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Düsseldorf
Hinter den Kulissen des Theaterbetriebs

Düsseldorf: Hinter den Kulissen des Theaterbetriebs
"In der Künstlergarderobe": Fotografie von Udo Remmes, Turin 2002. FOTO: Remmes/Theatermuseum
Düsseldorf. Zwei Ausstellungen im Theatermuseum beschwören die Magie der Bühne, bevor das Haus aufwändig renoviert wird. Von Claus Clemens

In seinem letzten Dienstjahr als Hausherr des Theatermuseums erfüllt sich Winrich Meiszies einen besonderen Wunsch. Vom 22. Januar bis zum 13. März zeigt er die Ausstellung: "Vor dem Vorhang, hinter den Kulissen - Lithografie trifft Fotografie: Honoré Daumier und Udo Remmes". Alle Exponate gehören zu zwei Sammlungen, die dem Museum geschenkt wurden. Der ehemalige Röntgenarzt Udo Remmes (1954 - 2014) hatte Anfang des Jahrtausends an der Deutschen Oper am Rhein, aber auch in Graz, Turin und im finnischen Savonlinna Fotoserien erstellt, die das Theater jenseits konkreter Aufführungen erlebbar machten. Und die Düsseldorfer Schauspieler Hanna Seiffert und Dieter Prochnow überließen dem Theatermuseum bereits vor Jahren über 90 Lithografien, auf denen sich Honoré Daumier (1808 - 1879) mit der Scheinwelt und dem Pathos des klassischen französischen Theaters im 19. Jahrhundert auseinandersetzte.

Die Fotoarbeiten Udo Remmes' sind eine Entdeckung von Winrich Meiszies: "Er hält Augenblicke fest, in denen Theaterarbeit in Theaterkunst umschlägt. Remmes' sensibler Blick hinter die Kulissen zerstört den Zauber des Theaters nicht, sondern steigert den Genuss daran." Diese Fotografien führen den Betrachter von den Werkstätten über die Garderoben und Hinterbühnen bis an die Rampe und vor den Vorhang. Sie zeigen die Anstrengungen und technischen Leistungen bis das fertige Kunstwerk zum Zuschauer gelangt. Remmes, der theaterliebende Fotoamateur erzählt Geschichten: wie aus Leinwand, Leim und Nägeln der symbolische szenische Raum geschaffen wird, wie Menschen durch Maske und Kostüm zu einem Anderen werden. Für die neue Ausstellung kombiniert der Museumsleiter diese fotografische "Objektivität" mit den Zeichnungen Honoré Daumiers. In dessen mehr als 4000 Zeichnungen und Gemälde umfassenden Werk nimmt das Theater eine herausragende Rolle ein. Der berühmte Karikaturist nimmt den Theaterbetrieb hinter den Kulissen in den Blick, aber gleichfalls die Bühne und vor allem das Publikum. Ins Bild gesetzt wird die künstlich überhöhte, längst brüchig gewordene Theaterwelt seiner Zeit. Daumier zeigt die Reize von Sängerinnen, Tänzerinnen und Schauspielerinnen, und man spürt, dass die Texte der Klassiker Corneille, Racine oder Moliere ihre Zugkraft verloren haben. Claqueure heizen jetzt die Stimmung im Theater an. Wenn das nicht funktioniert, geht man einfach bereits vor dem Ende der Vorstellung nach Hause.

Nach dieser Ausstellung geht das Theatermuseum in eine teilweise Ruhephase über. Eine aufwändige Sanierung des Dachs und der oberen Stockwerke lassen für mindestens ein Jahr keinen Platz zur Schaustellung der Museumsbestände. Während der Sanierungsarbeiten wird das Museum mit einer eigens konzipierten Wanderausstellung "Schauplätze - Theater in der Stadt" in Düsseldorf unterwegs sein. An Orten, die für die Theaterentwicklung der Stadt besondere Bedeutung haben. Dazu gehören Oper, Rathaus und Techniker-Krankenkasse auf der Kasernenstraße, am ehemaligen Standort des Schauspielhauses Düsseldorf.

Gleichzeitig aber, so betont Winrich Meiszies, bleibt man auch im Hofgärtnerhaus weiterhin aktiv. Im Erdgeschoss wird es an den zwei Spielstätten szenische Lesungen geben, kleine Dramen oder andere Veranstaltungen. Als Reaktion auf die beschlossene Zusammenlegung mit dem Filmmuseum erinnert der scheidende Direktor an den Düsseldorfer Theatergründer Gustav Lindemann. Der hatte 1947 das nach ihm und Louise Dumont benannte Archiv der Stadt übergeben, und sie schuf damit das erste der neuen Kulturinstitute nach dem Krieg. "Theatermuseum 2020", so heißt das Zukunftsprogramm der Kulturverantwortlichen. Für den scheidenden Chef des Hauses ist es wohl eher ein Mittelkürzungsplan, der ihn besorgt macht um die renommierte Institution der Landeshauptstadt.

Quelle: RP
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