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Düsseldorf
Ein Wochenende für den gesungenen Jazz

Düsseldorf. Die zweite Ausgabe des Düsseldorfer Jazzfestivals beginnt heute. Im Mittelpunkt steht Gesang - vor allem weiblicher. Von Barbara Steingiesser

Nun steht in Düsseldorf wieder ein ganzes Wochenende im Zeichen des Jazz. Das Festivaljahr 2016 beginnt mit der zweiten Ausgabe des Düsseldorfer Jazzfestivals: Unter dem Titel "Spot on Jazz" rückt es jedes Jahr ein anderes Thema in den Mittelpunkt, das aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet wird. Nach dem Piano im vergangenen Jahr steht nun der Jazzgesang im Scheinwerferlicht.

"Ich freue mich, dass wir das Festival fortsetzen können", sagt Peter Weiss, künstlerischer Leiter der Jazz-Schmiede, der die Veranstaltung gemeinsam mit Eckart Schulze-Neuhoff, dem Leiter des Robert-Schumann-Saals, ins Leben gerufen hat. Zum Konzept gehört nicht nur, dass die Musik des Schwerpunktthemas in verschiedenen Besetzungen und Stilrichtungen vorgestellt wird, sondern auch, dass die Konzerte an zwei sehr unterschiedlichen Veranstaltungsorten stattfinden. In der Jazz-Schmiede, dem urigen Club, und - nach dem Vorbild von "Jazz at the Philharmonic" - im Robert-Schumann-Saal, einem klassischen Konzertsaal.

Das Festival "Spot on Jazz" mit dem Schwerpunkt "Vocal Jazz" präsentiert an drei Abenden, von denen jeder unter einem anderen Motto steht, regional und international bekannte Sängerinnen und Sänger. Das stilistische Spektrum reicht vom Swing der 60er Jahre bis zur ganz jungen Avantgarde, wobei die Chronologie von hinten aufgerollt wird.

Unter dem Motto "Young Lions" lässt Peter Weiss heute in der Jazz-Schmiede der Jugend den Vortritt. Das Festival beginnt mit der jungen Ukrainerin Tamara Lukasheva, die seit 2010 in Köln lebt und die dem Programm-Macher von den Kollegen, die an der Kölner Musikhochschule unterrichten, wärmstens empfohlen wurde. Kompromisslos experimentell mixt sie Elemente aus der Folklore ihrer Heimat mit modernem Jazz und zeitgenössischer Musik. Sänger Tobias Christl, der das zweite Konzert bestreitet, hat für sein aktuelles Projekt in der Popmusik gewildert. Was Lukasheva und Christl vereint: Sie machen Zukunftsmusik.

Der Titel "Cool and Hot" veranschaulicht treffend, worum es morgen im Robert-Schumann-Saal geht. Die Pianistin Julia Hülsmann und der Sänger Theo Bleckmann zelebrieren Lieder von Kurt Weill als luftig-kühle Kunstwerke, wohingegen die US-Amerikanerin Soleil Niklasson mit erdigen Grooves anschließend dafür sorgt, dass die Temperatur im Saal steigt. Sie trägt die Sonne nicht nur im Namen. Für Peter Weiss, der Niklasson am Schlagzeug begleitet, stehen die afroamerikanischen Vokalistinnen immer noch für "das Leuchtende im Jazzgesang".

Zur Abschlussveranstaltung "Ladies in Jazz" kommen fünf hochkarätige Jazz-Vokalistinnen in den Schumann-Saal. Zunächst bringen Sabine Kühlich, Anne Czichowsky, Laia Genc und Kristin Korb geballte Frauen-Power auf die Bühne, wobei das Quartett nicht nur scatten kann, sondern sich auch noch selbst begleitet. Kühlich spielt Saxofon, Genc Piano, und die in Dänemark lebende Amerikanerin Kristin Korb brilliert am Kontrabass. Das Finale schließlich steht der niederländischen Grande Dame des Jazz zu, der 76-jährigen Greetje Kauffeld, die man auch aus ihrer jahrzehntlangen Zusammenarbeit mit dem 2013 verstorbenen Paul Kuhn kennt. "Der Sonntag ist eine Reverenz an die Tradition", sagt Weiss, "gelebte Tradition, keine aufgesetzte, denn jeder spielt die Musik aus der Zeit, in der er aufgewachsen ist, am authentischsten."

Dass am selben Tag der Rosenmontagszug nachgeholt wird, kann Peter Weiss nicht schrecken: "Man kann mittags zum Karnevalszug gehen und nachmittags zum Konzert, denn das ist schließlich der unterhaltsamste Teil des Festivals." Eigentlich aber, meint er, sollte man die Chance nutzen und das ganze Festival besuchen. "Denn", so Weiss, "die drei Veranstaltungen bieten denjenigen, die neugierig darauf sind, was im Augenblick im Jazzgesang passiert, einen guten Überblick."

Quelle: RP
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