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Düsseldorf
Ein Cowgirl versucht sich tänzerisch im rheinischen Karneval

Das sind die Karnevalsumzüge in Düsseldorf
Das sind die Karnevalsumzüge in Düsseldorf FOTO: Comitee Düsseldorfer Carneval
Düsseldorf. Früher war alles einfacher, zumindest scheint es manchmal so. Heute vollzieht sich der gesellschaftliche Wandel immer komplizierter, immer schneller. Das Theater der Klänge reagiert in seinen Stücken stets auf soziale Änderungen; seit 1987 widmet sich die Truppe unter der Leitung von J. U. Lensing dem Zusammenspiel von Tanz, Video und Musik. Die neue Reaktion: "Kontraste", das jetzt vor vollem Haus Premiere im FFT Juta feierte. Von Thomas Hag

Lensing selbst zeichnet für die Musik verantwortlich, eine betörende Collage aus Elektronik, Percussion und Alltagsgeräuschen. Die Choreographie hat Jacqueline Fischer übernommen, deren "Ich ist ein anderer" 2008 mit großem Erfolg gezeigt wurde.

Nun also die "Kontraste" des ehemaligen Ensemble-Mitglieds und der Pina-Bausch-Schülerin. Was gibt's zu sehen? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Die Kontraste, die sie meint, bestehen erst einmal zwischen den Menschen - verschiedene Hautfarben, verschiedene Kostüme. Ein amerikanisches Cowgirl gibt die rheinische Frohnatur, eine Ausländerin, die Düsseldorf und den Karneval liebt. Es geht ihr gut, zumindest am Anfang. Aber hinter all dem "Yankee Doodle Dandy"-Getue verbirgt sich das Schicksal einer Krankheit, in ihrem Fall die Multiple Sklerose. Immer wieder wird sie auftauchen, auf Krücken, im Rollstuhl. Ob das mit dem Leistungsdruck der Globalisierung zu tun hat, sei einmal dahingestellt.

Auf jeden Fall ist es eine Stimme aus der Menge, wie das ganze Ensemble eine Mischung aus Schicksalen, Stimmen und Kostümen ist. Da tanzt der Kongolese mit dem Japaner, alles geschieht gleichzeitig. Eine Sängerin mit klassischem Lied hält alles zusammen, ist zugleich auch Warnung. Auf den Videoleinwänden ziehen Wolken herauf, dort sind auch programmatische Zitate zu sehen, deren Bedeutung nicht immer ganz klar ist. "Fast überall wo es Glück gibt, gibt es Freude am Unsinn", heißt es dort. Aber wir wissen auch, dass der Zitatgeber Nietzsche einiges an Unsinn geschrieben hat.

Am meisten überzeugt "Kontraste" dort, wo es die Schwierigkeiten des Einzelnen in der modernen Welt zeigt. Sirenen und Straßengeräusche dringen durch die Idylle der Natur, nach der sich der Stadtmensch sehnt und die er doch nicht mehr erreichen kann. Hier vermischen sich auch Traditionelles und Zeitgenössisches in der Tanzsprache, werden die Trommeln zu einem Soundtrack, zu dem die Bewegungen der Tänzer wie Gegenwehr scheinen. Am Ende haben die bunten Kostüme ausgedient, funktionale Klamotten haben sich zur schwarzen Trauerkleidung gewandelt. So werden die Kontraste zum Requiem. Großer Beifall.

Termine Theater der Klänge, "Kontraste", 16. Januar, 20 Uhr, 17. Januar, 17 Uhr, mit Kinderbetreuung und Publikumsgespräch. Juta, Kasernenstr. 6, Tel. 87678718.

Quelle: RP
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