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Düsseldorf
Eine Theatertour durch die Düsseldorfer "Niemandsländer"

Düsseldorf. "Düsseldorf Sous-Terrain" ist die vierte Performance des Theaterkollektivs Per.Vers beim Asphalt-Festival. Die Tour ist skurril, gruselig und sehenswert. Von Jessica Balleer

George Orwell hätte seinen Spaß an diesem Theaterstück von Regisseur Christof Seeger-Zurmühlen gehabt. Mehr als einmal wird man auf der performativen Tour durch Düsseldorf an sein dystopisches Werk "1984" erinnert. Das Ensemble Per.Vers inszeniert, tanzt und singt das Stück "Düsseldorf Sous-Terrain", das am NRW-Forum beginnt. Vier Reisebegleiter in knallgelben Anzügen und Kleidern geben "Wohlfühldecken" und Aufkleber mit einer Schwalbe aus. Ab jetzt sind alle gleich. Die Schwalbe, dieses Symbol des Lichts und der Sehnsucht nach Glück, ist das erste Zeichen dafür, dass sich das Stück dem ernsten Thema Städtebau und -gestaltung auf eine komische, übertriebene und genau deswegen sehr anschauliche Weise annimmt.

"Kommen Sie, kommen Sie", dröhnen die Stimmen der Reisebegleiter, immer und immer wieder. Sie werben für das fiktive Unternehmen "Schöner Leben", einer Agentur für öffentliche Raumgestaltung und urbane Utopien. Es dauert nur wenige Minuten, bis der Kernsatz des Abends ausgesprochen ist: "Wir zeigen Ihnen heute, wovon Sie morgen erst träumen!" Einziger Unterschied zu Orwell: Statt "Ozeanien" soll die neue Welt in Düsseldorf den Namen "Avaler" tragen. Neue Wellness-Spas, luxuriöse Wohnviertel und das sichere Verkehrsnetz heißen "La Vue", "La Coeur" oder "Le Marbre". Im Bus dann wird der Teilnehmer mitgenommen auf Erkundungstour durch die Stadt. Eine Fahrt, inszeniert als Werbetour für "Avaler", die den Finger in die urbanen Wunden legt - und im selben Atemzug die Vorzüge der neuen Welt gegenüberstellt. Wie eine Gehirnwäsche fühlt sich das an. Die Schauspieler singen, tanzen und überhöhen. Eine perfekte Inszenierung. Sie ist begeisternd und gruselig zugleich. Kleine Shows am Straßenrand sind die Schmankerl der Show, ehe der Höhepunkt im Untergrund von Pempelfort wartet, einem "Niemandsland" der Stadt. Applaus beendet das Schweigen, als die zweistündige Tour endet. Dass "Avaler" aus dem Französischen kommt und "schlucken" bedeutet, bekommt der Besucher nicht mitgeteilt. Am Ende aber macht er genau das. "Das gibt einem zu denken", sagt das Ehepaar Anke Schneider und Jürgen Jost. "Wem gehört die Stadt?", fragen die Theaterleute. Antworten gibt es nicht. Die Frage bleibt offen bis zum Schluss, stößt aber zum Nachdenken an.

Info Zusatztermin am Sonntag, 13 Uhr; Treffpunkt: NRW-Forum. Karten unter 0211 73105681 und asphalt-festival.de

Quelle: RP
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