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Heinrich Heine (13.12.1797 - 17.02.1856)
"Ich hatte einst ein schönes Vaterland . . ."

Düsseldorf. Heute ist Heinrich Heines 160. Todestag. Sein Leben lang beschäftigte er sich mit der Erfahrung des Fremdseins. Von Bernd Kortländer

Vor 160 Jahren, am 17. Februar 1856, ist der Dichter Heinrich Heine aus Düsseldorf in seiner Wohnung an der Avenue Matignon in Paris gestorben. Drei Tage später wurde er auf dem Montmartre-Friedhof beigesetzt. Wer heute an Heines Grab steht, der liest auf der Grabplatte ein Gedicht, das mit den Versen beginnt: "Wo wird einst des Wandermüden/ Letzte Ruhestätte seyn?" In dieser Frage verdichtet sich eine Erfahrung, die Heine sein Leben lang begleitet hat, die Erfahrung des Fremdseins, des Außenseiters.

Schon früh und unvermittelt hat sie ihn aus der Düsseldorfer Kindheitsidylle gerissen. Als er in der Schule erzählt, sein Großvater sei "ein kleiner Jude" gewesen, "welcher einen langen Bart hatte", wird er von den Mitschülern ausgelacht und am Ende vom Lehrer verprügelt. An allen Universitäten, an denen er studiert, hat er die Erfahrung des Außenseiters im Gepäck. Sie hat ihn zu dem Versuch gebracht, mit der Taufe die Eintrittskarte zur europäischen Kultur zu lösen, obwohl er wusste, dass der Zutritt ihm verwehrt bleiben würde. Die große Fraktion der Nationalisten und selbsternannten "Patrioten", der Antisemiten und Fremdenhasser in Deutschland hat ihm in seinen ersten Berufsjahren gründlich klar gemacht, dass er hier keine Zukunft haben würde. Das hat ihn im Alter von 34 Jahren aus Deutschland nach Frankreich vertrieben.

Aber auch Paris wurde ihm bei aller Akzeptanz, die er in den Kreisen der französischen Intelligenz erfuhr, schon bald zum Exil, weil er von dem abgeschnitten blieb, was ihm zuallererst Lebensgrundlage war, der deutschen Sprache. Wie furchtbar für einen deutschen Dichter, "den ganzen Tag französisch zu sprechen, ... und sogar des Nachts, am Herzen der Geliebten, französisch zu seufzen!" In einem anrührenden Gedicht mit dem Titel "In der Fremde" beschwört er sein Vaterland in der banalsten aller Liebesbeteuerungen: "Man glaubt es kaum,/ Wie gut es klang, das Wort: 'ich liebe Dich'".

Heines Fremdsein, sein Außenseitertum war keine genialische Künstler-Attitüde, es war real und schmerzhaft. Am Ende wurde in Preußen gar ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt. Frankreich hat ihn nicht ausgeliefert, ja, ihn nicht einmal ausgewiesen. Wie 60.000 andere deutsche Asylsuchende, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris aufhielten, meist Wirtschaftsflüchtlinge, aber auch viele politisch Verfolgte, hat er in Frankreich Schutz gefunden. Und er fand hier die Möglichkeit, das zu tun, was er sich bei seiner Ankunft in der französischen Hauptstadt vorgenommen hatte: gegen die nationalistische Hetze in Deutschland anzutreten und für eine Versöhnung der beiden Völker zu wirken. Das wurde zur "grande affaire de ma vie", zur großen Aufgabe seines Lebens.

Er schrieb deshalb auch in beide Richtungen: für ein deutsches Publikum in deutscher Sprache und zugleich für ein zuletzt immer größer werdendes französisches Publikum in französischer Sprache. Zwar verfasste Heine alle seine Texte zunächst in Deutsch und verstand sich ausdrücklich als "deutscher Dichter" (auf seinem Grabstein sollte nach seinem Wunsch stehen: "Hier ruht ein deutscher Dichter"). Und doch ist er, unterstützt von verschiedenen Übersetzern, sehr erfolgreich auch als französischer Schriftsteller aufgetreten. Die französische Gesamtausgabe seiner Schriften erschien noch vor der deutschen.

Heine hat sich nicht in den Elfenbeinturm der Poesie zurückgezogen. Er hat sich der Auseinandersetzung mit denen gestellt, die ihn ins Exil gedrängt hatten, hat seine Vorstellung von einem freien und weltoffenen Deutschland mit all den Mitteln verteidigt, die ihm als Schriftsteller zur Verfügung standen. Seine Gegner waren jene sogenannten "Patrioten", deren "Vaterlandsliebe nur in einem blödsinnigen Widerwillen gegen das Ausland und die Nachbarvölker besteht", "in einem Hasse gegen Zivilisation und Liberalismus." Heines Kampf galt der "Zerstörung der nationalen Vorurteile" und "dem Vernichten der patriotischen Engsinnigkeit". An einen Freund schreibt er: "Ich bin der inkarnierte Kosmopolitismus, ich weiß, daß dieses am Ende die allgemeine Gesinnung wird in Europa, und ich bin daher überzeugt, daß ich mehr Zukunft habe, als unsere deutschen Volkstümler, diese sterblichen Menschen, die nur der Vergangenheit angehören."

In der Fremde

von Heinrich Heine

Ich hatte einst ein schönes Vaterland. Der Eichenbaum Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. Es war ein Traum.

Da küßte mich auf deutsch, und sprach auf deutsch (Man glaubt es kaum Wie gut es klang) das Wort: "Ich liebe dich!" Es war ein Traum.

Quelle: RP
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