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Düsseldorf
Ein anrührendes Paar

Düsseldorf: Ein anrührendes Paar
Die Schauspielkollegen Anne Bedenbender und Achim Wolff sind zurzeit im Theater an der Kö engagiert. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Im Theater an der Kö spielt Anne Bedenbender die Enkelin von Achim Wolff. Gemeinsam sind die Schauspieler zurzeit in der Theaterfassung des Kinoerfolgs "Honig im Kopf" zu sehen. Von Regina Goldlücke

Nur noch wenige Tage bis zur letzten Vorstellung von "Honig im Kopf" im Theater an der Kö. Die vier Schauspieler, die vorher monatelang mit dem Stück auf Tournee waren, haben ihre Zeit in Düsseldorf genossen. "Wie wohltuend, am nächsten Morgen nicht gleich wieder aufbrechen zu müssen", sagt Achim Wolff. In der Bühnenfassung des gleichnamigen Films von Til Schweiger spielt er den demenzkranken Amandus Rosenbach, der sich von seiner Enkelin Tilda zu einer Reise nach Venedig verlocken lässt - die Stadt, in der er einst so glücklich war.

Er und Anne Bedenbender sind ein anrührendes Paar. Mühelos gelingt der 30-Jährigen das Kunststück, in ihrer kindlichen Rolle zu überzeugen. "Ich sollte ganz natürlich bleiben und erst gar nicht versuchen, krampfhaft ein kleines Mädchen zu spielen oder gar meine Stimme zu verstellen", erzählt sie. "Diesen Rat von Regisseur René Heinersdorff beherzigte ich. Dabei war es sicher hilfreich, dass ich eine 13-jährige Schwester habe." Ihre Liebe und Einfühlsamkeit dem verwirrten alten Mann gegenüber speist sich auch aus eigenen Erfahrungen. "Mein Opa hat Alzheimer, es gibt viele Parallelen und Verhaltensweisen, die mir vertraut sind", sagt sie.

Bei der Premiere in Dieter Hallervordens Berliner Schlosspark-Theater 2016 war Anne Bedenbender noch nicht im Ensemble. Sie sprang kurzfristig ein und musste ihren umfangreichen Text in nur drei Tagen lernen. Eine Herausforderung, an der sie als Schauspielerin wachsen konnte. Zuvor bestimmte eher die Musik ihr Leben. Ihre musikalische Früherziehung begann mit vier Jahren. "Ganz freiwillig und spielerisch, mein Vater ist Gitarrist, er leitet eine Musikschule", erzählt sie. Bis zum Abitur im hessischen Herborn hatte sie eine Ausbildung in klassischem Ballett und Gesang absolviert. Folgerichtig ging es mit der "Stage School of Music, Dance and Dramas" in Hamburg weiter. Danach wirkte Anne Bedenbender in Musicals wie "Anatevka" und "Hello Dolly" mit, sang in Operetten ("Die Fledermaus") und Opern ("Die Entführung aus dem Serail") und gestaltete mit Hingabe am Theater für Kinder in München, wo sie lebt, Projekte für das junge Publikum. "Ja, es hätte schlechter laufen können", bestätigt sie und lacht. Durch "Honig im Kopf" lernte sie den Reiz der reinen Schauspielerei kennen. Wieder ein neues Ziel. "Ich bleibe am Ball", hat sie sich vorgenommen. Achim Wolff nickt ihr beifällig zu und lobt ihre beeindruckende Präzision.

Auch er bewegt sich in seinem Beruf seit jeher zwischen den Genres. Der 78-Jährige gehörte zu den ganz großen Stars der DDR und hat die Wirren der Wende und den Neustart im Westen gut gemeistert. "Viele wunderbare Kollegen blieben auf der Strecke", bedauert er. Ihn retteten zunächst mehrere Staffeln von "Salto Postale" im Fernsehen. Dennoch spazierte er in Berlin sehnsüchtig über den Ku'damm, verharrte vor Theaterplakaten mit Namen wie Harald Juhnke, Wolfgang Spier, Friedrich Schoenfelder. "Nie hätte ich gedacht, dass ich mit all denen bald darauf spielen durfte", sagt er. "Diese Kerle haben mich durch ihre Ernsthaftigkeit geprägt. Sie ist die Grundlage der Heiterkeit." An seinem Dauerbrenner "Pension Schöller" kommt man im Gespräch nicht vorbei. Sofort leuchten Wolffs hellblaue Augen auf. Den unverwüstlichen Schwank spielte er am Kudamm schon 1300 Mal, im Sommer warten weitere Aufführungen. Gelegentlich führt er auch Regie, vorwiegend bei musikalischen Projekten um große Diven, etwa "Marlene", "Lola Blau" oder eine Hommage an Hildegard Knef.

Mit seiner Frau, der Schauspielerin Rita Feldmeier, lebt Achim Wolff seit 37 Jahren zwischen Potsdam und Berlin. Zu seinen sieben Kindern aus drei Ehen und deren Familien habe er einen tollen Kontakt, versichert er. Einer seiner Schwiegersöhne ist der Schauspieler Henry Hübchen ("Alles auf Zucker"). Wie das gesamte Ensemble freut er sich jetzt aufs Heimkommen und Ausatmen. Bis es mit "Honig im Kopf" wieder weiter geht. Gar keine Müdigkeit? "Das kommt mal vor", gibt er zu. "Aber kaum betritt man die Bühne, ist sie wie weggeblasen."

Quelle: RP
 
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