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Düsseldorf
Eine Squash-Halle für die Kunst

Düsseldorf. Das Sammlerpaar Dahmen hat eine Sporthalle zum Wohnhaus umgebaut. Dort zeigen sie nun auch Kunst. Von Annette Bosetti

In seinem Schlafzimmer sieht es aus wie an einem Tatort: Gleich neben dem Bett von Rudi Dahmen liegt eine düstere, zwei Meter lange Skulptur auf dem Boden. Unter der schwarzen Plastikfolie ist eine schwarze menschliche Figur abgedeckt, deren Beine herausragen.

Nicht minder gruselig geht es eine Tür weiter zu: In ihrem Schlafzimmer läuft das Video einer Performance, die bisher noch nicht öffentlich zu sehen war. Wenn Rosi Dahmen im Bett liegt, wälzt sich Gregor Schneider gleich darüber in einem anderen Bett, das in dem vom Künstler 2014 erworbenen Geburtshaus des Nazi-Propagandaleiters Joseph Goebbels in Mönchengladbach steht.

Erstmals präsentiert das aus Mönchengladbach stammende Sammlerpaar ein Wohnhaus voller zeitgenössischer Kunst in seiner neuen Heimat Düsseldorf. Vor drei Jahren erst hat Familie Dahmen die Stadt gewechselt. Durch Zufall war der Rechtsanwalt auf eine Anzeige gestoßen, in der eine lange leerstehende Squash-Halle angeboten wurde. Vielleicht, so Dahmen, war die Immobilie, die niemand wollte, genau das Richtige, um die in 30 Jahren erworbene Kunstsammlung unterzubringen - und vor allem geeignet, um mit der Kunst zu leben.

"Es hat bei der Besichtigung keine zehn Minuten gedauert", erzählt der 68-jährige Hausherr, "bis wir uns entschieden und das insgesamt fast 1500 Quadratmeter große Gelände in Flingern erworben haben." Ihm war sofort klar, dass man für die funktional strukturierte Squash-Halle mit Center-Court, sechs weiteren Spielplätzen, Ankleideräumen, Sauna und Gastronomie eine anmutige architektonische Lösung entwickeln konnte, die die Kunst in Einklang mit dem privaten Leben bringen würde. Dazu wurde die mitten in einem Wohngebiet liegende Anlage entkernt. Der Beton ist geblieben, auch die Hallenplätze sind erhalten sowie die für Squash typischen Glaskästen, auf die man vom Wohnraum aus hinunter blickt.

Ganz unter sich wollen die Sammler mit ihren Schätzen nicht bleiben, daher haben sie erstmals halböffentlich eine von den Künstlern Gregor Schneider und Ralf Berger selbst kuratierte Ausstellung veranstaltet. Doch sind sie weit davon entfernt, sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Familie Dahmen will der Kunst zu mehr Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit verhelfen; auch will der Sammler Kunst im weitesten Sinne fördern, weshalb er die sechs Squash-Plätze zu Künstlerateliers mit fairen Mieten umgewandelt hat.

Die ursprünglich aus der Nähe von Gangelt stammenden Eheleute sind erst durch die aktive Museumsarbeit in ihrer Stadt zu Kunstenthusiasten und Sammlern geworden. Hätte es das Abteiberg-Museum mit seinem anspruchsvollen zeitgenössischen Programm nicht gegeben, hätten der Jurist und die in einem Architekturbüro tätige Kauffrau ihre Liebe zur Kunst womöglich nie entdeckt. Dafür ist Dahmen dankbar. Vor zehn Jahren hat er in Mönchengladbach den Kunstverein gegründet, künftig wird sich der Sammler in Düsseldorf einbringen.

Handverlesen sind die Gäste, die Rosi und Rudi Dahmen zur ersten Ausstellung empfangen. 150 Fremde sorgten im Flingerner Wohn-Museum anlässlich der Vernissage für bedenkliche Enge - zumal die Kunst ihren Raum fordert. Der in Düsseldorf beheimatete Aktionskünstler Ralf Berger hatte eine spektakuläre Tauchaktion als Performance abgeliefert. Von der Heldentat kündet eine Bodenarbeit mit Video in der Gasflasche. Augenfällig ist Bergers im Squash-Court installierte Assemblage aus rot-schwarz-golden verschlossenen Gläsern. "Hurra" hat er in jedes Glas vor dem Zuschrauben hineingeschrien. Darauf muss man erstmal kommen.

Der große Schatz in der Dahmen-Sammlung dürfte Gregor Schneider sein, der zu den vielen Werken im Privatbesitz eben das spektakuläre Goebbels-Video als Leihgabe im Schlafzimmer installiert hat. Große und kleine Arbeiten sind von dem in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten stillen Star aufgebaut. Der gleiche Wohnort hat in diesem Fall das Sammlerglück befördert. Rosi und Rudi Dahmen haben von früh an Schneiders Werke erworben. Und sie schätzen ihn.

Quelle: RP
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