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Düsseldorf
Ein Fotoschatz für das Theatermuseum

Düsseldorf. Über Jahrzehnte hat die Fotografin Inszenierungen im Schauspielhaus fotografiert. Ihre Bilder gehören nun dem Museum. Von Regina Goldlücke

Der Raum im Archiv des Theatermuseums wird leicht gekühlt, damit die neu eingelagerten Schätze keinen Schaden nehmen. Auf den Regalen stapeln sich flache Kästchen, die ein reichhaltiges Stück Düsseldorfer Theatergeschichte bergen. Von 1991 bis 2004 begleitete und dokumentierte die Fotografin Sonja Rothweiler 350 Inszenierungen des Schauspielhauses. Jetzt übergab sie ihr Archiv dem Theatermuseum, "denn da gehört es auch hin", bestätigt sie. Den Erwerb der rund 20.000 Aufnahmen ermöglichten Spenden der Stadtsparkasse und des Freundeskreises des Museums.

Rothweilers Schaffen ergänzt die vorhandenen Sammlungsbestände ihrer Vorgängerinnen Liselotte Strelow (1908-1981) und der kürzlich verstorbenen Theaterfotografin Lore Bermbach. "Wir konnten eine Lücke schließen, die wir schmerzlich gespürt haben", sagt Museumsdirektor Winrich Meiszies. "Es ist eine historische Chance, über dieses Material zu verfügen. Denn damit decken wir knapp 70 Jahre Schauspielhaus-Geschichte ab."

Die Fotos verdeutlichen auch den Wandel der Technik in dieser Zeit. Neben Dias und Negativen türmen sich CDs. Von Aufnahmen in Schwarz-Weiß wechselte man zur Farbe, von der analogen in die digitale Form. "Wir werden lange brauchen, bis wir dem Archiv eine sinnvolle Form geben können", vermutet Meiszies. "Das geht nur in kleinen Schritten." Vorerst sei es wichtig, dass man wisse, wo man suchen müsse, wenn jemand nach einer Aufnahme oder Inszenierung frage.

Sonja Rothweiler hat an der Fachhochschule für Gestaltung und Design in Krefeld studiert. Ab 1976 war Lore Bermbach ihre Lehrmeisterin. Unter den Intendanten, die sie erlebte, stand ihr Volker Canaris am nächsten: "Weil er selber hervorragend fotografierte, konnte man wunderbar mit ihm fachsimpeln." Während ihrer Zeit am Schauspielhaus hätte sich die Bedeutung der Fotografie als Marketing-Instrument erst entwickelt: "Anfangs gab es nur Plakate. Später explodierte die Öffentlichkeitsarbeit, der Bedarf an Dokumenten stieg." Nie sei sie ohne ihre Kamera zu einer Probe gegangen. Sie erinnert sich an viele beeindruckende Schauspieler, an zwei aber ganz besonders: "Die junge Caroline Ebner. Sie füllte die Bühne, sobald sie sie betrat. Und Sylvester Groth. Der war gar nicht groß gewachsen, aber als ,Macbeth' kam er mir riesig vor."

Gern experimentierte Sonja Rothweiler mit technischen Finessen, wie sie in Mode kamen und oft auch wieder verschwanden: "Ich probierte Schrägen oder Unschärfen aus. Man wollte das Foto ja möglichst spannend machen und Aufmerksamkeit erregen."

Heute fotografiert sie immer noch für diverse Bühnen (Frankfurt, Wuppertal, Koblenz, Aachen), ist für die Ruhrtriennale, den Gasometer Oberhausen und die Tonhalle Düsseldorf im Einsatz. Weil ständig neues Material dazukommt, musste sie daher Platz schaffen in ihrem Atelier.

Ihr Schauspielhaus-Archiv weiß sie jetzt in guten Händen: "Sollte ich Sehnsucht bekommen, kann ich meine Fotos jederzeit besuchen."

Quelle: RP
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