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Düsseldorf
Hetjens-Museum muss "in die Pötte kommen"

Düsseldorf. Das Keramik-Museum will attraktiver und besucherfreundlicher werden - unter anderem mit einem Café im lauschigen Innenhof. Von Annette Bosetti

Alle wollen mehr Geld. Die Forderung ist schnell ausgesprochen und nur schwer zu erfüllen. Hätte Daniela Antonin drei Wünsche frei, dann wäre der eine Wunsch nach mehr Mitteln, mehr Sponsoren und noch mehr qualifizierten Kooperationspartnern auf jeden Fall darunter. Noch mehr Sorgen treiben die kommissarische Leiterin des Hetjens-Museum um, die faktisch nach dem überraschenden Weggang von Museumschefin Sally Schöne im vergangenen September die Verantwortung für das Haus trägt. Seit Jahresbeginn steht sie ohne Verwaltungsleiter da - ein tüchtiger Mann, der auch fürs Filmmuseum und das Heine-Institut die Geschäfte führte, ist in Rente gegangen. Schnell hat Kulturdezernent Hans-Georg Lohe allerdings jetzt Ersatz besorgt.

Zwei weitere Wünsche hat Antonin auf dem Zettel, die erfüllt werden müssten, damit das Keramikmuseum seiner Bedeutung gerecht werden kann. So soll nach Antonins Vorstellung das im Palais Nesselrode untergebrachte Haus endlich besucherfreundlich werden. Antonin (43) würde gerne den lauschigen Innenhof zu einem Café öffnen. "Heute erwartet man einfach in jedem Museum ein kleines Café", sagt sie. Und Betreiber, so stellt sie sich vor, gebe es in Düsseldorf genug. Außerdem bedürfe es künftig professioneller PR. Der Internetauftritt müsse optimiert und individualisiert werden, "weil internationale Werbewirksamkeit nur über Netzpräsenz zu erreichen ist", sagt Antonin.

Auch müsse das Stadtmarketing das Hetjens-Museum verstärkt in seine Aktivitäten einbeziehen und möglichst viele Besuchergruppen, die mit dem Bus anreisen, ins haus in die Schulstraße bringen. Kurzum: Das Hetjens-Museum sollte aus seinem Dornröschenschlaf wach geküsst werden. "Es muss in die Pötte kommen", sagt Daniela Antonin, die ein großer Meißen-Fan ist und enthusiastischer über ihr Haus nicht reden könnte, sehr wohl aber weiß, dass es großen Bedarf an öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen hat. Das Museum ist in der landeshauptstadt nicht so positioniert, dass potenzielle Ausstellungsbesucher das in der Altstadt liegende Haus auf ihrer Agenda haben. Viele fragen sich: Was soll man schon von altem Steinzeug lernen?

Die meisten Menschen wissen nicht, wie weit die ausgestellten Zeugnisse 8000 Jahre Menschheitsgeschichte dokumentieren und über die Jahrtausende Kunstgeschichte mitgeschrieben haben. Dass dieser Werkstoff auch in der modernen Kunst ein besonderes Spielfeld bedeutender Künstler darstellt, beweist die Sonderausstellung "Zeitgenössische Keramik - von Fontana bis Uecker". Noch bis 21. Februar ist zu sehen, dass, wie Antonin sagt, "Keramik am Puls der Zeit ist." Was Günther Uecker bekannterweise in Papier prägt oder auf Leinwand nagelt, stellt er auch als Keramik her. Sein weißes Nagelbild gehört zu den jüngsten Ankäufen des Hetjens-Musuems, die in der Sonderausstellung gezeigt werden. Eine ungewöhnliche Tellerskulptur von Lucio Fontana oder ein gebranntes Gemälde von Grace Kelly als Sonderedition für Rosenthal sind weitere Preziosen dieser Schau.

Neu im 100 Jahre alten Kunsthaus dürfte auch der Mut sein, um erstmals nackte Brüste zu zeigen - natürlich im Zusammenhang mit Kunst. Rainer Kurka hat zwei weibliche Figuren erschaffen, fast lebensgroß, aus Terrakotta. Makellos ist die "Kleine Zwiesprache" übertitelte junge Frau mit nacktem Oberkörper, an deren Seite ein dunkelhäutiges Mädchen steht ("Bitter Sweet"). Zwischen den prächtigen Götterfiguren im ersten Geschoss hat man sie positioniert, so soll der Besucher Blickachsen prüfen, Blickwinkel erweitern, Anregung erhalten.

Kuratorin Miriam Schaum erzählt, dass man vorsichtshalber auf dem Flyer die Brüste zugedeckt hat, dass das Publikum aber besonders diese beiden Skulpturen liebe. "Hier werden die meisten Selfies geschossen", sagt Schaum.

Die größten Verbündeten im Kampf um mehr Aufmerksamkeit hat Daniela Antonin im Freundeskreis mit seinen 700 Mitgliedern. Aus diesem Kreis kommt auch die Idee zum "Tisch des Monats", den Vorstandsmitglied Doris Berzdorf neben vielen weiteren Ideen kreiert hat. Gerade erst wurde der Weihnachtstisch abgeräumt, der imposant die Blicke des eintretenden Besuchers fing. Mit kostbaren KPM-Gedecken von 1795 bis heute war die Tafel für 16 Herrschaften gedeckt, ein rotes Tischtuch signalisierte, so tafelten die Fürsten, an den Platzkarten erkannte man die prominente Besetzung. Sogar Claudia Schiffer saß mit am Weihnachtstisch im Hetjens.

Es geht in diesem zentral gelegenen Spezialmuseum nicht allein um die, wenn auch unbelebten, so doch kostbaren Ausstellungsstücke, sondern Antonins Herzensanliegen ist es, Geschichten zu erzählen, von Tischsitten bis hin zu den kleineren Kulturrevolutionen, die sich am Gebrauch des Porzellans ablesen lassen. Antonin will einen Wohlfühlort aus dem Hetjens machen, an dem man akustische, olfaktorische und weitere Reize empfängt.

Dies alles kostet natürlich Geld. Angesichts der Pläne der Stadt in Hinblick auf die Personalreform im jahr 2020 und die angedachte Museumsreform hofft Daniela Antonin, dass das Hetjens-Museum als selbstständiges Haus erhalten und frei bleibt. Vielleicht ist die neu gepflanzte Kastanie für den von Sturm Ela umgerissenen alten Baum im Hof das Zeichen für eine gute Zukunft.

Quelle: RP
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