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Düsseldorf
Eine Bücherei für Hörer, Leser und Musiker

Düsseldorf: Eine Bücherei für Hörer, Leser und Musiker
Thomas Kalk leitet die Musikbibliothek. In seinem Haus kommen viele Menschen zusammen, die sich für Musik interessieren. FOTO: Endermann, Andreas (end)
Düsseldorf. In der Stadtbibliothek am Bertha-von-Suttner-Platz treffen sich die Musikfreunde der Stadt. Es gibt auch Konzerte und Vorträge. Von Armin Kaumanns

Judith Stapf macht die Augen zu beim Geigen. Jedenfalls wenn's so innig zugeht wie in Eugene Ysayes spätromantischem "Winterlied". Da kann sie sich ganz konzentrieren auf den warmen Klang der G-Saite, von der ein Schwelgen und Klingen anhebt, das später auch ein wenig frösteln lässt. Die 18-Jährige steht in ihrem kurzen Kleid auf dem Podium der Musikbücherei, vor ihr lauschen die Gäste der Talkrunde "Musik im Gespräch" dem Nachwuchs und freuen sich schon aufs Interview, das gleich Hartwig Frankenberg führen wird. Doch erst einmal singt die Guarneri noch von Glück und Schwermut der Jahrhundertwende.

Judith Stapf hat Talent, ist selbstbewusst und nicht auf den Mund gefallen. Als ihr mit bunter Fliege geschmückter professoraler Gesprächspartner sie fragt, ob sie jetzt eigentlich Geigerin oder Violinistin sei, antwortet sie: "So eine Frage habe ich ja noch nie gehört." Um gleich deutlich zu machen, dass sie mit beiden Beinen auf dem Boden stehe, was ja wohl eher für "Geigerin" spreche.

Sie erzählt bereitwillig und in wohlgewählten Worten von pränataler musikalischer Prägung (die Mutter ist Sängerin, der Vater Pianist), vom mit drei Jahren geweckten Wunsch, Geige zu spielen. Dass das Üben (zuerst mit der Mama) für sie so spaßig war wie für andere Kinder das Auf-Bäume-Klettern und dass später der Papa zum persönlichen Technik-Trainer avancierte. Mit elf wurde sie Jungstudentin in Köln und studiert da seit zwei Jahren regulär. Gerade hat sie mit den Duisburger Philharmonikern als einer der "Virtuosen von morgen" konzertiert. Wettbewerbserfolge und Konzerttourneen klingen verheißungsvoll.

"Vielleicht werden mich später die Leute bewundern, wenn ich erzähle, Judith Stapf war 2016 bei uns zu Gast" - so spielt Thomas Kalk, Chef der Musikbibliothek, auf die mögliche Karriere der jungen Geigerin an. In seinem Haus bricht sich wie in einem Brennglas, seit Jahrzehnten eigentlich, das Musikleben der Landeshauptstadt. Hier gehen nicht nur Plattenfreaks ein und aus, hier laufen sich auch Konzert- und Operndramaturgen über den Weg, treffen auf Studenten und Journalisten, fanatische Konzertgänger und praktizierende Hobby- oder Profi-Musiker. Am Schwarzen Brett vermitteln sich Kontakte zwischen Lehrern, Schülern und Musikern aus allen Genres.

300.000 Ausleihen im Jahr sind so viel wie die der großen Stadtteilbibliothek Bilk, allein 113.000 Noten wurden 2014 entliehen. Auf reges Interesse stößt die Möglichkeit, alte Vinyl-Schätzchen vor Ort zu digitalisieren. Ein E-Piano, das angeschafft wurde, muss lange im Voraus gebucht werden. Regelmäßig erscheint inzwischen eine Schriftenreihe zum Musikleben der Stadt, in Zusammenarbeit mit dem Stabi-Freundeskreis. Zuletzt eine Monografie zu Thomas Blomenkamps 60. Geburtstag und Oskar Gottlieb Blarrs Rückblick auf 40 Jahre "3 mal neu".

"Musik im Gespräch!" ist da ein neues Format. "Ins Konzertangebot der Stadt braucht und soll sich die Musikbibliothek nicht einmischen, das ist wahrlich bunt genug", sagt Kalk. Gleichwohl stoße das Interview (für den von Frankenberg herausgegebenen Konzertkalender) auf regelmäßiges Interesse. Zuletzt war der Elektronik-Komponist Christian Banasik da, im April kommt die Journalistin Barbara Steingießer.

Mit Judith Stapf ist diesmal eine erstaunlich vielseitige junge Frau zu Gast, die nicht nur gern, viel und gut Geige spielt (von Paganini bis zu einer spanischen "Schnulze"), sondern auch interessant erzählt: wie sie ihre Guarneri per Crowdfunding erworben hat; wie sie einen Überlebenden von "Schindlers Liste" in Polen aufgesucht hat, das anschließende Buchprojekt und ihren Mentor Pinchas Zukerman. Judith Stapf bleibt im Gespräch.

Quelle: RP
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