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Gastrotipp
Erfolgskonzept aus Köln in Flingern

Düsseldorf. Die Pizza hat Christoph Suhre nicht neu erfunden. Im Lokal 485° aber schmeckt sie einfach anders - und das liegt nicht nur am Teig. Von Birgit Wanninger

Flingern boomt. Es gibt immer wieder neue Lokale, die Trends setzen. Eines davon ist das 485° an der Ackerstraße. Kaum eröffnet, stürmen die Gäste aller Altersklassen schon in Scharen in die ehemalige "Fritte", die der neue Inhaber Christoph Suhre, der bis vor kurzem Küchenchef und Mitinhaber im D'Vine war, umfangreich hat umbauen lassen.

Das Lokal ist klein, es ist eng. Zwei große hohe Tische im ersten Raum, dazu Zweiertische an der Wand. Besteck, zweierlei Öle und Küchenrollen stehen auf dem Tisch. Das ist zweckmäßig - genauso zweckmäßig wie der Kühlschrank, aus dem die Gäste sich die Getränke holen - mit Ausnahme des Weins. Und schon geht es in den nächsten Raum: Dort gibt es an der Wand weitere Sitzmöglichkeiten und die Kasse, an der die Bestellungen aufgeben werden.

Dort steht auch das Allerheiligste: der Pizza-Ofen. Das tonnenschwere Gerät kommt direkt aus Neapel, wo angeblich die Pizza erfunden wurde. Und diese Pizza ist anders, als die Düsseldorfer sie gewohnt sind - also keine germanisierte, sondern das Original. Die Pizza hat einen ganz anderen Hefeteig, der 72 Stunden gehen muss und dann bei einer Temperatur von 485 Grad gebacken wird. Deshalb der Name des Lokals.

Doch es gibt nicht nur Pizzen, sondern auch ein paar nette Vorspeisen mit hübschen Namen wie Schlemmerzunge Reloaded (3 Euro, ein Stück Pizzabrot mit Käse). Seinen Preis wert war auch der Antipasti-Teller "Wolllust" (12,50 Euro): Parmaschinken, Bresaola, Salami, lauwarmer knuspriger Bacon, Lardo, Parmesan-Käse und Büffel-Mozzarella. Alles edle Zutaten, die jeden Sonntag aus Italien angeliefert werden. Dazu gibt es warmes Pizza-Brot, so dass der Gast eine Vorstellung bekommt, wie die bestellte Pizza schmecken kann.

Um es vorweg zu sagen: Darüber wird an den Tischen echt diskutiert. Denn der Rand ist dick, für manche zu dick, und viele Gäste lassen ihn auf dem Teller liegen, während andere ihn mit Begeisterung bis auf den letzen Krümel verspeisen. Kurzum: Der Teig ist schon ungewöhnlich, der Belag ist es erst recht. Grundsätzlich benutzt Suhre hochwertigen Käse, den seine vier italienischen Pizzabäcker verarbeiten. Meist ist es Mozzarella oder Gruyère, wobei Letzteres nicht typisch neapolitanisch ist. Soll es auch nicht sein. Denn der Belag ist reine Fantasiesache. So schmeckte die Pizza Fjord (12) mit Schmand, Lachs und Granatapfel zwar nuancenreich - aber eben nicht wie eine Pizza. Anders ist das bei den Klassikern, der Margherita (8) oder der Salami (9). Wenn da nur der Teig nicht wäre, der zwar luftig ist, aber sich nur schlecht schneiden lässt. Klassische Pizzamesser wären angebracht. Denn - auch wenn es Tradition ist - die Pizza mit der Hand zu essen, erweist sich als schwierig, weil sie im 485° sehr gut belegt ist. Hellboy (12 Euro) mit Chorizo, Iberico Negra und Chilihonig ist schon eine heiße Kombination. Auch der Gentlemen's Cut (12,50 Euro) mit Salsiccia, Ziegensalami und Radicchio überzeugt. Reuben Pastrami (14 Euro) mit Gruyère, karamelisierten Zwiebeln und Coleslaw klingt allerdings doch ein wenig zu gewagt für eine Pizza.

Aber vielleicht sollten sich die Gäste genau davon frei machen und die Pizza einfach als ein kleines geschmackliches Abenteuer in einer neuen Dimension verstehen. Die Produkte sind jedenfalls alle 1a. Das gilt erst recht für die Weine. Mehr als 300 Sorten lagern im Keller direkt unter dem Lokal. Manche gibt es glasweise, die edlen aber per Flasche.

Quelle: RP
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