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Deutsche Oper am Rhein
Hänsel und Gretel bilden eine Bande

Deutsche Oper am Rhein: Hänsel und Gretel bilden eine Bande
Projektleiterin Anna Mareike Vohn dirigiert das einzigartige Orchester bei der Probe für das Stück "Lost in the forest". Im November ist die Premiere. FOTO: Sarah Diesner
Düsseldorf. Rund 60 junge Musiker aus Düsseldorf und Duisburg studieren in der Deutschen Oper am Rhein "Hänsel und Gretel" ein. Von Armin Kaumanns

"Hänsel und Gretel" geht auch in der Großstadt. Klar: Jugendliche, denen der gute Kontakt zu ihren Eltern abhandengekommen ist, können auch im Asphalt-Dschungel (statt im Grimm'schen romantischen Wald) leicht auf Abenteuer-Abwege geraten. Wenn sich nun also die "Education-Abteilung" der Rheinoper für diesen Stoff interessiert, verwundert das nicht sonderlich. Komponist Engelbert Humperdinck lässt grüßen. Dass an einem normalen Nachmittag rund 60 junge Leute zwischen 14 und 20 Jahren im Bunker am Gatherweg zusammenkommen, um "Brüderchen, komm tanz mit mir" auf Geigen und Bratschen zu schrumpeln, auf Oboen und Fagotten zu blasen oder im Chor zu singen, das ist schon verwunderlich.

"Lost in the forest" (Verloren im Wald) liegt seit Januar auf den Pulten des U16-Orchesters der Tonhalle. Das ist ein Spielverein, den es in dieser Konstellation sonst nirgends gibt in Deutschland. Denn was der Dirigent Ernst von Marschall da an Nachwuchstalenten versammelt hat, ist nicht an eine Musikschule oder eine Landes-Institution gebunden, sondern an das Düsseldorfer Konzerthaus mit seinem Orchester, den Düsseldorfer Symphonikern. Darüber gibt's das Tonhalle-Jugendorchester, darunter die Tonhalle-Bambini, die "Kinderorchester" heißen.

Jedenfalls haben die Jugendlichen im Grunde so etwas Ähnliches auf den Pulten wie die Profi-Kollegen auch. Und sie werden ab November auch bei den Profis spielen: im Graben der Deutschen Oper am Rhein nämlich. Und so sitzen bei dieser "Lost in the forest"-Chor- und Orchesterprobe Jungen und Mädchen mit ihren Instrumenten unterm Dach des perfekt zum Probenraum umgestalteten Weltkriegsbunkers und gehen an ihre Grenzen. Denn Humperdinck ist schwierig, fast wie Wagner. Und die Musik hat der Duisburger Komponist David Graham ziemlich ganz gelassen. "Den Wagner aber habe ich ausgetrieben", sagt er. "Über vier Hörner hinweg können Jugendliche nicht singen. Schließlich ist ,Lost in the forest' ein Stück von Jugendlichen für Jugendliche."

Also sind vor allem die Geigen und Oboen beschäftigt beim Duett der Märchenkinder. Die sind in Grahams Bearbeitung allerdings zu acht, denn Hänsel und Gretel in der Großstadt - sind eine Gang. Und da hat Gretel (wie Hänsel) eben vier bis fünf Kehlen. Die Mädchen, die aus dem "Kinderchor am Rhein" stammen und von Sabina López Miguez trainiert werden, machen ihre Sache fast schon professionell. Das klingt auch im Orchester schon ziemlich gut, wenn zwischendurch mal spannende Tremoli erklingen, die ganz nah am Steg gespielt geradezu gespenstisch wirken. Aber zu üben ist noch jede Menge. Zumal ja nicht der angestammte Dirigent am Pult steht, sondern Anna Mareike Vohn, die Leiterin und Initiatorin der ganzen Aktion, und die ist eigentlich Chefin der Jungen Oper am Rhein und nicht Dirigentin.

Doch auch sie wird von Takt zu Takt gelöster, gibt die Tempo-Wechsel immer deutlicher an, greift ordnend ein, wenn irgendwo gerade Chaos ausbricht. Außerdem hat sie mit von Marschall jemanden (wenn auch dezent) zur Seite, der den Orchestermusikern per Handzeichen auch mal bedeutet, dass Vibrato angesagt wäre, während im Hintergrund Gesangstrainerin López Miguez den Chor-Solistinnen klarmacht, wie sie phrasieren, wie sie atmen sollen.

Ein großes, ein kompliziertes, ein spannendes Unterfangen ist so eine Probe. Und die Arbeit auf der Bühne hat noch nicht einmal begonnen. Es sind dann, neben den Profis von der Rheinoper, auch noch andere Jugendliche mit von der Partie, die in der Kostümabteilung, bei der Beleuchtung, in der Technik oder in der Maske mitarbeiten. Es werden sogar noch junge Leute gesucht, die Lust haben, bei der Gestaltung des Programmhefts mitzuwirken (siehe Infobox). Ein Mitmachprojekt eben, an dem vor allem viele Kinder sowie Jugendliche und Erwachsene beteiligt sind.

Zu sehen ist "Lost in the forest" ab November auf den Bühnen der Großstädte Düsseldorf und Duisburg. Und das, so viel darf man verraten: mit Hexe.

Quelle: RP
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