| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Ein Bummel und zwei Wochen Festival

Düsseldorf: Ein Bummel und zwei Wochen Festival
Beim Bücherbummel auf der Kö präsentieren sich Buchhandlungen, Verlage, Antiquariate und die Düsseldorfer Kulturinstitute. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Die Düsseldorfer Literaturtage finden vom 6. bis zum 19. Juni statt. Im Fokus vieler Veranstaltungen steht die Flüchtlingskrise. Kernstück ist der Bücherbummel auf der Kö - dort soll das Angebot hochwertiger werden. Von Klas Libuda

Das Motto der Literaturtage könnte der Zeit nicht besser entsprechen, es lautet: "Weltenkuddelmuddel". Das Wörtchen stammt von Heinrich Heine, der damit den Revolutions-Wirrwarr der 1830er und 40er zu fassen versuchte. Heute stehe das Kuddelmuddel für eine Welt, "die immer mehr überheizt" wird, sagt Maren Jungclaus vom Literatürbüro NRW. Zugleich soll Heines Wortschöpfung auf das vielfältige Programm der Literaturtage und des Bücherbummels verweisen, dass das Literaturbüro gemeinsam mit dem Heine-Institut und dem Zakk verantwortet und das im Zeichen der weltpolitischen Ereignisse steht.

Höhepunkte bei den Literaturtagen

Vom "Einbruch der Wirklichkeit" erzählt Navid Kermani in seinem gleichnamigen Buch. Der Kölner Autor, der jüngst mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, hat sich im Herbst 2015 entlang der Balkanroute auf den Weg von Lesbos nach Deutschland gemacht. Seine Eindrücke hat er zusammengefasst. Das Buch stellt er am 18. Juni im Zakk vor. Von einer Flucht erzählt auch Abbas Khider in "Ohrfeige". Sein Roman handelt von einem Iraker in Bayern. Khider liest am 13. Juni im Literaturbüro. Mit der Zeitgeschichte befasst sich György Dalos, der am 9. Juni im Gerhart-Hauptmann-Haus aus seiner Gorbatschow-Biografie liest.

Neuerungen beim Bücherbummel

Gefördert werden Literaturtage und Bücherbummel übrigens mit 73.500 Euro durch die Stadt. Der Bummel sei das "Herzstück" der Literaturtage, sagt Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, und nachdem die Bummelei vor zwei Jahren wegen des Sturms "Ela" ausfallen musste und anschließend gänzlich auf der Kippe stand, scheint die Veranstaltung nun für die Zukunft gesichert. Ein im vergangenen Jahr gegründeter Verein möchte dem Bücherbummel zur 30. Auflage ein neues Gesicht verpassen. Zuletzt habe es Kritik an der Außenwirkung der Büchermeile gegeben, erzählt Kurt Nellessen vom Bücherbummel-Verein. Mit neuen Verlagen und Antiquariaten soll das Angebot nun "hochwertiger" gestaltet werden. Die Standbetreiber sind zudem angehalten, auf eine ansprechende Präsentation ihrer Waren zu achten. Mit den Neuzugängen versuchen die Organisatoren zudem gegenzusteuern: Denn mit der Schließung vieler Buchhandlungen - zuletzt machte der Stern-Verlag dicht -, sind namhafte Aussteller weggefallen. Weil rund um die Kö gebaut wird, werden zudem weitere Veränderungen nötig. Die große Bühne etwa, die das ganze Wochenende über bespielt wird, steht erstmals auf Höhe der Bahnstraße und nicht an der Grünstraße.

Literatur-Experimente

Die Literaturtage sind auch ein Versuchslabor, experimentierfreudig zeigt sich in diesem Jahr etwa das Heine-Institut: Am 9. Juni erinnert das Institut an die Anfänge der Dada-Bewegung unter anderem mit einem Dada-Poetry-Slam, am 16. Juni stellen Künstler ihre Vorstellungen von experimenteller Literatur zur Schau. Das Zakk indes zieht am 13. Juni ins Rathaus und lädt dort zum "Polit-Slam". Zudem wird auf dem Bücherbummel vor dem Lesezelt erstmals eine "Speakers' Corner" eingerichtet. Wer sich traut, kann Selbstgeschriebenes lauthals zu Gehör bringen.

Düsseldorfer Literaturpreis

Den mit 20.000 Euro dotierten Düsseldorfer Literaturpreis erhält in diesem Jahr Marcel Beyer. Die Preisverleihung ist am 6. Juni zur Eröffnung der Literaturtage im Forum der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Ein Bummel und zwei Wochen Festival


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.