| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Ich schreie, also bin ich

Düsseldorf. Sebastian Nübling inszeniert mit Darstellern des Jungen Theaters Basel "Noise". Die jugendliche Selbstbestimmung ist beim Theaterfestival Impulse zu erleben. Von Dorothee Krings

Sie sind ins digitale Zeitalter hineingeboren, lieben ihre Handys, inszenieren sich auf Selfies, haben ein spielerisch unverkrampftes Verhältnis zum Virtuellen. Schreien tut trotzdem gut. Schreien ist auch für die digital versierten Jugendlichen der Gegenwart die direkteste Art, den eigenen Körper zu spüren und der Umgebung kundzutun, dass man in der Welt ist. Und so machen sie Krach, schlagen Alarm, schreien ihre Gedanken heraus, die acht Darsteller des Jungen Theaters Basel in ihrem Stück "Noise".

Regisseur Sebastian Nübling hat sich mit ihnen auf die Suche gemacht nach Freiräumen in der zunehmend virtuellen Welt, in denen sie physisch, real, mit ihren Körpern ausdrücken können, was in ihnen vorgeht. Trotzdem geht es in dieser Inszenierung auch um Theorie, um die Gedanken von Autoren wie der Feministin Laurie Penny, des Internet-Künstlers Ryan Trecartin und des Philosophen und Literaturtheoretikers Armen Avanessian.

Aber in "Noise" wird eben nicht nur verhandelt, gesprochen, gedacht, es geht auch um die unvergleichliche Leistung des Theaters, physische Realitäten zu schaffen, authentisch zu sein in einer Welt des Scheins und der dauernden Selbstinszenierung.

Regisseur Nübling hat in Hildesheim Kulturwissenschaften studiert und gelehrt, als Mitbegründer der freien Gruppe "Theater Mahagoni" aber den Weg in die Theaterpraxis gefunden. Mit dem Stück "Disco Pigs" von Enda Walsh, das er ebenfalls in Basel inszenierte, gastierte er Ende der 90er Jahre an vielen deutschen Bühnen, mit einer Ibsen-Inszenierung wurde er aus Basel zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Nun ist Nübling mit "Noise" beim Impulse Theaterfestival zu Gast und präsentiert seine Arbeit im Central am Hauptbahnhof. Ein Stück, das die enorme Energie jugendlicher Darsteller ungefiltert auf die Bühne bringt und sich mit Fragen dieser Generation beschäftigt: mit Konsumzwang, Kapitalismuskritik, zerbröselnden Familienstrukturen, schwimmenden Geschlechtergrenzen.

Die Dynamik dieser Inszenierung, das Unausgegorene, jugendlich Anmaßende stieß nach der Uraufführung auch auf Kritik. Doch gelingt es "Noise", das Lebensgefühl junger Leute und deren kritischen Blick auf die Gegenwart zu vermitteln. Lärm gehört dazu.

Info Heute und morgen im Central am Hauptbahnhof, jeweils 19.30 Uhr, auf Schweitzerdeutsch mit deutschen und englischen Obertiteln www.festivalimpulse.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Ich schreie, also bin ich


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.