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Grand Départ 2017 in Düsseldorf
Zur Tour kommt ein bisschen Saint-Tropez an den Kö-Bogen

Grand Départ 2017 in Düsseldorf: Skulpturen von Stefan Szczesny
Eine halbe Tonne wiegt jede der acht Skulpturen von Stefan Szczesny, die zum Auftakt der Tour de France in Düsseldorf am Kö-Bogen aufgestellt wurden. FOTO: Galerie Kellermann
Düsseldorf. Zum Auftakt der Tour de France hat die Galerie Kellermann den Kö-Bogen mit farbigen Figuren von Stefan Szczesny geschmückt. Der Künstler, der in Saint Tropez wohnt, ist ein Meister des Savoir-vivre. Von Bertram Müller

Von Saint-Tropez, wo er mit seiner Familie wohnt, beliefert er die Welt mit heiteren, in südlichen Farben leuchtenden Bildern, Keramikarbeiten und drei bis vier Meter hohen Freiluft-Reliefs aus lackiertem Stahl. Ein Deutscher, der so sehr wie er auf den Spuren von Matisse und Picasso wandelt, ist der richtige Mann, um der Tour de France zum Start in Düsseldorf künstlerisches Geleit zu geben.

Die Oberkasseler Galerie Kellermann hat Szczesny vor einem Jahr gebeten, speziell für Klein-Paris einige Großreliefs zu entwerfen, und der mittlerweile 66-jährige Szczesny hat Wort gehalten. Jetzt säumen den Kö-Bogen acht je eine halbe Tonne schwere weibliche Akte, als läge Saint-Tropez am Rhein. Denn auch dort sonnt sich Szczesny zurzeit im Licht der Öffentlichkeit: mit einer vielbeachteten Ausstellung von mehr als 60 seiner Skulpturen in der dortigen Zitadelle.

Zum Ruhm des Radsports rekeln sich in Düsseldorf vor der neutralen Kulisse des grau-weißen, von Daniel Libeskind entworfenen Kaufhauses Breuninger abstrahierte Nackte in Pink, Violett, Gelb, Türkis und Grün, je einfarbig und in unterschiedlichen Posen: mit Fischen in den Händen, mit wehendem Haar oder mit einer Taube auf den Armen. Das wirkt elegant, vergnügt, befreit -eine Kunst, die dem Betrachter zuruft: Die Welt ist schön, besonders im Sommer.

Das gilt auch für die Werke, die im benachbarten Hotel Steigenberger einige Räume zieren, Bilder und Skulpturen vom Beginn der 80er Jahre bis zur Gegenwart. Dort kann man verfolgen, wie aus dem ungebärdigen "Jungen Wilden" ein Maler wurde, der in den 90ern mit seinen Streifenbildern ironisch auf die wiedererstarkende ungegenständliche Kunst Bezug nahm und wie er auf den Spuren seines Vorbilds Picasso auch die Keramik für sich entdeckte.

Galerist Matthias Kellermann berichtet, Szczesny vollende bis zu 1000 Kunstwerke pro Jahr. In einer keramischen Phase etwa arbeite er parallel an mehreren Skulpturen. Manchem Gemälde der jüngsten Zeit sieht man an, dass Szczesny ein Maler des schnellen Strichs ist. Das muss kein Makel sein - er hat den Dreh raus.

Wenn man bedenkt, dass Stefan Szczesny sich etwa die Hälfte seiner Zeit als Botschafter seiner Kunst auf gesellschaftlichem Parkett bewegt und die andere Hälfte im Schaffensrausch verbringt, dann bedeutet das: Er bringt mindestens fünf Werke pro Tag zustande - und dabei ist noch nicht einmal Urlaub eingerechnet.

Zu denen, die ihm die Werke aus den Händen reißen, zählt vor allem der Jetset, der sich in Saint-Tropez trifft: reiche Sammler aus den USA, aus den arabischen Ländern, aus Asien und auch aus Deutschland. Auf mancher Vorstandsetage hängt hierzulande ein repräsentativer Szczesny. Die Akte am Kö-Bogen kosten 39.000 Euro pro Exemplar.

Sie sind dort in guter Gesellschaft. In Sichtweite befindet sich Henry Moores "Liegende Figur in zwei Teilen", Adolf von Donndorfs Peter-Cornelius-Denkmal zu Ehren des ersten Leiters der Kunstakademie Düsseldorf und Günther Ueckers übermannshoher, ins Pflaster geschlagener Nagel, der an die Zeit der Industrialisierung erinnert. Vielleicht hinterlässt ja auch die Tour de France ein dauerhaftes Zeichen - in Gestalt eines jener stählernen Akte, die als Motiv aus Szczesnys Bildern wuchsen. Fotografen haben die Ladies längst in ihr Herz geschlossen.

Quelle: RP
 
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