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Michael Mendl
"Ich sehe jünger aus, als ich wirklich bin"

Michael Mendl: "Ich sehe jünger aus, als ich wirklich bin"
Durch und durch Rheinländer: Michael Mendl wuchs in Köln, Krefeld und Leverkusen auf. FOTO: dpa, Britta Pedersen
Düsseldorf. Der 71-Jährige spielte schon Willy Brandt und den Papst. Am 6. März liest er im Schumann-Saal Erzählungen über Liebe und Irrsinn. Von Regina Goldlücke

Der lateinamerikanische Schriftsteller Horacio Quiroga (1878-1937) dürfte wohl nur wenigen Lesern vertraut sein. Sein tragisch umflortes Leben, gesäumt von Unglücksfällen und zahlreichen Selbstmorden (auch er wählte den Freitod), spiegelt sich in seinem düsteren Werk: Ein Getriebener verfängt sich im Schattenreich aus Fieber und Hitze, Wahnsinn und Albträumen. Für seine Lesung in der Reihe "Zweiklang" im Robert-Schumann-Saal wählte ausgerechnet der sinnenfrohe Schauspieler Michael Mendl einige Erzählungen des Dichters aus Uruguay aus. Keine leichte Kost vermutlich, aber ganz sicher packend. Der Titel der Nachmittags-Veranstaltung am 6.März klingt schon mal verheißungsvoll: "Anaconda - Geschichten von Liebe, Irrsinn und Tod". Begleitet wird Michael Mendl vom Trio "Amanti della Musica". Wenige Tage vor seinem Besuch in Düsseldorf zeigt er sich beim Telefon-Interview aufgeräumt und erwartungsvoll.

Sie waren schwer zu erreichen, wo haben Sie gesteckt?

Mendl Ich komme gerade vom Hundeschlittenrennen auf Usedom, das mein Kollege Til Demtröder schon mehrmals organisierte. Das war toll.

Was ist denn beim Zuschauen so spannend?

Mendl Zuschauen? Von wegen. Ich machte mit und landete mit meinem Partner Bernhard Bettermann auf dem dritten Platz. Die Hunde sausten immer am Strand entlang. Im nächsten Jahr will ich auch wieder dabei sein.

Also lieben Sie das Abenteuer?

Mendl Ja. Aber nicht so sehr wie der Schriftsteller, den ich in Düsseldorf vorstelle. Der hatte ein unfassbar wildes Leben.

Wie kamen Sie auf Horacio Quiroga?

Mendl So ganz genau weiß ich das nicht mehr. Ich entdeckte ihn vor vielen Jahren und machte ihn zum Thema meiner allerersten Lesung am Stuttgarter Theater. Damals nannte mich die Presse "Mendl, der Lese-Panther". Oh, dachte ich, damit kann ich getrost weitermachen.

Was fasziniert Sie an seinem literarischen Werk?

Mendl Es müssen zunächst die drei Reizworte in seinem Band "Geschichten von Liebe, Irrsinn und Tod" gewesen sein, die auf mich magisch wirkten. Je tiefer ich eintauchte in seine Geschichten, desto mehr wollte ich von dem unglaublichen Schicksal dieses Mannes erfahren.

Quiroga zog es immer wieder in den Regenwald. Er setzte in der Wildnis über Nacht sogar seine drei Kinder aus, um sie abzuhärten. Können Sie diesen starken Bann nachvollziehen?

Mendl In gewisser Weise schon. Ich war selber zwei Mal im Regenwald. Erst in Französisch-Guyana, wo er bis heute intakt ist. Dann in Borneo. Dort gibt es nur noch zerstörte Gebiete. Eine lebensfeindliche Umgebung.

Gar keine Angst gehabt?

Mendl Nein. Ich drehte eine Dokumentation und war mit drei Biologen dort. Die passten gut auf ihren Schützling, den Schauspieler, auf. Aber natürlich muss man gewappnet sein. Von Schlangen wimmelt es überall. Besser, man dreht die Schuhe um, bevor man reinschlüpft. Es könnte auch ein Skorpion drinsitzen.

Ist eine neue Mission geplant?

Mendl Bisher nicht. Vielleicht kommt auch gar keine mehr. Ich werde bald 72, da lassen die Kräfte allmählich nach.

Aber die Lust zum Spielen ist noch da? Sie haben unfassbar viele TV-Filme gedreht.

Mendl Stimmt. Erst war ich 25 Jahre lang nur am Theater. Dann, mit 49, kam das Fernsehen. In kürzester Zeit hatte ich eine immense Liste beisammen.

Sie verkörperten einige historische Persönlichkeiten, etwa Papst Johannes Paul II. oder Willy Brandt im Film "Schatten der Macht". Hatten Sie sich darauf besonders vorbereitet?

Mendl Auf den Papst nicht so sehr. Auf Willy schon. Ich ließ sogar ein posthumes Horoskop von ihm erstellen.

Demnach glauben Sie an die Macht der Sterne?

Mendl Nicht an das, was in Zeitungs-Horoskopen steht. Mir ging es darum, seine Körpersprache zu entschlüsseln. Brandt war Schütze. Oft hob er den Arm mit ausgestrecktem Finger, als ob er auf etwas zielte. Und wenn er seinen Oberkörper bedeckte und sich gleichsam mit einem Panzer umgab - dann passte das auch zum Schützen.

Stehen Sie immer noch so viel vor der Kamera?

Mendl Nein. Ich weiß zwar, dass ich jünger aussehe, als ich bin. Aber ich bekomme heute weniger Angebote. In meiner Generation gibt es etliche gute Schauspieler, die müssen sich den Kuchen teilen. Also werde ich wohl wieder häufiger Theater spielen.

Gutes Stichwort. Sie waren in der ersten Intendanz von Günther Beelitz öfter am Schauspielhaus Düsseldorf zu sehen, darunter in "Fräulein Julie" und "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" Schöne Erinnerungen?

Mendl Es war nicht nur beruflich eine fruchtbare Zeit. Ich bin in Leverkusen, Köln und Krefeld aufgewachsen und fühle mich als Rheinländer durch und durch. Deshalb freue ich mich jetzt auch so sehr auf meine Rückkehr. Ich glaube, das wird ein Heimspiel.

Quelle: RP
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