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Düsseldorf
Happy Birthday, Kaleu

Düsseldorf. Seinen internationalen Durchbruch hatte Jürgen Prochnow in der Hauptrolle des U-Boot-Kapitäns "Das Boot" vor 35 Jahren. Am 10. Juni feiert der Schauspieler seinen 75. Geburtstag - im Filmmuseum in Düsseldorf. Von Nicole Scharfetter

Es gibt diese Menschen, die nur ein paar Monate in den USA leben und sich trotz der kurzen Zeit schon einen furchtbar künstlichen, amerikanischen Akzent angewöhnt haben und plötzlich deutsche Wörter durch englische ersetzen; weil ihnen die deutschen nicht mehr einzufallen scheinen. So ein Mensch ist Jürgen Prochnow nicht, wenngleich er seit über 30 Jahren in den Staaten lebt. Jürgen Prochnow weiß, woher er kommt und wem er seinen Erfolg zu verdanken hat. Und genau in der Stadt, wo alles begann, will der Schauspieler am 10. Juni seinen 75. Geburtstag feiern. Zu Ehren des Schauspielers startet an diesem Tag im Filmmuseum eine Reihe mit Prochnow-Filmen, die der Hollywood-Star persönlich an seinem Jubeltag eröffnet.

Geboren wurde Jürgen Prochnow 1941 in Berlin. Mit elf Jahren zog er mit seiner Familie nach Düsseldorf. Erst lebte er an der Worringer Straße, "später zogen wir raus nach Gerresheim", erzählt er. In Düsseldorf begann Prochnow mit der Schauspielerei, in einer Evangelischen Kirchengemeinde. Später übernahm er Statistenrollen am Schauspielhaus. Seinen internationalen Durchbruch feierte Jürgen Prochnow Anfang der 1980er Jahre, als eine amerikanische Agentur auf ihn aufmerksam wurde, nachdem er die Rolle des Kapitäns in Wolfgang Petersens "Das Boot" gespielt hatte. "Ich verdanke Düsseldorf meinen Beruf", sagt Jürgen Prochnow. Und ein bisschen auch Wolfgang Petersen, der den Kapitän-Leutnant - kurz "Kaleu" - mit Prochnow besetzte. Prochnow ist einer der wenigen deutschen Schauspieler, der seit vielen Jahren Erfolg im Hollywood-Business hat. Er spielte an der Seite von Sylvester Stallone in "Judge Dredd", und in "Body of Evidence" würgte er Pop-Diva Madonna. Beeindruckt hatte ihn aber vor allem die Begegnung und Zusammenarbeit mit Marlon Brando. Gemeinsam standen sie im Anti-Apartheidsfilm "Weiße Zeit der Dürre" vor der Kamera. "Marlon Brando war mein Idol", so Prochnow. "Ich habe mich schrecklich geehrt gefühlt."

Vor allem habe Prochnow Glück in seinem Leben gehabt. Bescheiden sagt der noch 74-Jährige diesen Satz, wohlwissend, dass Schauspieler der zweitbeliebteste Beruf in den USA ist. "Nur Präsident wollen noch mehr werden." Vielleicht auch deshalb will Prochnow seinen Beruf so schnell nicht aufgeben, "solange es noch geht und ich Lust habe und interessante Rollen angeboten bekomme". Im Augenblick dreht er "Leanders letzte Reise", "ich spiele einen 92-Jährigen", erzählt er. In so eine Rolle müsse man sich reinfinden, auch wenn der Schauspieler schon Erfahrungen als Greis gesammelt hat; in Atom Egoyans "Remember".

Mit einem Rentner hat Jürgen Prochnow im echten Leben nicht viel gemein; er sieht der 75 entspannt entgegen. Prochnow schaut fit aus, seine Haut ist leicht gebräunt. Vermutlich von der immer scheinenden Sonne über Los Angeles, dort, wo sein Zuhause ist. Seine Heimat dagegen sei Deutschland - er mag das Altbier und erinnert sich gern an die Treffen im Kreuzherreneck. "Hier in Düsseldorf habe ich zum ersten Mal im Leben eine Pizza gegessen", sagt er. Leisten habe er sich das damals nicht können, "ich wurde eingeladen".

Jürgen Prochnow ist ein sympathischer Mann mit einer besonderen Art zu lachen. Wenn er Zeit hat, joggt und schwimmt er oder skatet auf der Promenade, während die Delfine ihn im Wasser begleiten. Auf der Leinwand dagegen verkörperte er oft den Schurken. "Wenn ein Film mit einem Schauspieler Erfolg gehabt hat, dann besetzt man ihn meistens wieder in einer ähnlichen Rolle", sagt er. Weil Erfolg in Hollywood auch immer eine Menge Dollar bedeutet. "Und weil der Held immer Amerikaner ist. Mit einem Akzent kommt man nur für bestimmte Rollen in Frage." Den sei Prochnow nie richtig losgeworden, "zumindest habe ich es aber geschafft, dass man nicht gleich erkennt, dass ich aus Deutschland komme."

Quelle: RP
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