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Foto ist 3,1 Millionen Euro wert
Gursky und sein Bild vom Rhein

Foto ist 3,1 Millionen Euro wert: Gursky und sein Bild vom Rhein
Ein Bild, das spätestens 2002 vielen Menschen auffiel: Rhein II von Andreas Gursky. Der Künstler stellte das Motiv Rot-Grün für den Wahlkampf zur Verfügung. Jetzt wurde das Werk in New York für 3,1 Millionen Euro verkauft. FOTO: Christie's, Andreas Gursky/AP/dapd
Düsseldorf. Mit dem Verkauf des Fotos "Rhein II" für 3,1 Millionen Euro wurde Andreas Gursky zum teuersten Foto-Künstler weltweit. Das Bild entstand 1999 am Oberkasseler Rheinufer und wurde vom Künstler digital bearbeitet. 2002 stellte er das Motiv Rot-Grün für den Wahlkampf zur Verfügung. Von Hans Onkelbach

Das Foto des Düsseldorfer Fotokünstlers Andreas Gursky, das jetzt bei einer Auktion in New York für umgerechnet 3,1 Millionen Euro verkauft wurde, hat eine lange Vorgeschichte. Das Foto – eine meditativ-minimalistische Arbeit mit dem Titel "Rhein II" – entstand im Jahr 1999.

Damals machte Gursky die Aufnahme am Oberkasseler Rheinufer. Genauer: In Höhe der Rheinallee, wo die Stadtteile Oberkassel und Heerdt ineinander übergehen. Der Perfektionist Gursky überließ bereits bei der Aufnahme nichts dem Zufall: Weil er ein bestimmte Bewegung des Wasser wünschte, wartete er lange ab, bis Windrichtung und -Stärke seinen Vorstellungen entsprachen.

Mit großer Geduld

Wie andere Fotos auch, wurde dieses Bild von Gursky "digital" bearbeitet. Dafür nimmt der Künstler sich unendlich viel Zeit und komponiert die Werke nach seinen Ideen. Vom Bild namens Rhein II wurde der Hintergrund entfernt: Bei der von Gursky gewählten Perspektive müsste man eigentlich auf der anderen Rheinseite das Kraftwerk Lausward sehen. Das jedoch ist verschwunden.

Dass ein Foto von Gursky jetzt für über drei Millionen verkauft wurde, sprengt einmal mehr die zuletzt gezogenen Preisgrenzen. Gursky ist mit diesem Preis der am höchsten bezahlte Fotokünstler der Welt. Bei der gleichen Auktion wechselten übrigens mehrere Werke von Gerhard Richter den Eigentümer – ebenfalls für Rekordpreise. Richter ist der weltweit teuerste noch lebende Künstler, bei der Auktion wurden Bilder von ihm für insgesamt über 70 Millionen Euro verkauft.

Das Foto von Gursky gibt es in einer Auflage von sechs Stück, sagt der Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach. Sie alle sind in den Händen von Sammlern, deren Namen aber nicht bekannt sind oder veröffentlicht werden. Dass eins zum Verkauf kommt, ist selten – in finanziell turbulenten Zeiten sind solche Werke beliebte Kapitalanlage. Gurskys Bild wurde bereits 2002 vielen Menschen bekannt. Er stellte das Motiv nämlich Gerhard Schröder und Joschka Fischer für den rot-grünen Wahlkampf zur Verfügung.

Das Foto, schätzen Kenner, ist seinerzeit – also 1999 – für 25 000 bis 30 000 D-Mark verkauft worden. Jetzt brachte es 3,1 Millionen Euro. Auch für andere Fotos des in Oberkassel lebenden und arbeitenden Künstlers sind in den letzten Jahren in den Preisen stark gestiegen. Das jetzt zu dem Rekordpreis verkaufte Bild gehört gehört zu einer Edition von sechs Fotografien, von denen vier in großen Museen wie dem Museum of Modern Art in New York hängen.

(RP/jco)
 
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