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Düsseldorf
Großvater zwängt sich in Strumpfhosen

Düsseldorf. In "Opa ist die beste Oma" verwandelt sich Schauspieler Gernot Endemann in ein Großmütterchen. Der 74-Jährige wurde einst von Inge Meysel entdeckt. Am Mittwoch feiert er in der "Komödie" an der Steinstraße Premiere. Von Regina Goldlücke

Ungeduldig hatte Gernot Endemann in den letzten Tagen auf sein erstes Enkelkind gewartet. Es wäre doch zu schön gewesen, wenn der kleine Fjonn an seinem eigenen Geburtstag am 24. Juli zur Welt gekommen wäre. Hat nicht ganz geklappt. Aber kurz vor der Premiere in der Düsseldorfer "Komödie" ist es dem Schauspieler dann doch noch gelungen, endlich Großvater zu werden.

Die neue Würde passt ganz gut zu seiner Rolle in "Opa ist die beste Oma". In diesem Stück verwandelt er sich ab Mittwoch allabendlich in ein Großmütterchen, wie man es fast nur noch aus Bilderbüchern kennt: adrette graue Löckchen, Nickelbrille, sanftmütiges Gesicht. Man lasse sich aber nicht täuschen, diese Oma hat es faustdick hinter den Ohren. Gernot Endemann spielte diese Rolle schon rund 200 Mal in anderen Theatern. "Zur Routine wird sie aber nie", beteuert er. "Das Publikum reagiert unterschiedlich, und auch ich bin ja kein Roboter, sondern spüre immer wieder neue Nuancen auf. So verläuft jeder Abend anders." Was ist für ihn das Wichtigste, um als Oma glaubhaft zu sein? "Diese Weichheit hinzukriegen", sagt Endemann. "Ich denke dabei an meine eigene Mama und wie sie mit uns Kindern umgegangen ist."

Sein Vergnügen an der weiblichen Gestalt wird nur durch die Mühsal der Verkleidung etwas geschmälert. "Allein diese Strumpfhosen!", stöhnt Gernot Endemann. "Ich weiß jetzt, wie Frauen leiden. Zum Glück hilft mir meine Frau beim Kostümwechsel und beim Schminken, das muss alles ganz schnell gehen." Sabine Schmidt-Kirchner, seit 2009 seine dritte Ehefrau, hilft nicht nur hinter den Kulissen, sondern ist auch Kollegin und spielt bei jedem seiner Stücke mit. "So halten wir es seit zehn Jahren, ich mag es nicht mehr anders haben", sagt der 74-Jährige. "Ich bin in einem Alter, in dem die Zeit kostbar ist. Man will sie mit dem liebsten Menschen verbringen."

Seine Frau sei ihm noch aus einem anderen Grund eine wunderbare Begleiterin und unentbehrliche Stütze: "Ich bin Diabetiker", erzählt Endemann. "Sie passt auf mich auf, falls ich unterzuckert bin und es vielleicht gar nicht merke."

Auf das Düsseldorfer Gastspiel freut sich der Schauspieler. Zuletzt war er 2009 an der "Komödie", als sittenstrenger Priester in "Don Camillo und Peppone" zu sehen. Abstecher an Rhein und Ruhr haben für Gernot Endemann einen besonderen Reiz: Er ist in Essen geboren und studierte an der dortigen Folkwang-Schule. Noch vor dem Abschluss bekam er eine Chance, die sein Leben und seine Karriere bestimmen sollte. Regisseur John Olden entdeckte ihn, nahm ihn mit nach Hamburg und stellte ihn seiner Frau Inge Meysel vor. Ihr rasches Urteil: "Größe stimmt, Alter stimmt. Kannst du Fußball spielen?" Konnte er. Und schon war der Rudi geboren, der ungestüme Kicker aus den "Unverbesserlichen". Die Serie schrieb ab 1965 Fernsehgeschichte. Bis heute wird er darauf angesprochen, erst neulich auf Usedom fragten zwei ältere Damen, ob er nicht der Rudi aus den "Unverbesserlichen" sei. "Ist doch Wahnsinn, nach 50 Jahren", staunt er. Aber es schmeichelt eben auch, genau wie das lebhafte Erinnern einer jüngeren Generation an die "Sesamstraße", bei der er jahrelang mitwirkte.

Parallel zum Fernsehen hielt Gernot Endemann dem Theater die Treue, spielte in Oberhausen, Rheydt, Köln, Bremen (1966 auch das Peterchen in "Peterchens Mondfahrt") und bis 1984 viele Rollen am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater, darunter den Beckmann in "Draußen vor der Tür". Und er will emsig weitermachen, ganz klar. Obwohl das Zusammensein mit der Familie darunter leide, wie er etwas bekümmert zugibt. Er hat zwei Söhne aus der ersten und zwei Töchter aus der zweiten Ehe, die alle kreativ tätig sind, ob als Regisseur wie Till, als Schauspielerin in Paris wie Alicia oder in der Werbung wie Jannik und Marine. Sein neu geborenes Berliner Enkelkind wird der stolze Opa übrigens in Düsseldorf kennenlernen, die junge Familie reist bald zu einer Hochzeit ins Rheinland.

Quelle: RP
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