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Düsseldorf
Ehring und sein Einlieger-Flüchtling

Düsseldorf. Der Kabarettist schlüpft im gelungenen, neuen Programm in die Wohltäter-Rolle. Von Regina Goldlücke

Zwischenrufe seien erlaubt, teilt Christian Ehring seinem Publikum im ausverkauften "Kom(m)ödchen" zur Begrüßung mit. Und schränkt gleich ein: "Sie verzögern allerdings den gesamten Ablauf. Ich bin ein spontaner Mensch, ich werde reagieren. Aber dazu brauche ich Zeit. Und wir wollen hier doch zwei Stunden Quality Time haben." So kommt es dann auch. Keiner stört. Damit wird die Premiere von Ehrings neuem Programm "Keine weiteren Fragen" zum ungetrübt kurzweiligen Vergnügen.

Geschickt spinnt der Kabarettist aus seinen Wortbeiträgen und Liedern einen roten Faden: Sein Thema sind Flüchtlinge. Erst erzählt er, er habe seinen Sohn zu einem sozialen Jahr bei Waisenkindern im Slum verdonnert, dann nimmt er die Sinnhaftigkeit mancher Einsätze auf die Schippe. Jetzt ist die Einliegerwohnung leer, und seine Frau will einen Heimatlosen einquartieren. Ihm geht das zu schnell ("die Flüchtlinge laufen doch nicht weg"), zumindest will er den neuen Hausgenossen selbst aussuchen.

In David aus Eritrea findet er schließlich seinen "Traumflüchtling". Als der dann so ganz anders reagiert als erwartet, rastet sein Wohltäter aus. Dazwischen spießt Christian Ehring auf, was ihn sonst noch beschäftigt: Für den aktuellen Schmiergeld-Skandal um die Fußball-Weltmeisterschaft blättert er durch die "Rheinische Post", kommt dann auf die Plagiatvorwürfe gegen Ursula von der Leyen und ihr "Kirmesgewehr" G36 zu sprechen, streift die Volkswagen-Misere ("darf ich mit meinen VW noch in die Umweltzone?") und gesteht seine frisch entfachte Sympathie für Angela Merkel - sie habe die Opposition jetzt in den eigenen Reihen.

Ergötzlich geraten Ehrings Ausführungen zu veganen Kinderliedern oder Familien im "Cappucino-Gürtel" der Städte. Mit einem sanften Schlaflied beendet er schließlich den bejubelten Abend.

Quelle: RP
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