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Düsseldorf
Ein Krimi fürs Handy

Düsseldorf: Ein Krimi fürs Handy
Sabine Klewe und Martin Conrath. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die beiden Düsseldorfer Autoren Sabine Klewe und Martin Conrath arbeiten derzeit an einem Digital-Experiment. Von Sabine Schmidt

Es war ein langer Tag in Köln, sie sind müde, das merkt man. Aber sie strahlen, wenn sie über ihre Bücher sprechen, auch wenn sie längst alte Hasen im Buchmarkt sind und schon tausende Seiten veröffentlicht haben. Was ist für sie immer noch so faszinierend am Schreiben? "Es ist aufregend, neue Welten zu schaffen", meint Martin Conrath - "und viele Leben zu leben", bestätigt Sabine Klewe. Die beiden spielen sich beim Schreiben die Bälle zu und ebenso im Gespräch in der Bilker Kneipe "Geissel". "Und es macht Spaß, etwas Neues ausprobieren, mit einer anderen Art des Schreibens experimentieren zu können", sagt Sabine Klewe.

Dieses Neue findet beim Lübbe Verlag in Köln statt: Die beiden schreiben als Teil eines Autorenkollektivs an einem Thriller fürs Handy. Am Ende wird er als gedrucktes Buch erscheinen, vor allem aber soll mit ihm die Onlineplattform oolipo demnächst starten. "Das Ziel des Streaming-Portals ist es, Menschen zu erreichen, die eher selten zu einem Buch greifen", erklärt Martin Conrath. Über das Handy oder das Tablet sollen sie aber ihrer Thriller-Schnitzeljagd quer durch Europa folgen.

Wie man Figuren entwickelt und Spannung aufbaut, wissen die beiden Autoren. Für das Handy mit dem kleinen Bildschirm müssen sie den Text aber knapper schreiben und zudem Spielraum für Online-Zusatzeffekte wie Videos und Bilder schaffen. "Die größte Herausforderung ist allerdings, mit anderen gleichzeitig an verschiedenen Teilen des Thrillers zu schreiben und pünktlich nach fünf Wochen fertig zu werden", sagt Sabine Klewe.

Vier Autoren übernehmen je einen Teil, Initiator Markus Stromiedel ist der Text-Supervisor. Das sind zum Teil Zehn-Stunden-Arbeitstage, die sie in Köln verbringen, mit sehr genauer Planung des Romans und genauen Absprachen. Sabine Klewe schreibt den dritten, Martin Conrath den vierten Abschnitt: den Showdown.

Die beiden bringen gute Voraussetzungen dafür mit, weil sie mit gemeinsamem Schreiben viel Erfahrung haben. Jeder liest die Krimis und Thriller des anderen; als Sabine Martin verfassen sie zudem zusammen historische Romane - und das klingt bei ihnen entspannt und harmonisch. "Martin beginnt mit dem Text. Dann bearbeite ich seine Passagen, schreibe weiter, gebe ihm den Text zurück, und er fährt fort", erklärt Sabine Klewe. "Wir tauschen das Manuskript so lange aus, bis wir beide zufrieden sind."

Fünf Titel haben sie bisher gemeinsam veröffentlicht. Der nächste, "Die Königin der Diebe", wird voraussichtlich im Herbst erscheinen: "ein tolles, buntes Abenteuer mit viel Action", begeistert sich Martin Conrath. Das ist Routine für die beiden und doch sehr viel mehr - und der rote Faden, der sich eben auch durch das Gespräch mit ihnen zieht: Sie sind bei jedem neuen Titel mit Haut und Haar dabei.

"Die Königin der Diebe" wird im späten Mittelalter spielen, er wird genau recherchiert sein - und leichter als die genregemäß dunkler gestimmten Thriller. Zurückhaltend beim Thema Gewalt sind beide Autoren nicht. Die "Schlachtplatte", Gewaltexplosionen, die im Buchmarkt immer mehr Raum einnehmen, ist aber nicht ihr Ding. "Wir wollen erzählen, warum Menschen Verbrechen begehen. Dass jemand getötet wird, steht nie für sich, sondern immer in diesem Kontext", betont Martin Conrath. "Die Gewaltanteile im Thriller sind für mich zudem ein Weg, mich mit meinen eigenen Ängsten auseinanderzusetzen", erklärt Sabine Klewe.

Mit ihren Unterhaltungsromanen sind die beiden bei großen Publikumsverlagen gut im Geschäft. 2016 wird von ihnen neben dem gemeinsam verfassten historischen Roman je ein Thriller erscheinen. Auch die Titel für 2017 sind geplant - mit einer Neuerung, die ihnen sehr gefällt: Ihre Geschichten, die bisher meist in Düsseldorf spielen, können sie jetzt im Ausland verorten. "Verlage entdecken Urlaubsregionen mehr und mehr als Krimischauplätze auch für deutsche Autoren", erzählt Sabine Klewe. "Das bedeutet mehr Abwechslung, mehr Farbe: Ein anderer Schauplatz heißt immer auch, andere Akzente setzen zu können mit anderen Figuren und Mentalitäten." Martin Conrath wird seine neue Thriller-Reihe ins englische Devon verlegen. Sabine Klewe geht nach Lissabon.

Schreiben werden sie aber weiterhin im Rheinland. Wenn sich das oolipo-Autorenkollektiv in Köln auflöst, werden Sabine Klewe und Martin Conrath wieder zu zweit in Düsseldorf unterwegs sein: nebeneinander mit ihren Laptops in ihren Lieblingscafés sitzen und an ihren Texten arbeiten.

Quelle: RP
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