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Düsseldorf
Eine Sopranistin auf Höhenflug

Düsseldorf: Eine Sopranistin auf Höhenflug
Die spanische Sängerin Elena Sancho Pereg ist an der Rheinoper zu erleben. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Elena Sancho Pereg sammelt Ehrungen: Bald erhält sie den Förderpreis NRW, für den Theaterpreis "Faust" ist sie nominiert. Nun hat sie auch noch die Zeitschrift "Opernwelt" ausgezeichnet. Von Regine Müller

Elena Sancho Pereg braucht keine große Rolle. Denn die baskische Sopranistin macht selbst aus einer kleinen Rolle einen großen Auftritt. Sobald sie die Bühne betritt, zieht sie alle Blicke auf sich. Zum Beispiel als Fiaker-Milli in Richard Strauss' "Arabella", die vor zwei Wochen Premiere hatte: Da irrlichtert sie im knappen, mintgrünen Pailletten-Bustier und blauem Samtjäckchen, gelbem Tüll-Minirock, auf dem Kopf einen riesigen Zylinder und in der Hand eine Schampusflasche über die Bühne, hat nur wenig zu singen, aber prägt doch die subtile Inszenierung von Tatjana Gürbaca wesentlich mit.

Silke Wilretts schräge Kostüm-Kombination ist wie geschaffen für die zierliche Sängerin, deren Ausstrahlung auffallend anders ist: Man nimmt sie als Schauspielerin wahr, als Darstellerin von hohen Graden, für die alles gespreizt Sängerische, die Dominanz der Stimme nicht gilt.

Obwohl die Fiaker-Milli alles andere als ein stimmlicher Spaziergang ist und erst recht die hoch virtuosen Zerbinetta-Koloraturen in Strauss' "Ariadne auf Naxos" - ihr Debüt an der Rheinoper - kaum zu überhören sind. Dennoch, man folgt zuerst gebannt ihrem Spiel, bevor man die Qualität ihrer Stimme registriert.

Elena Sancho Pereg erinnert daran, dass es viele Talente gibt, aber nur sehr wenige wirkliche Ausnahmetalente. In der Theaterwelt bezeichnet man sie als "Bühnentier", denn dieser seltsame Begriff beschreibt sehr treffend die Unmittelbarkeit der Überwältigung, die solche Talente auslösen.

Denn dieser zierliche Wirbelwind singt nicht nur formidabel, sondern verleiht der Zerbinetta einen schillernden, zerbrechlichen Charakter, auch ihre Fiaker-Milli ist eine exzessive, strahlende Figur, die aber zugleich stark gefährdet wirkt. Und ihre Stimme? Die funkelt verführerisch und springt federleicht in gefürchtete Höhenregionen bei makelloser Spurführung.

Als "Schicksal" bezeichnet sie ihren Beruf, sie habe schon als kleines Kind immerzu gesungen. Ihr Berufswunsch war trotzdem ein anderer: "Ich wollte entweder Missionarin oder Schauspielerin werden. Mit dem Singen habe ich dann angefangen, weil ich alles andere nicht mochte: Ballett, Schwimmen, das war nichts für mich."

Nach ihrem Gesangsstudium befragt, antwortet sie mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Das Üben habe ich nie geliebt, Technik trainieren, Skalen singen, das mochte ich nicht. Ich wache erst auf, wenn ich spielen kann, dann kann ich über die Stimme artikulieren, was in mir ist. Singen ist für mich die perfekte Art, Gefühle zu transportieren, es ist pure Schwingung."

Noch ist ihr Repertoire schmal, sie hat Zeit zu studieren und fühlt sich an der Rheinoper als "Teil einer Familie". Wie erarbeitet sie sich eine Mount-Everest-Partie wie die Zerbinetta? "Ich singe lange Zeit nicht mit der Vollstimme, sondern ich summe. Und zuallererst übersetze ich mir den Text, denn nur, wenn ich den Sinn ganz und gar verstehe, kann ich den Klang erzeugen."

Ganz ohne Hürden ist aber selbst ihre junge Karriere nicht verlaufen. Nach dem Studium an der Guildhall durchlebte sie eine Krise, hörte auf zu singen und wollte - das sprach die Missionarin? - die Welt verbessern. "Heute ist das Geheimnis meiner Karriere, dass ich mich um meine emotionale Stabilität kümmere. Überhaupt steht im Zentrum meines Lebens meine eigene innere Entwicklung, mein Wachstum als Mensch. Das Singen ist nur mein Werkzeug."

Irgendwann würde sie gerne die Violetta in Verdis "La Traviata" singen, auch die Königin der Nacht in Mozarts "Zauberflöte".

Bietet sich für einen hohen, koloraturgängigen Sopran nicht auch eine parallele Konzertkarriere an? "Nein, ich singe überhaupt nicht gern Konzerte. Denn ich bin nicht wirklich eine Sängerin, ich bin viel eher Schauspielerin. Ich singe nicht, ich spreche durch Töne, mein ganzer Stimm-Mechanismus ist gekoppelt an das Spiel, ich kann ohne das keine Töne produzieren. Ich bin keine Stimm-Maschine!"

Quelle: RP
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