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Düsseldorf
Moritz Führmann wird Mephisto

Düsseldorf: Moritz Führmann wird Mephisto
Der Teufel als Spieler mit vielen Gesichtern: Moritz Führmann wird in der Inszenierung von Thomas Schulte-Michels die Gründgens-Maske tragen. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Anfang September spielt das langjährige Ensemble-Mitglied die Hauptrolle in der Bühnenadaption des Klaus-Mann-Romans. Von Dorothee Krings

Jetzt noch die Striche. Kathy Oeter setzt den Pinsel an, stellt das Atmen ein, und zieht mit ruhiger Hand die schwarzen Linien aufwärts. Und auf einmal ist aus dem Mann mit dem harmlos weißen Gesicht ein Mephisto geworden, ein diabolischer Verführer, so wie ihn Gustaf Gründgens erfunden hat. Der ewige Teufel. Es war die Rolle seines Lebens.

Der Teufel als Spieler mit vielen Gesichtern: Moritz Führmann wird in der Inszenierung von Thomas Schulte-Michels die Gründgens-Maske tragen. FOTO: Andreas Endermann

"Aber Gründgens konnte auch Entertainer sein, in der Operette ein Couplet singen, steppen, er hatte keine Vorbehalte gegenüber dem Leichten, Unterhaltsamen", sagt Moritz Führmann. Darum hat auch er nun Steppen gelernt. Im Tanzhaus NRW hat er Unterricht genommen neben all den Proben, Dreharbeiten, Auftritten, die er im Moment absolviert. Es ging ihm darum, diese Lässigkeit, diese selbstironische Verspieltheit eines Gründgens in den Körper zu bekommen. Denn Moritz Führmann wird Mephisto sein.

Er spielt die Hauptrolle in der Bühnenadaption von Klaus Manns gleichnamigem Roman, die am 5. September Premiere hat. Und in diesem Mephisto lagern ja ganz viele Figuren: Goethes Mephisto, dann ein Schauspieler, der diesen Mephisto spielt und Gustaf Gründgens nachempfunden ist und Klaus Maria Brandauer, der diese Rolle in einer Verfilmung von István Szabó spielt, die 1982 einen Oscar bekam. Bürden sind das für einen, der heute in die Rolle schlüpft.

Der Teufel als Spieler mit vielen Gesichtern: Moritz Führmann wird in der Inszenierung von Thomas Schulte-Michels die Gründgens-Maske tragen. FOTO: Andreas Endermann

Oder reichlich Material, aus dem man schöpfen kann. So sieht es Moritz Führmann. "Der Mephisto mit Brandauer ist mein Lieblingsfilm", sagt er, "da hat ein Schauspieler seine Rolle gefunden, aber bleibt auch er selbst, da ist sehr viel Brandauer in seinem Gründgens-Mephisto." Auch mit Gründgens hat sich Führmann intensiv beschäftigt, hat Biografien gelesen, Filme wie "Tanz auf dem Vulkan" geschaut. "Tausend Mal habe ich mir ,Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da' angesehen, weil ich wissen wollte, wie er das macht, die Bühne so total zu beherrschen", sagt Führmann. Gründgens sei unglaublich energetisch, lautet sein Befund. Egal, in welchem Genre er gearbeitet habe, immer habe er für seine Rollen gebrannt. Doch über den Mann hinter all diesen Figuren wisse man im Grunde nichts. Führmann hält sich die Hände vors Gesicht, deutet den Vorhang an, in den der Bildhauer Peter Rübsam seinen Gründgens gehüllt hat für das Denkmal, das gleich hinter dem Schauspielhaus im Hofgarten steht. "Gründgens wollte von sich nichts preisgeben und das ist ihm gelungen. Über ihn wird so viel spekuliert bis hin zu seinem Tod, aber man trifft bei ihm nie auf festen Grund."

Jedenfalls hat sich Führmann gefreut, als er erfuhr, dass er in dieser Saison als Mephisto auf der Bühne des Schauspielhauses stehen und damit in eine große Tradition treten würde. "Ich mag Spielerfiguren", sagt er, "ich finde es spannend, wenn in einer Rolle auch das Theaterspielen selbst zum Vorschein kommt." Darum liegt ihm auch die berühmteste Hochstapler-Figur der Literaturgeschichte: Thomas Manns "Felix Krull". Seit 2013 ist er in einem Solo-Abend in dieser Rolle zu erleben, am Sonntag läuft am Schauspielhaus die 50. Vorstellung.

Nach so langer Zeit fühlt sich Führmann so wohl in der Figur, dass er bei seinen Auftritten die Reaktionen des Publikums genau wahrnehmen kann. Er reißt auch vor dem Abend an der Tür selbst die Karten ab. Dabei ergeben sich lustige Begegnungen mit seinen Zuschauern. "Eine Frau hat mich mal gefragt, woher wir uns kennten, sie war sich ganz sicher, dass sie mich schon mal gesehen habe, aber als Schauspieler erkannt hat sie mich nicht", erzählt Führmann, "ihr Mann stand jedenfalls hinter ihr in der Schlange und meinte irgendwann, das würde ihn nun auch brennend interessieren, woher seine Frau mich kenne." Führmann lacht. Er ist gerne in Düsseldorf, gerne am Schauspielhaus, ist ein Gesicht des Ensembles. Dass das Düsseldorfer Publikum als so schwierig gilt, versteht er nicht. "Es gibt in der Stadt eben ein großes Kulturangebot, hervorragendes Ballett, tolle Oper, die Museen, da muss ein Theater sich anstrengen, um in der Konkurrenz zu bestehen", sagt er. Doch er spüre, dass es viele Fäden gebe zwischen Publikum und Schauspielern. "Das geht hin und her, und mit jedem Projekt, das ich außer der Reihe gemacht habe, mit den Düsys, dem Goethe-Museum, dem Heine-Institut, sind neue Bindungen hinzugekommen, da webt man immer weiter." Führmann kann sich jedenfalls gut vorstellen, in Düsseldorf zu bleiben, mit dem künftigen Intendanten Wilfried Schulz ist er im Gespräch. Für die Zuschauer wird er dann auch der neue "Mephisto" sein, wird sich seine Version des Teufels erspielt haben.

Um die Gründgens-Maske aufzutragen, bleiben in der Inszenierung eineinhalb Minuten. Eine Herausforderung für Maskenbildnerin Kathy Oeter. Und für den neuen Mephisto, der dann ganz still halten muss. "Ich mag es, wenn Inszenierungen so einen heiklen Punkt haben, das erhöht die Spannung", sagt Führmann. Und lächelt. Diabolisch.

Quelle: RP
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