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Düsseldorf
Heine: romantisch oder revolutionär

Düsseldorf. Als Harry Heines Vaterland sich nach dem Zweiten Weltkrieg teilte und zwischen Ost und West unterschieden wurde, da glaubte jeder Teil den Dichter für sich reklamieren zu können. Im Osten wurde Heine als politischer Autor geschätzt und hofiert, während im Westen zumindest in den 50er und 60er Jahren die romantische Sicht auf den Lyriker dominierte. Dort fand der liedhafte und unpolitische, weltferne und populäre Heine bundesrepublikanisches Gefallen.

So sieht es der Paderborner Heine-Forscher Professor Hartmut Steinecke, der am kommenden Samstag um 19 Uhr beim Podiumsgespräch "Romantik und Revolution" im Heine-Institut ein gelehrtes Wörtchen mitreden wird. Mit ihm werden Ruthard Stäblein vom Hessischen Rundfunk und Alfred Gall vom Polonicum der Universität Mainz sowie RP-Redakteur Lothar Schröder als Moderator versuchen, die Aufnahme von Heines Werk in verschiedenen Ländern Europas zu ergründen. Letztlich geht es dabei auch um die Frage: Wie lebendig ist Heinrich Heine noch? Und vor allem: welcher Heine?

Nach den Worten Steineckes hat zuletzt der politische Dichter Oberwasser bekommen. Der Sprachspieler Heine hingegen wird nicht mehr ganz so stark wahrgenommen und fand zuletzt in Peter Rühmkorf und Robert Gernhardt eifrige wie fulminante Adepten. Das Schöne aber an Heine ist, so Steinecke, dass er auch dank seiner Ironie nicht immer so genau auf eine Position festzulegen ist. Das hält Werk und Rezeption lebendig. Doch auch beim großen Dichter aus Düsseldorf droht zunehmend die Kanonisierung. "Alle scheinen Heine mittlerweile lieb zu haben", konstatiert der Paderborner Germanist; das heißt auch: "Es gibt keine intelligenten Gegner mehr."

Das Heine-Podium wird am Samstag Abschluss eines umfassenden Studientages sein. So werden bereits ab 11 Uhr im Institut beim "18. Internationalen Forum Junge Heine Forschung" jüngste wissenschaftliche Arbeiten präsentiert.

Termin Heinrich-Heine-Institut, Bilker Straße 12-14; Samstag, 5. Dezember; "18. Internationales Forum Junge Heine Forschung", 11- 18 Uhr; im Anschluss: Podiumsgespräch: "Romantik und Revolution", 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Quelle: RP
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