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Düsseldorf
Hinter den Kulissen des Central

Düsseldorf: Hinter den Kulissen des Central
Aufbau der Dachkonstruktion für die "Faust"-Inszenierung im Theater Central. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Das Bühnenbild des "Faust" muss an die veränderten Bedingungen an der neuen Spielstätte angepasst werden. Eine Besichtigung. Von Regina Goldlücke

Bisher brachte noch jeder Tag in der Spielstätte Central neue Herausforderungen mit sich. Gestern wurde zum ersten Mal das Bühnenbild für den "Faust" eingerichtet. Vor der heutigen Vorstellung müssen die Schauspieler noch einmal ran, um sich mit den veränderten Gegebenheiten vertraut zu machen. Und auch die Regisseure der bereits laufenden Inszenierungen reisen erneut an, weil fast immer kleine Umdisponierungen nötig sind.

Aber vor allem für die "Kulissenschieber" ist bei zwei bespielten Sälen jeder Umbau ein Kraftakt für sich. "Als Probebühne wurde dieses Gebäude damals sehr komfortabel ausgestattet", sagt Lothar Grabowsky. "Den Anforderungen eines kompletten Theaters aber genügt es nicht." Im Schauspielhaus könne die Dekoration über Seitenbühnentore kurzfristig hin- und hergeschoben werden. "Dafür fehlt hier der Platz", erklärt der technische Direktor. "Alle großen Teile müssen für die Lagerung auseinander gebaut werden. Für eine sieben Meter hohe Wand brauche ich allein vier Leute. Deshalb dauert ein Aufbau mindestens doppelt so lange. Wir kompensieren das über die Zeit und arbeiten in mehreren Schichten." Das erfordert eine ausgetüftelte Logistik. Die Ausstattung wird möglichst sofort nach der Vorstellung abgebaut. "Besser, wir fangen morgens mit einer leeren Bühne an", sagt Grabowsky. "In den Aufbau sind immer mehrere Abteilungen involviert, von der Beleuchtung bis zur Requisite. Alle Abläufe sind so geplant, dass sie reibungslos ineinander greifen."

Abgesehen von einem Stromausfall kurz vor der Premiere zur "Kleinbürgerhochzeit", der schnell zu beheben war, lief bei der Technik bisher alles glatt. Gerade die Elektrik sei sehr sensibel, berichtet der Chef: "Die 500 Scheinwerfer werden nicht über Strom, sondern über Dimmer gesteuert. Jeder einzelne ist an zwei Kabel angeschlossen, die in einer sogenannten Dimmer City gebündelt werden."

Bisher wurde das Central von den Werkstätten und der technischen Leitung mit zwölf Abteilungen genutzt. Jetzt kamen andere Bereiche hinzu, es wird nicht nur geprobt, sondern auch täglich gespielt, vieles verlagert sich deshalb in den Abend. "Plötzlich tummeln sich 100 Leute mehr im Haus", sagt Lothar Grabowski. "Da tritt man sich auch mal auf die Füße, und es kommt zu Interessenkonflikten. Wir müssen weitaus mehr Besprechungen ansetzen, um vernünftige Lösungen zu finden."

Bei der Schauspielhaus-Sanierung 2010/2011 diente das Central schon einmal als Ausweichquartier. Mit einem bedeutsamen Unterschied: Damals konnte die gesamte Belegschaft im Theater bleiben. Diesmal mussten alle Mitarbeiter für mindestens 18 Monate ausziehen. "Es waren ja alle Betriebsstätten belegt", berichtet Lothar Grabowsky. "Wer umschichten will, muss erstmal Platz schaffen. Was nehme ich weg, was kommt hin? Das ging manchmal zu wie bei einem Ringtausch."

Intendanz, Direktion, Verwaltung, künstlerisches Betriebsbüro, Kostümabteilung und Dramaturgie nutzen das ehemalige Balletthaus in Oberkassel, eine Halle in Heerdt dient als zusätzliche Lagerstätte.

Um das Foyer im Central einigermaßen heimelig zu gestalten, arbeitete das Technik-Team so gut es ging mit Bordmitteln. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die farbige Beleuchtung auf der Brücke mit dem Schriftzug "Düsseldorfer Schauspielhaus" zieht von außen alle Blicke auf sich. Auch der neu geschaffene Ein- und Ausgang am Parkhaus werde gut angenommen, bestätigt Günther Beelitz. Er selbst pendelt, hat im Central kein eigenes Büro. Dennoch atmet der Intendant nach den gewaltigen Strapazen des Umzugs mitten in der Spielzeit erleichtert auf. Zumal die Besucherzahlen ihn beflügeln: "Die deutsche Mischung unseres Spielplans hat sich als sehr breitenwirksam erwiesen." Bei "Terror", "Mephisto", "Faust", "Comedian Harmonists" und Andrews Sisters" sind fast alle Vorstellungen ausverkauft. "Die Wupper" von Else Lasker-Schüler (ab 12. Februar) könnte etwas sperriger werden. "Das Stück ist eine Literaturperle", sagt Günther Beelitz. "Regisseur Roberto Ciulli hat eine hochinteressante Performance entwickelt."

Quelle: RP
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