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Düsseldorf
Ein Schatz der Nachkriegszeit

Düsseldorf: Ein Schatz der Nachkriegszeit
Anfang April 1946 gewann Albert Kuhn beim ersten Kellnerrennen in Düsseldorf, das entlang der Kö ausgetragen wurde. FOTO: ZMB/Hans Berben
Düsseldorf. Durch einen Zufall entdeckte Peter Henkel von der Mahn- und Gedenkstätte die 11.000 Negative des Journalisten Hans Berben. Ein Jahr arbeitete das Kuratoren-Team an einer Ausstellung, die am Montagabend eröffnet wurde. Von Nicole Scharfetter

Von Albert Kuhn, einem Kellner des Benrather Hofs, erzählt der Journalist Hans Berben am 2. April 1946 im Rhein-Echo. "Düsseldorfs schnellster Kellner noch schneller. Erstes Kellnerrennen über die Kö" überschrieb Berben damals seinen Artikel in der Zeitung. 5000 Zuschauer sollen an jenem Donnerstagvormittag an der etwa 600 Meter langen Rennstrecke gestanden und dabei zugeschaut haben, wie die Kellner drei Pokalgläser gefüllt mit Fanta auf einem Tablett über die Kö zum ehemaligen Standort des Bergischen Löwen balancierten. Sieger war eben jener Albert Kuhn, dessen Schwarz-Weiß-Foto nun in der Mahn- und Gedenkstätte hängt.

Das Kellner-Rennen ist eines von vielen Ereignissen in Düsseldorf, über das der Journalist im Rhein-Echo berichtete. "Um seine Texte zu illustrieren, machte Berben häufig selbst die Bilder", sagt Hildegard Jakobs, stellvertretende Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte und Mitglied des Kuratoren-Teams. Der Nachlass von Hans Berben, der etwa 11.000 Negative umfasst, blieb lange Zeit im Verborgenen. Durch einen Zufall stieß Jakobs' Kollege Peter Henkel auf den Schatz - als er bei Renate Rütten im LVR-Zentrum für Medien und Bildung auf der Suche nach Material für eine andere Ausstellung war. In "Neues Land. Hans Berben: Fotografien 1946-1951" werden jetzt rund 100 von Berbens Aufnahmen gezeigt, allesamt schwarz-weiß, in schlichte schwarze Rahmen gefasst und hinter weiße Kartons gelegt.

Die Motive stammen aus der Nachkriegszeit, sie zeigen das neue Land Nordrhein-Westfalen, das die Briten 1946 aus der Taufe hoben. Berben schrieb über Politik und Sport und Kultur, im Mittelpunkt standen immer die Menschen. "Die klassischen Trümmerfotos gibt es nicht", sagt Hildegard Jakobs. Wenn Berben schon Trümmer fotografierte, setzte er spielende Kinder auf den Schutt. Als der Landtag im Gesolei-Saal der Henkel-Werke tagte, lichtete Hans Berben Ministerpräsident Karl Arnold ab, der erschöpft an einem Tisch hockt und eine Zigarette raucht. Es sind diese privaten Momente, die Berbens Arbeit ausmachen. Und Arnold sollte nicht der einzige angestrengte Politiker sein, den der Journalist vor die Linse bekam. "Ein ähnliches Bild gibt es von SPD-Politiker Kurt Schumacher", sagt Jakobs. Die Aufgaben, die in der Nachkriegszeit bewältigt werden mussten, waren enorm. Nicht nur der Wiederaufbau und die Lebensmittelversorgung mussten sichergestellt werden. Über allem stand die Integrations- und Aufarbeitungsleistung zwischen NS-Tätern, NS-Opfern, Flüchtlingen und Vertriebenen, ehemaligen Zwangsarbeitern und Kriegsheimkehrern.

Von der einst großen jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, die mehr als 5000 Mitglieder zählte, waren im ersten Nachkriegsjahr nur noch 348 Menschen registriert. Hans Berben besuchte das Displaced Persons-Camp (Lager für Personen, die nicht an diesem Ort beheimatet sind) in Bocholt und feierte in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf Chanukka. Ein Bild aus Berbens Sammlung zeigt die Kinder Werner Herz und Henni Deutsch, die die Kerzen am siebenarmigen Leuchter, der Menora, anzünden.

Gestaltet wurde die Ausstellung von Thomas Ullrich, der neben einem Kalender auch einen Sammelband zusammengestellt hat. "Etwa 200 Fotos haben wir gescannt und abgedruckt", sagt Ulrich. Nur ein Bruchteil von dem, was der Journalist und Fotograf Hans Berben hinterlassen hat. 11.000 Negative - nicht alle im besten Zustand -, mit denen noch unzählige Ausstellungen bestückt werden könnten.

Quelle: RP
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