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Düsseldorf
Hausbesuche bei Künstlern der Stadt

Düsseldorf: Hausbesuche bei Künstlern der Stadt
Besucher beim Zwischenstopp im Kunstpunkt 53, Himmelgeister Straße 107b: dem Atelier von Edith Oellers (3. v. L.) und Jörg Eberhard (2. v. L.) FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Bei den "Kunstpunkten 2017" konnten Besucher im Oldtimer-Bus zu den offenen Ateliers fahren. Nächstes Wochenende geht es weiter. Von Natascha Plankermann

Manchmal sind es Kleinigkeiten, über die Künstler und ihre Besucher miteinander ins Gespräch kommen. In Atelier von Gisela Groener und Stephan Stüttgen ist es ein rundes Stück gesplitterten Glases, das aussieht wie ein Rad. Es hängt bescheiden an der Wand und erregt Aufmerksamkeit. "Der Sprung entstand, als mir etwas auf das Glas fiel", erklärt Gisela Groener die Entstehungsgeschichte des Werks. Ihre Bilder haben allerdings oft einen religiösen Hintergrund: In Blau ist etwa ein Dominikanermönch gemalt, er soll in einer Ausstellung zur 800-Jahresfeier des Ordens in Rom gezeigt werden.

Die Künstler nennen ihren Raum am Fürstenwall "Kleine Welt" - hier wollen sie nicht nur arbeiten, sondern sich mit anderen Menschen austauschen. Über das Leben, über die Kunst, ganz im Sinne von Joseph Beuys, bei dem beide studiert haben. Die Gäste, die jetzt in diese Welt eingetaucht sind, hat ein ungewöhnlicher Bus gebracht: Der Mercedes O 3500 aus dem Jahr 1953 tourt wieder im Auftrag des Kulturamtes an den zwei Wochenenden der offenen Ateliers, Kunstpunkte genannt, durch die Stadt. An Bord sind 24 Mitfahrer und sie haben höchstens eine Viertelstunde Zeit, um sich mit den Gemälden, Skulpturen, Fotografien oder Objekten an einem bestimmten Kunstpunkt zu befassen. Sozusagen ein Intensivkurs, den zwei Künstler schon während der Fahrt unterstützen, indem sie auf den Besuch bei ihren Kollegen vorbereiten. Vor Ort ist der jeweilige Bildhauer oder Maler behilflich und stellt seine Werke kurz vor. Eine Wiederkehr (möglichst mit Kaufinteresse) wird erhofft - entsprechend bekommt jeder Besucher Visitenkarten oder Flyer.

Entscheidend ist aber der kleine Rundgang durch die Arbeitsräume, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Aus der versteckt liegenden "Kleinen Welt" geht es in die lichten Ateliers im Salzmannbau an der Himmelgeister Straße, aus deren hohen Fenstern sich vielfach ein ungewohnter Blick über die Dächer Düsseldorfs eröffnet.

Dort erzählt Edith Oellers in ihren Gemälden Geschichten von Szenen, die ihre Erinnerung beherrschen. So sind zum Beispiel vielschichtige Stillleben entstanden, die nicht nur Blumen zu zeigen scheinen, sondern auf den zweiten Blick eine unruhige Menschenmenge. Ihr Lebensgefährte Jörg Eberhard hat parallel seine Bilder gehängt, in denen er etwa pflanzliche Elemente mit grafischen Mustern kombiniert - ein Spannungsfeld, das man sich gern länger anschauen würde.

Und er erzählt den Gästen fröhlich auch Persönliches: So entstammt seine Partnerin Edith Oellers einer Künstlerfamilie. Ihr Vater Günther Oellers war ein bekannter Bildhauer, an den eine Bronzestatue im Atelier erinnert, und die Tochter engagiert sich heute - sozusagen in der Nachfolge - im Verein Düsseldorfer Künstler.

In den Ateliers von Christian Deckert und Norbert Mauritius im Nachbarhaus riecht es nach Ölfarbe. "Damit male ich meine Landschaften und bin glücklich darüber - es funktioniert besser als mit Acrylfarbe", erzählt Deckert, der an der Kunstakademie bei Professor Alfonso Hüppi studiert hat. Der Raum, in dem er arbeitet, wird beherrscht von der Farbe Grün. Und über die Bilder, die kleine, feine Wälder und Felder zeigen, hat der Maler unterschiedlichste Kleiderbügel gehängt. "Es fehlte mir etwas im oberen Bereich und die Kleiderbügel erschienen mir dort richtig. Dabei denke ich an die Menschen, die sich sozusagen mit diesen Bügeln in die Landschaft hineinhängen", erklärt der Maler.

Die Tour mit dem rumpelnden, knatternden Bus, den Gerd Adorf mit viel Geschick und Kraft durch den Verkehr manövriert, führt nun nach Unterbilk und in einen Hinterhof an der Gladbacher Straße. Die Gäste erklimmen schmale Metallstufen, um zu Anne-Katrin Puchner und Sigrid Redhardt zu gelangen. Beide befassen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Collage: Sigrid Redhardt verwendet diese Technik, um nymphenhafte Schwimmerinnen mit dem grün-blauem Wasser zu verbinden, in dem sie sich bewegen. Anne-Kathrin Puchner bringt mit Versatzstücken eher statisches Material wie Beton in Bewegung. Beeindruckt lassen die Bus-Kunst-Touristen anschließend ihre Fahrt Revue passieren - ein Gast aus München hat die dreistündige Oldtimerbusfahrt als Entdeckungsreise ins unbekannte Düsseldorf besonders genossen: Auf so kurzen Wegen zu freundlichen, offenen Menschen zu gelangen, die ihre Kunst gern nahe bringen, das kennt er aus seiner Heimatstadt nicht.

Quelle: RP
 
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