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Düsseldorf
In Kaiserswerth wird Glas zur Kunst

Düsseldorf. In der Glasmalerei-Werkstatt Derix arbeiteten schon bekannte Künstler wie Heinz Mack an ihren Werken. Von Nicole Scharfetter

So manches Mal wachte Elisabeth Derix als Kind von dem Krach auf, wenn die Verbleier schon früh morgens mit ihren Hämmern auf das Material klopften und die Glasreste auf dem Boden klirrten. Und immer war da dieser Geruch von Lötzinn und Kitt, der sie heute noch zurück in die Vergangenheit schickt, in die Zeit, als ihr Vater im Zweiten Weltkrieg die Glasmalerei-Werkstatt in Kaiserswerth eröffnete.

Die Geschichte der Derixs beginnt allerdings nicht in Kaiserswerth, sondern schon 1866 in Kevelaer. Erst Jahre später, in den 1940ern, trennen sich dort die Brüder Heinrich und Wilhelm Derix - inzwischen wird das Familienunternehmen in dritter Generation geführt. Elisabeth Derixs Vater also war es, der vor 75 Jahren den Niederrhein verließ und in den Düsseldorfer Norden zog. Bei ihm hatte Elisabeth Derix ihren ersten Kunstunterricht, von ihm lernte sie die Kunst der Glasmalerei kennen. Das doppelte Jubiläum feiert Derix, die heutige Geschäftsführerin der Düsseldorfer Werkstatt, mit dem Buch "Kunstzeiten - Glasmalerei und Mosaik", das sie gemeinsam mit der Glasmalerei-Expertin Dagmar Täube herausgegeben hat. Darin werfen die Frauen einen Blick auf die so unterschiedlichen Gestaltungsweisen der modernen Glasmalerei und erzählen von der engen Zusammenarbeit mit Künstlern wie Heinz Mack, der zum Beispiel verschiedene Fenster einer Kapelle in Mettmann gestaltete, oder Brian Clarke, der Fenstersegmente für eine Moschee in Riyadh in Saudi-Arabien in der Werkstatt zusammenstellte.

Die Glasmalerei sei mehr als Handwerk, eine unterschätzte Kunstform, findet Dagmar Täube. Sie werde oft abgetan als langweilig, überholt und traditionell. "Vor allem, weil sie immer eng mit der Architektur verbunden ist und deshalb nicht als eigenständige Kunst wahrgenommen wird", sagt sie. Dabei gebe es eine ganze Reihe von Kirchen, die mutige und tolle Aufträge gegeben hätten. Und nicht nur Kirchen: Georg Meistermeier hatte mit seiner lebendigen, farbenfrohen Glaswand im Treppenhaus des Kölner WDR bereits früh bewiesen, dass Glasmalerei kreativ ist. Eines der neusten Projekte, das in der Kaiserswerther Werkstatt umgesetzt wurde, ist in Bochum zu sehen, an der Fachhochschule. Dazu hat der Künstler Jan Kolata Schmelzfarben eingesetzt, mit denen große Floatglasscheiben bearbeitet werden können. Weil die Fenster so groß waren, hatte die Werkstatt in Kaiserswerth extra einen passenden Brennofen bauen lassen.

"Die Glasmalerei des 20. und 21. Jahrhunderts ist zeitgenössische Kunst", findet Täuber. Mal figürlich, mal ornamental, mal abstrakt. In den 20ern waren Gläser mit Struktur modern, in den 60ern die Dickglastechnik. "Mich fasziniert, dass jeder Künstler etwas anderes aus dem Glas macht", sagt Derix.

Info "Kunstzeiten - Glasmalerei und Mosaik" von Elisabeth Derix und Dagmar Täube, B. Kühlen-Verlag, 29,90 Euro

Quelle: RP
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