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Düsseldorf
Hauschka elektrifiziert die Romantik

Düsseldorf. Beim Schumannfest wird das Format "The New Romantics" zum dritten Mal von Volker Bertelmann alias Hauschka kuratiert. Der Pianist und Komponist sucht den musikalischen Dialog mit dem Amsterdamer Alma Quartet. Von Regine Müller

Er lebt seit langem in der Landeshauptstadt und ist in der Szene der Musik-affinen Bildenden Künstler Düsseldorfs Kult: Hauschka alias Volker Bertelmann. Der Musiker tourt durch die Clubs und Konzertsäle der ganzen Welt, aber in Düsseldorf spielt er nur selten. Einmal mehr wäre damit das Wort vom Propheten bewiesen, der im eigenen Land wenig gilt.

Dem Alma Quartet, das sich aus experimentierfreudigen Musikern der beiden Spitzenorchester Amsterdams rekrutiert, nämlich dem Royal Concertgebouw und dem Netherlands Philharmonic Orchestra, ist er zum ersten Mal im legendären Techno-Club Trouw in Amsterdam begegnet. "Das ist sozusagen das Berghain an der Amstel. Und zwar ausgerechnet am letzten Abend, bevor der Club geschlossen wurde", war er dort, erinnert sich Hauschka. Es gibt sicher nicht viele klassische Streichquartette, die in Techno-Clubs auftreten. Eine Haltung, die dem klassisch ausgebildeten Pianisten Hauschka nahe steht. So entstand spontan das Bedürfnis nach Zusammenarbeit.

Die ersten gemeinsamen Auftritte, bei denen das Quartett Werke von Joseph Haydn, Erwin Schulhoff, Henri Dutilleux und Hauschka spielte, fanden dann im berühmten Amsterdamer Saal Concertgebouw statt.

Bei aller stilistischen Offenheit ist Hauschka ein Verfechter klarer Verhältnisse: "Also, damit kein Missverständnis entsteht: Wir machen nicht etwas wie Classic goes Techno. Ich bin kein Freund von Crossover, und ich halte auch wenig von dem Zwang zum Modern-Sein."

Die Werke von Haydn, Schulhoff und Dutilleux werden im Original gespielt. Aber in einer ungewöhnlichen Form der Präsentation. "Wir lenken eine andere Aufmerksamkeit auf das Setting. In Amsterdam haben wir das Sonnenaufgangs-Quartett von Haydn in absoluter Dunkelheit gespielt. Das bedeutet natürlich, dass die Musiker auswendig spielen müssen. Aber die Wirkung ist phänomenal!"

Das Amsterdamer Programm wird für den Düsseldorfer Auftritt in der Tonhalle um etwa 20 Minuten erweitert und stellenweise elektronisch verstärkt. Im Amsterdamer Concertgebouw war das nicht nötig: "Das ist ja die vielleicht beste Akustik überhaupt. In der Tonhalle sind bass-lastige Passagen dagegen nicht so einfach zu transportieren. Da muss man schon mal ein bisschen nachhelfen elektronisch."

Seine eigene Kompositionsweise vergleicht Hauschka mit der des Amerikaners Terry Riley: "Das funktioniert und klingt bei mir in etwa so wie Rileys berühmtes Stück "In C" von 1964, das ja oft als allererstes Werk der Minimal Music bezeichnet wird."

Dieser Meilenstein der Musikgeschichte besteht aus 53 kurzen musikalischen Phrasen, die jeweils beliebig oft wiederholt werden können. Jeder Musiker entscheidet dabei aber selber, wann er zur nächsten Phrase übergeht. Rhythmische Verschiebungen und Überlagerungen sind ausdrücklich erwünscht. Dieses strukturelle Prinzip erklärt Hauschka so: "Man könnte sagen, das Stück schiebt sich vor sich selbst her. Das improvisatorische Element ist dabei ein wichtiger Bestandteil."

Es gehe ihm wesentlich um die Freiheiten, die diese Struktur bietet, sagt der Komponist und vergleicht seine Spielart der Improvisation mit dem Prinzip der klassischen Kadenz: "Alles scheint eine Weile stehen zu bleiben, und trotzdem passiert eine Menge. Wichtig ist auch, dass alles eine klare Reaktion auf den Raum ist."

Der Wechsel zwischen den unverändert gespielten Werken aus dem klassischen E-Musik-Repertoire und den Hauschka-Kompositionen hat sich bereits in Amsterdam bewährt: "Wie sich immer wieder herausstellt, sind diese beiden Welten einander gar nicht so fremd, wie man das denken würde!"

Quelle: RP
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