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Erwin Michelberger
"In der Nachbarschaft setze ich ein Lächeln auf"

Düsseldorf. Der Regisseur hat einen Film über seine Nachbarn gedreht. Die Doku wird nun im "Bambi" gezeigt.

Der neue Film des Regisseurs Erwin Michelberger heißt "Nachbarn fürs Leben", gedreht hat er ihn in der Kölner Probsteigasse, wo es 2001 einen Bombenanschlag gab - eine mutmaßliche Tat des NSU. Michelberger lebt dort, seit er aus Düsseldorf weggezogen ist. Der Film wird morgen und am Sonntag um 14.30 Uhr im "Bambi" an der Klosterstraße gezeigt.

Was hat Sie dazu bewegt, aus dem doch sehr alltäglichen Thema Nachbarschaft einen Film zu machen?

michelberger Also, es gab den äußeren Anlass, weil bei uns an der Probsteigasse zehn Meter gegenüber eine Bombe hochging. Und plötzlich tauchten die Fragen auf: Was weiß man eigentlich von den Nachbarn? Wie nah ist man sich? Und dann ging dieser Prozess einfach weiter, dass ich dachte: "Mensch, die Nachbarschaft, die hat jeder." Und daran misst sich eine menschliche Gesellschaft: Wie lebt man miteinander?

Ihre Nachbarn lassen Sie in Ihrem Film oft zu Wort kommen, auch über mögliche Missstände in der Gesellschaft. Was kann man als Einzelner dagegen tun?

Michelberger Wie man im Kleinen mit den anderen lebt, so ist es im Großen auch; das heißt, untereinander gibt es einen Dialog. Wenn man sich unterhält, wie man miteinander auskommt - es stellen sich sofort die gleichen Fragen wie in der Politik: Wie macht man was besser? Indem man sich als erstes öffnet. Wenn man nichts voneinander weiß, hat man Angst. Der erste Ansatz ist, sich ein Herz zu fassen und zu sagen: "Jetzt gehe ich mal auf jemanden zu und spreche ihn an." So, wie Politiker im Parlament aufeinander zugehen und sprechen, gehen wir in der Nachbarschaft miteinander um. Da gibt es kaum einen Unterschied. Das sind auch nur Menschen wie wir.

Um auf jemanden zuzugehen, ist ein gewisses Maß an Vertrauen nötig. Was, wenn dieses Vertrauen auf einmal erschüttert wird?

Michelberger Damit muss man leben. Die Menschen sind eben sehr verschieden. Ich selber mache ja manchmal auch etwas, das anderen nicht gefällt, und mir ist es vielleicht gar nicht so bewusst. Das muss man einfach akzeptieren.

Wie stehen Sie denn zu Ihren Nachbarn?

Michelberger Ich liebe meine Gasse hier, in der ich seit 28 Jahren lebe und arbeite. Vorher habe ich 20 Jahre in Düsseldorf gelebt und bin mit Düsseldorf immer noch eng verbunden. Mir geht immer das Herz auf, wenn ich in die Gasse komme, weil ich viele Leute mag.

Was macht man denn mit den Leuten, mit denen man nicht so gut auskommt?

Michelberger Ich mache es so, dass ich trotzdem ein Lächeln aufsetze, grüße und immer die Gelegenheit biete, dass etwas Neues passieren kann. Ich hatte mal einen Nachbarn, dem ich immer begegnet bin, aber wir haben uns immer nur ganz kurz angeguckt und sind weitergegangen. Irgendwann habe ich ein Lächeln aufgesetzt. Da bleibt der stehen und sagt: "Hör ma'! Du läufst doch auch immer hier rum. Was machst du eigentlich?"

JOHANNES LÖCHNER FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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