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Düsseldorf
Hiroaki Umeda tanzt im Bildersturm

Düsseldorf. Fast scheinen die Bilder den Mann zu verschlingen, der ganz allein auf der großen Bühne des Tanzhauses steht. Hiroaki Umeda ist sein eigenes Unternehmen, auch wenn er als "CompanyS20" firmiert. Tanz, Bilder und Licht stammen von ihm, auch die Musik. Aber was heißt schon Musik. Harte elektronische Sounds sind das, rhythmische Elemente sind auszumachen, melodische kaum. Es knarzt, pumpt, fiept; wie mächtige Bohrer schrauben sich die Klänge ins Ohr. Betäubend laut ist das, kein Wunder, dass im Tanzhaus Stöpsel ausgegeben wurden, die schützen sollen. Von Thomas Hag

Aber dann gibt es noch immer die Bilder und das Licht, die einen bedrängen. Stroboskoplichter sind nichts für diejenigen, die empfindlich reagieren. Umeda eröffnet das Temps D´Images Festival, und er ist die richtige Wahl. Kaum jemand arbeitet so konsequent an den Schnittstellen von Elektronik und Tanz wie der japanische Multi-Media-Künstler, in dessen Arbeiten der Mensch zu verschwinden scheint. Zwei Werke stellt er in deutscher Uraufführung vor, "International Particle" und "Split Flow". Die 90 Minuten sind eine Gratwanderung, da dehnt und windet sich der Künstler, er integriert HipHop, Butoh und zeitgenössischen Tanz in seine Illustration und bleibt doch immer Gefangener und Wächter der Bilder, die sich um ihn herum auftürmen.

Ein Bildersturm tobt über die Bühne, in "Split Flow" treibt es ihn durch einen Dschungel, der manches Mal wie ein expressionistischer Holzschnitt wirkt, nur schneller, mit modernsten Mitteln kreiert. Als wirbele es ihn durch ein Meer oder durch ein Getreidefeld, all das in schwarz-weißen Schnitten, die sich in Sekundenschnelle abwechseln. Mittendrin der Mensch, der selbst zum Pixel wird, ein Spielball seiner selbst, bis er sich ganz zu verlieren scheint, eine dreidimensionale Figur. Der Künstler wird zum digitalen Abbild seiner selbst, scheinbar richtet er sich gegen die konventionellen Auffassungen von Tanz selbst, wo die Körperlichkeit im Mittelpunkt steht. Aber Umeda setzt den Körper schon ein, er verschwimmt nur in der Unendlichkeit. Auch die Kleidung, schwarz-weiß, ordnet sich dem unter.

Vor einigen Jahren schon konnte man Umeda beim Festival erleben, er scheint seltsam starr in seiner eigenen Welt, autonom und doch so abhängig vom Computer. Irgendwann gewöhnt man sich auch an das digitale Gewitter, hört auf zu fragen, ob es denn noch lauter geht.

Großer Beifall für diese unbeirrbare Fahrt.

Quelle: RP
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