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Düsseldorf
Frau Paffrath zieht aus

Düsseldorf. Galeristin Ariane Paffrath erfindet sich nach der Trennung von ihrem Mann neu. Von Annette Bosetti

Es gehört schon Mut dazu, in einer Stadt wie Düsseldorf, mit so vielen erfolgreichen Galerien und Kunsthändlern, noch eins draufzusetzen. Doch Ariane Paffrath (56) und Claudia Gericke (46) tun dies nicht etwa zögerlich, sondern mit einem fetten Ausrufezeichen. "Wir schaffen das", sagen sie wie aus einem Mund. "Denn wir glauben daran!"

Noch mehr Mut beweisen sie mit dem, was sie ab morgen in ihren lichten Räumen in der Karl-Anton-Straße ausbreiten: Kunst aus Lateinamerika, acht jüngere Positionen, rund 70 Werke aus Fotografie, Malerei und Zeichnung. Etwas Vergleichbares hat weit und breit niemand im Angebot außer in Berlin. In London hingegen, in der Schweiz oder in New York ist der Kunstmarkt mit Lateinamerikanischem ergiebig.

Die Idee zu einem neuen Galerien-Hotspot entstand unter Freundinnen, am Anfang waren es noch vier, am Ende zwei, die Ernst machen wollten mit einer eigenen attraktiven Kunstadresse. Paffrath, die Kunsthistorikerin ist, und Gericke, die eher in BWL zu Hause, aber Kunstliebhaberin ist, taten sich im Winter zusammen. Zuerst sondierten sie den Markt für ein Ladenlokal, schauten sich in Flingern und in der Altstadt um, bis ihnen Architekt Piet Neiser die ehemalige Außenstelle der Akademie anbot, in der zuletzt die Schüler von Klaus Rinke, Günther Uecker und Bernd Becher Revival-Ausstellungen feierten.

Das Haus liegt im Hinterhof, der gut beleuchtete Galerieraum im Obergeschoss - allerdings ist es keine Adresse, bei der man mit Laufkundschaft rechnen kann. Das war den Unternehmerinnen egal, man kommt heutzutage "by appointment" in eine Galerie, also mit Verabredung. Man kommuniziert über Newsletter, und auf die Vernissagenkarten wurde gedruckt, dass es keine Parkplätze gibt, Taxianfahrt ratsam erscheint.

Ariane Paffrath kann aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen, mehr als 30 Jahre hat sie gemeinsam mit ihrem Mann an der Kö einen hochwertigen Kunsthandel betrieben. Ein Schwerpunkt dabei ist die Düsseldorfer Malerschule, doch vor einem Jahr entschied man sich, auch Contemporary, also Zeitgenössisches, ins Programm zu nehmen. Dann aber trennte sich das Paar, das zwei erwachsene Kinder hat, und Ariane Paffrath musste sich von jetzt auf gleich neu erfinden - auch geschäftlich. Es bedeutete eine Herausforderung, die sie beherzt annahm.

So entstand die Idee zur Galerie, die in einem atemberaubenden Tempo umgesetzt wurde. Mit Claudia Gericke taxierte sie den Markt, man wollte etwas finden, was einzig ist in der Galerienszene, was vielleicht erst im Kommen ist, Erfolg verspricht. Also brachen die beiden Neu-Galeristinnen auf nach Mexiko. Auf der Kunstmesse, in Galerien und Ateliers schauten sie sich um, sahen hunderte Werke an und suchten ihre ersten acht Künstler aus, die sie nun präsentieren.

Es sind alles keine Anfänger, sondern Künstler in den Dreißigern, Vierzigern, die schon bekannt und teils in Galerien in New York oder in der Schweiz vertreten sind. Bei der Auswahl war Paffrath und Gericke die Bandbreite der Stile wichtig sowie die verschiedenen Techniken. "Das Schönste aber ist der Spirit, der das Lebensgefühl in Lateinamerika spiegelt." Gericke kennt das aus eigener Erfahrung, sie ist in Santiago geboren. "Ich glaube, dass man auch in Europa zunehmend die Künstler Lateinamerikas wahrnehmen und schätzen wird", sagt Gericke. "Und wir wollen das populär machen."

Ariane Paffrath schätzt die Bandbreite der Künstler, "nicht alles, was aus Lateinamerika kommt, ist bunt, laut und exotisch". Die Arbeiten der ersten Ausstellung stammen aus verschiedenen Ländern, neben Mexiko aus Kolumbien, Kuba und der Dominikanischen Republik. Große Formate expressiver Malerei neben stillen, allerfeinsten Zeichnungen auf Baumwollpapier, die geprägt sind vom präkolumbianischen Erbe. Ein Maler ist vom Bauhaus inspiriert, versetzt sein Traumhaus in eine eisige Landschaft. Daneben gibt es Malerei mit farbig-abstrakten Meditationsbildern oder intim inszenierte Fotografie.

Die Preise sind moderat, denn es soll auch ein jüngeres Publikum angesprochen werden. Bei 9000 Euro geht es los, bei 20.000 Euro liegt der derzeitige Höchstpreis. Das soll sich nicht wesentlich ändern im bis September 2017 geplanten Programm.

Die Neueröffnung ist auch ein Herzensanliegen, die Galeristinnen verstehen sich gut, die Kontakte zu den Künstlern - drei von ihnen folgten der Einladung nach Düsseldorf - sind warmherzig. Übrigens haben viele Freundinnen mitgeholfen, damit der Start ins Galeristenleben glatt verläuft. Eine quietschbunte Skulptur stiftete eine künstlerisch begabte Freundin. Die heilige "Jungfrau von Guadeloupe" wacht in Mexiko an vielen Orten über Haus, Familie und Geschäft. So jetzt auch in der Karl-Anton-Straße.

Quelle: RP
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