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Düsseldorf
Henkel kann auch Kunst

Düsseldorf. Erstmals ist die Sammlung von Gabriele Henkel im K 20 zu sehen. Von Annette Bosetti

Marken hat Henkel mehr als genug. Doch nur die eine ist so edel, bunt und unvergänglich, dass man sie im heiligen Hort der Kunst erlebt. Vor 46 Jahren erhielt Gabriele Henkel den Auftrag, eine Kunstsammlung anzulegen, was sie mit großer Kennerschaft und Enthusiasmus tat. Eine gute Entscheidung war das. Gilt die feine, intelligente Frau doch als Kennerin, Kommentatorin und Liebhaberin der Künste, als Freundin von Künstlern, als Ästhetin und international vernetzte Insiderin.

Bis heute hat die Düsseldorferin 4000 Stücke zusammengetragen, die überwiegend in der Konzernzentrale von Henkel ihren Platz hatten und den Blick der Mitarbeiter für die Kunst sensibilisieren sollten. 40 Werke hat Gabriele Henkel nun ausgewählt, um eine Ausstellung zu gestalten, zu der sie Kunstsammlungschefin Marion Ackermann eingeladen hat.

Dicht und provozierend hat Henkel als Kuratorin die Schau gehängt. "Wir Museumsleute hätten das so nie gewagt", sagt Ackermann. Und fügt ein Kompliment hinzu: "Gabriele Henkel handelt nach dem Prinzip von Fülle, Opulenz und Sinnlichkeit." Es sind ihre Lieblingsstücke - vorwiegend abstrakte Malerei, die sich beispielhaft in Werken der klassischen europäischen Moderne sowie der amerikanischen Kunst finden lässt. Zu diesen treten auf Tischen ausgebreitete außereuropäische Textilien in den Dialog.

Der berühmte US-Maler Frank Stella hatte einst die junge Mäzenin angestiftet, sich solchen Artefakten zuzuwenden. Wandert der Blick von einem indonesischen Schultertuch diagonal rüber zu Stellas großformatiger Malerei, dann erkennt man Kalkül. Hier hat einer Kunst sinnhaft geordnet.

Die Museumschefin hat sich die Entscheidung reiflich überlegt, wollte nicht in den Verdacht geraten, gemeinsame Sache mit dem Unternehmen, eine Auftragsausstellung zu machen. Es ist vielmehr die Herzensangelegenheit von zwei Bestimmerinnen der Kunstszene geworden. Dieser Ausstellung geht ein lange währender erbaulicher Dialog voraus, der sich über die sieben Jahre, die Ackermann in Düsseldorf ist, um Kunst und ihre Wertigkeit drehte. "Ich habe Respekt davor, dass Gabriele Henkel sich immer alles anschaut und ihre Meinung sagt", sagt Marion Ackermann, "sie ist hungrig nach Seherfahrung".

2010 hatte Gabriele Henkel der Kunstsammlung aus ihrem Privatvermögen eine beträchtliche Summe spendiert, um den Anbau zu ermöglichen. Dafür wurde der große Saal im zweiten Obergeschoss nach Henkel benannt. Diese Ausstellung ist ein spätes Zeichen der Dankbarkeit dafür, aber auch des Respekts vor der Persönlichkeit, die eine Leidenschaft für Kunst hat.

"Wie stehen die Werke der Henkel-Sammlung zu unseren Amerikanern?" Diese Frage findet Marion Ackermann sehr spannend. Auch dass Gabriele Henkel Malerei gesammelt hat, die Ackermanns Vorvorgänger, Gründungsdirektor Werner Schmalenbach, nicht erwarb wie etwa von Amedée Ozenfont oder Mary Heilmann.

Bei aller Internationalität stehen auch die Stars des Rheinlands auf der Bestenliste der Gabriele Henkel: Gerhard Richter mit zwei Bildern, Günther Uecker mit einem Relief, Ulrich Erbens feine Malerei, Wandobjekte von Imi Knoebel und ein doppelter silbriger Rotor von Heinz Mack. Gezeigt werden Schlüsselwerke der Künstler, die Wegbegleiter und längst Freunde sind.

Auf der Suche nach Spitzenstücken landet man in dem 900 Quadratmeter großen Saal bei Gerhard Richter - schaut man auf die Marktpreise. Die meisten aber haben ein ähnlich hohes Erregungspotenzial, auch Robert Delauny, Albert Gleizes oder Jean Metzinger, die zu den ersten Erwerbungen der Sammlung gehören. Zwei figurative Bilder haben sich zur Abstraktion gesellt, darunter der große blonde Cowboy von Horst Münch, der mit seiner Haarpracht an Donald Trump erinnert.

"Kunst ist mehr als rasches Hinschauen", hat die Journalistin Gabriele Henkel in einer ihrer vorzüglichen Schriften veröffentlicht, "sie ist Teil unseres Lebens, Hinweis, dass jenseits von Ökonomie und begrenzter Lebenszeit etwas existiert, das Nutzlosigkeit und Träume in Einklang bringt." Die Ausstellung ist eine Hommage an diese Sammlerin.

Quelle: RP
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