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Analyse
Ein Masterplan für die Kunst

Düsseldorf. Die Museumslandschaft ist strukturell erstarrt. Seit Jahrzehnten wurschtelt jedes Institut vor sich hin. Es ist Zeit für einen Aufbruch. Von Bertram Müller

Das Problem ist erkannt, doch Veränderungen sind nicht in Sicht. Zwar ist sich Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) darüber im Klaren, dass auch die Strukturen kultureller Einrichtungen zuweilen an neue Anforderungen angepasst werden müssen; die Stadt Düsseldorf tut sich aber schwer damit. Sie hat sich für ein Verfahren entschlossen, auf das Unternehmen gern zurückgreifen, wenn sie sich möglicher Kritik entziehen wollen: Sie hat das Problem ausgelagert.

Für 250.000 Euro hat sie nicht etwa eine Kommission gebildet, die dafür sorgt, dass die Kulturszene in Düsseldorf wieder attraktiver wird. Das Geld für das Institut für Kulturpolitik der in Bonn ansässigen Kulturpolitischen Gesellschaft dient lediglich dazu, "neue Formate" zu schaffen, aus denen neue Dialoge entstehen. Sehr nebulös, sehr langwierig und nicht dazu geeignet, dringende Fragen zu beantworten: Was geschieht mit dem Museum Kunstpalast, wenn dessen Direktor Beat Wismer im Herbst nächsten Jahres aus dem Amt scheidet? Wie reagiert die Stadt auf mögliche neue Akzente der landeseigenen Kunstsammlung NRW, wenn ein Nachfolger für die im November nach Dresden wechselnde Leiterin Marion Ackermann gefunden ist?

Gleichgültig, was ein Masterplan dereinst vorschlagen wird und was künftige Museumsdirektoren im Schilde führen: Schon jetzt lässt sich ein Szenario entwerfen, das Aufbruch verheißt.

Zunächst die Diagnose: Im Düsseldorfer Kunstbetrieb geschieht zu viel parallel und ohne Abstimmung. Als gäbe es Ausstellungen zur Gegenwartskunst weder im K20 noch im K21, im KIT am Rheinufer und im Museum Kunstpalast, leistet sich Düsseldorf eine Kunsthalle ausschließlich für zeitgenössische Kunst. Unser Vorschlag: Deren Chef Gregor Jansen übernimmt nächstes Jahr die Leitung des Museums Kunstpalast. Das Programm der Kunsthalle, die man dem Kunstpalast organisatorisch angliedern könnte, wird in kleinerem Maßstab im KIT fortgeführt, und die Kunsthalle steht weniger beachteten Ausstellungshäusern der Stadt zur Verfügung, die einmal im Jahr nach einem großen Auftritt drängen. Exemplarisch gab es das schon einmal: 1997, als das Heine-Institut zum 200. Geburtstag seines Namenspatrons die bundesweit beachtete Heine-Schau "Ich Narr des Glücks" in der Kunsthalle inszenierte.

Das Museum Kunstpalast sollte gerade angesichts seiner finanziellen Ungewissheit nach dem Ausstieg des Sponsors Eon seinen Ehrgeiz zügeln, mit der Kunstsammlung NRW mitzuhalten, und sich auf seine Stärken besinnen. Die Kunstsammlung NRW hat ausschließlich 20. und 21. Jahrhundert zu bieten, der Kunstpalast dagegen verfügt über eine Sammlung, die von der Antike bis zur Gegenwart reicht und aus der sich auch Ausstellungen schöpfen lassen, die ohne teure Leihgaben auskommen. Der ständige Wechsel kleinerer Ausstellungen wirkt zuweilen wie Aktionismus. Eine große, bundesweit beachtete Schau zur älteren Malerei oder Bildhauerei und einige Ausstellungen mittleren Formats pro Jahr - weniger kann mehr sein, hier wie überall.

Ob es überhaupt zu Veränderungen in Düsseldorfs Museumsszene kommt? Strukturen sind von Natur aus starr. Die Kommunalpolitiker sind gefordert, sie aufzubrechen und für das Ergebnis geradezustehen. Dafür haben wir sie schließlich gewählt.

Quelle: RP
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