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Düsseldorf
Künstler rechnen mit Ex-OB Elbers ab

Düsseldorf: Künstler rechnen mit Ex-OB Elbers ab
„Empörtes D“ heißt diese Collage mit dem Stadtlogo, mit der die Gruppe ihr Anliegen illustriert. FOTO: Bendzulla, Zinnbauer, Wissel
Düsseldorf. Der Machtwechsel im Rathaus weckt Hoffnungen in der Kultur. Eine Gruppe um Akademie-Rektorin Rita McBride fordert eine mutigere und lebendigere Kulturpolitik. Die Abrechnung mit der Elbers-Zeit fällt vernichtend aus Von Arne Lieb

Der neue Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hat im Wahlkampf viele Kulturinstitute besucht und sich offen für neue Anstöße gezeigt. Das trägt überraschende Früchte: Um Akademie-Rektorin Rita McBride hat sich ein Kreis von namhaften Akteuren der freien Szene gebildet, die sich vom Machtwechsel im Rathaus ermutigt fühlen, über einen Kurswechsel in der Kulturpolitik nachzudenken. Nun veröffentlicht die Gruppe ein erstes Papier. Es ist vor allem eine wütende Abrechnung mit der Elbers-Zeit.

Beteiligt sind neben McBride die Künstler Markus Ambach und Alex Wissel, Hans-Jürgen Hafner (Kunstverein), Philipp Maiburg (Open Source Festival), Bettina Masuch (Tanzhaus), Kathrin Tiedemann (FFT) und Jan Wagner (Filmwerkstatt). Sie treffen sich seit Monaten zum Austausch bei Bier und Wein, zuletzt in dieser Woche in der Akademie. Wenn man ihnen zuhört, merkt man, dass sie sich nicht im Detail einig sind, was die Stadt braucht – sie verbindet aber die Einschätzung, dass viel schiefgelaufen ist: Düsseldorf werde überregional nur als Provinz wahrgenommen, meinen sie. Und das, obwohl die Stadt über großes Potenzial verfüge.

Die Liste der Klagen ist lang. Oberbürgermeister Dirk Elbers und die schwarz-gelbe Mehrheit hätten auf Großevents und "populistische Repräsentationskultur" gesetzt. Man habe den Fokus auf große Namen gelegt und vor allem auf Zahlen geachtet. "Düsseldorfs Selbstverständnis als Art City und die großspurige Außendarstellung verkennen und verstellen das eigentliche Potenzial der Stadt, in der wir leben und arbeiten", heißt es im Papier. Was die Gruppe deshalb will, ist ein "inhaltlicher Kassensturz", wie Alex Wissel sagt. Man dürfe nicht nur über Geld reden. Stattdessen will man ins Gespräch darüber kommen, nach welchem Bild die Kultur entwickelt werden soll. Und vor allem: wie die freie Szene und die jüngere Künstlergeneration ihre Chance zur Mitwirkung erhalten können.

Ein Kernanliegen ist dabei Kunst im öffentlichen Raum. Akademierektorin McBride wünscht sich Freiräume für Akademie-Künstler, Markus Ambach fragt sich, nach welchen Kriterien darüber entschieden wird, welche Werke aufgestellt werden. Die Stadt habe sich von "althergebrachten, lokalen Interessengemengelagen" leiten lassen, heißt es in dem Papier. Negativbeispiel: Elbers und sein Skulpturenwalk.

Für Anfang 2015 plant die Runde eine öffentliche Veranstaltung. Zudem will man auf die Politik zugehen, mit Geisel hat es kürzlich ein Treffen gegeben. Spannend wird die Frage, ob der Rathauschef wirklich das erhoffte Interesse mitbringt oder, wie Vorgänger Elbers, größtenteils Kulturdezernent Hans-Georg Lohe das Feld überlässt. Geisel hat zwar bekundet, er sei Kulturliebhaber, hat aber auch viele andere Themen zur Chefsache erklärt.

Heikel ist auch die Frage nach Geisels Verhältnis zu Lohe. Der hatte die alte Politik maßgeblich geprägt – wenn der neue Rathauschef den Klagen aus der Kulturszene zustimmt, muss er den Kurswechsel mit dem alten Verantwortlichen einleiten oder einen Weg finden, ihn auszutauschen.

 

 

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