945, Beuys, Richter, Polke, usw. Die Stadt muss etwas international Sichtbares leisten. Ein solches Ereignis kann nicht neben, sondern nur aus den künstlerischen Institutionen, aus der Kunstsammlung, dem Museum Kunstpalast, der Kunsthalle, dem Kunstverein und der Kunstakademie heraus entstehen.

Quelle: RP
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