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Düsseldorf
Igor Levits Zeitreise mit Beethoven

Düsseldorf. Wie ein Bildhauer Gesichter und menschliche Körper aus einem Stück Marmor herausschält, so entwickelt Igor Levit Beethoven-Sonaten zu Porträts mit ganz individuellen, ja geradezu persönlichen Charakterzügen. Solche Eindrücke gewann man beim zweiten Abend des Pianisten im Rahmen seines Beethoven-Zyklus' in der Tonhalle. Von Norbert Laufer

Die Sonaten Fis-Dur op. 78 und Es-Dur op. 81a ("Les Adieux") umschlossen die beiden Sonaten aus op. 14 (E-Dur und G-Dur) sowie die frühe Es-Dur-Sonate op. 7. Es ging Levit also nicht um Chronologie, sondern um einen Reigen musikalischer Charaktere. Und die harmonierten im Konzert vorzüglich miteinander.

Kontrastreich ging es bei allen Sonaten zu: hier Melodienseligkeit, da heftiges rhythmisches Pochen; hier zielgerichtetes musikalisches Handeln, da ein Satz wie auf der Suche; hier überschäumendes Drängen im Forte, dann Lyrik pur im Piano, das Levit besonders liebt und ausgiebig einsetzte.

Solche Gegensätze wurden indes stets in einen Zusammenhang gestellt. Der Pianist nahm etwa die Wiederholung eines Gedankens zum Anlass, ihn zu variieren, sei es in Nuancen der Lautstärke oder des Tempos. Gerne verzögerte er auch Pausen, die indes den letzten Gedanken noch in sich trugen und ihn zum nächsten führten. Und viele Sätze endeten mit einer interpretatorischen Überraschung - mal in der Stille, mal mit einem wie beiläufig formulierten kurzen Forte-Gedanken.

Selbst wenn es wie am Anfang der Es-Dur-Sonate op. 7 massive Repetitionen gab, wirkte Levits Interpretation ebenso schwerelos wie auch seine gesamte Technik, die ihm schier jede pianistische Möglichkeit eröffnete. Nur ein Bravo-Ruf zwischen zwei Sätzen konnte ihn für Momente aus der Konzentration bringen. Eigentlich machte Levit nämlich keine langen Pausen zwischen den Sätzen, sondern vermittelte die Satzfolge der Sonaten als Einheit.

Zugabe: Musik von Erik Satie statt Beethoven, gespielt mit sehr viel Andacht, die sich auch auf das Publikum übertrug. Es war für viele Sekunden noch in der bereits verebbten Musik gefangen.

Quelle: RP
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