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Düsseldorf
Ein Roman über Familie, Geigenbau und die Liebe

Düsseldorf. Der neue Liebesroman von Herbert Asbeck (80) heißt "Eine Liebe in Cremona". Wie angenehm, dass der Autor ohne Kitsch auskommt. Von Jessica Balleer

Mit einer gewissen Leichtigkeit liest sich dieser Roman. Seite für Seite blättert der Leser um, Absatz für Absatz nimmt er auf, und all das verstreicht so angenehm, wie die Zeit im Sommerurlaub am Meer. Dabei ist "Eine Liebe in Cremona" (Allitera Verlag) weder sonderlich spannend noch aufregend. Der Roman lebt von der Sprache, der Expertise und der Fähigkeit des Autors Herbert Asbeck (80), mit den richtigen Worten Bilder und Musik zu erzeugen.

Schon die Namen der Charaktere klingen stilecht: Alfredo und Lucia, Guiseppe und Giancarlo. Jeder weiß sogleich, dass "Eine Liebe in Cremona" natürlich in Italien spielt. Und bei dem Namen "Cremona" hört selbst der Leser sie fast klingen, die Saiten der edlen Geige, die dort Tradition hat: Cremona gilt als Heimat der Geigenbaukunst. Giancarlo Kohler ist ein Geigenbauer. Dass der Autor Herbert Asbeck heißt und einige dieser Zeilen in Erkrath, im Herzen Nordrhein-Westfalens, geschrieben hat, mag man kaum glauben. Denn mit jeder Buchseite fühlt es sich an, als ziehe einen die Geschichte immer tiefer hinein in die italienische Kultur.

Im neuen Liebesroman von Herbert Asbeck geht Geigenbauermeister Giancarlo Kohler traditionsbewusst der Handwerkskunst nach. Es ist der Ort, an dem einst Koryphäen wie Antonio Stradivari weltbekannte Violinen schufen. Der Leser lernt das soziale Geflecht von Giancarlo kennen, die Familiengeschichte verdichtet sich von Seite zu Seite. Überraschend tritt dann eine junge Frau in sein Leben, die ihr Gedächtnis verloren hat - aber virtuos Geige spielen kann. Die beiden verlieben sich ineinander. Lisa bleibt vorerst an seiner Seite.

Das Buch aber büßt weder hier an seiner Leichtigkeit ein, noch dann, als Giancarlo von einem geheimnisvollen Mann den Nachbau einer besonderen Geige aufgetragen bekommt. Da ist kein Platz für Kitsch. Es wäre leicht gewesen, mit einer Liebesgeschichte in Italien in die Klischeefallen zu tappen. Asbeck aber kommt ohne Anrüchigkeit aus und schafft den Drahtseilakt - zwischen Gefühl und Verstand. Dankbar stellt der Leser fest, dass nicht jedes Gefühl ausbuchstabiert wird.

Sein Roman ist ein kurzweiliges, gut recherchiertes Lehrstück über die Geigenbaukunst, über die Befindlichkeiten einer italienischen Familie und über den inneren Konflikt eines Idealisten, der sein tägliches Handwerk lieber als Kunst verstehen will.

Dass der Erkrather mehr als zwei Jahre geschrieben hat, wird in seinen detailreichen Beschreibungen deutlich. Am Ende hat man fast selbst das Gefühl, dort gewesen zu sein. Der gebürtige Düsseldorfer Herbert Asbeck hat bereits zehn Bücher veröffentlicht. Für "Eine Liebe in Cremona" (2016) reiste er in die norditalienische Stadt in der Lombardei. Die Idee für die Geschichte des Geigenbauermeisters Giancarlo Kohler in Cremona kam Asbeck im Gespräch mit dem Düsseldorfer Geigenbauer Johann Scholtz. Dieses Treffen und das damit verbundene Romandebüt "Lambis Geiger" liegt zwar schon gut 15 Jahre zurück. Seither aber sind die Charaktere in seinem Kopf entstanden, und die Geschichte konnte reifen. Als die Seiten entstanden, wurde der Autor Asbeck zum Vorleser. Es war seine Frau, die stets zuerst beurteilen durfte, wie sie die neuen Zeilen finde.

Nichtmusiker Asbeck hat die vergangenen Jahre genutzt. Er hat das Instrument Geige studiert, hat Italien mehrfach bereist, sich der Kultur der Italiener bewusst gemacht - und seinen Schreibstil geschliffen.

Liebesroman "Eine Liebe in Cremona" von Herbert Asbeck, Allitera Verlag, 316 S. , 19,90 Euro. Morgen, 19.30 Uhr, liest er im Heine-Institut, Bilker Straße 12-14.

Quelle: RP
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