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Düsseldorf
Julia Stoschek eröffnet Filiale in Berlin

Düsseldorf. Die Sammlerin ist ab Juni auch in der Hauptstadt aktiv. In Düsseldorf kooperiert sie mit dem K 20 - für Cyprien Gaillards Film "Nightlife". Von Annette Bosetti

Düsseldorf ist Hotspot der Kunst: Während hunderte Menschen am Nachmittag vom Grabbeplatz über den Kleeplatz zur Akademie ziehen, um den Rundgang in Augenschein zu nehmen, läuft in der Kunstsammlung unangekündigt ein Star der internationalen Szene auf. Cyprien Gaillard ist extra aus Paris gekommen, um die Installation seiner riesigen Filmarbeit "Nightlife" zu überwachen. Sammlerin Julia Stoschek findet sich ebenfalls ein, um den Film, den sie erworben hat, in Augenschein zu nehmen. Und Direktorin Marion Ackermann, die gerade ein Stockwerk höher mit Wiebke Siem die neue Ausstellung "Der Traum der Dinge" aufbaut, frohlockt über die gelungene Kooperation zwischen ihrer und der Stoschek-Collection. "Das haben wir gut hingekriegt", sagt sie, "es ist doch perfekt, wenn wir künstlerische Intentionen an zwei verschiedenen Orten in Düsseldorf vertiefen können."

Man umarmt sich, denn man kennt sich. Julia Stoscheks Baby, das im April zur Welt kommen soll, ist kurz Thema - Gaillard gratuliert - dann verrät Stoschek ihre News, dass sie parallel zu Düsseldorf in Berlin einen Ausstellungsraum eröffnen wird. Im Juni geht es schon los, das Haus wird zwar nicht die Ausmaße des Düsseldorfer Stammhauses haben, aber immerhin wird man auf drei Etagen medienbasierte Kunst ausstellen. "Man muss heute einfach in Berlin vor Ort sein", sagt die Sammlerin, die schon länger einen Wohnsitz in beiden Städten unterhält.

Dass Gaillards monolithischer Kunstfilm nun in der Kunstsammlung gezeigt wird, hat übrigens einen ganz praktischen Hintergrund. Er war einfach zu groß für die Stoschek-Sammlung in der Schanzenstraße, die eine Soloshow von Gaillard noch bis Februar zeigt und über 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verfügt. In dem schönen weißen Ausstellungshaus gab es nicht den passenden Platz, an dem das spektakuläre 3 D-Panorama mit aufwendigen Sounds seine räumliche Kraft hätte entfalten können. Und Marion Ackermann wiederum nahm Stoscheks Angebot gerne an, räumte einen großen Doppelraum im ersten Stock frei. Sie ist der Videoszene gegenüber aufgeschlossen, fast 100 Videoarbeiten hat sie immerhin in der Landessammlung.

Gaillards Arbeit "Nightlife" passt besonders gut in dieses Umfeld, denn sie ist mehr als ein Film. Sie vereint malerische, bildhauerische und konzeptionelle Eigenarten, setzt Elemente der Lichtkunst zu. Mit Arbeitsmitteln aus der Spitzentechnologie, mit Drohnen, Helikoptern (und sicher auch jeder Menge Tricks) wurde von Gaillard und seinem Team all das aufgenommen und frei komponiert: Landschaften, Natur, historisch und politisch besetzte Orte, Pflanzen, Windspiele, Lichtbrechungen. Schließlich kann man den Film als Skulptur bezeichnen: Setzt der Betrachter erst einmal die passende Brille auf, gerät er in den dreidimensionalen Sog der schwebenden, kreisenden und tanzenden Bilder.

Dazu gehört auch der Soundtrack, für den Gaillard zwei Samples in einem "Dub" genannten Verfahren neu abgemischt hat. Kuratorin Doris Krystof sagt: "Einer Praxis von Reggae und Rocksteady in den frühen 1970er Jahren folgend, als diese Musik unter Einsatz von speziellen Filtern oder einfachen Effekten als jeweils neues Stück herausgebracht wurde, nimmt sich der Sound wie ein Echo der historischen Vorlagen aus und verstärkt die räumliche Erfahrung auch akustisch."

Was also ist am Ende zu sehen? Ganz viel. Es lohnt sich, diesen Ort aufzusuchen. Stehend soll man sich im Dunkeln mit 3 D-Brille postieren. Man öffnet die Sinne, wird wie von unsichtbaren Kräften angestoßen, in einen Taumel versetzt. Aus der Fläche bewegen sich Dinge in den Raum hinein. Um die Bilder korrekt zu interpretieren, müsste man nachlesen, was Gaillard zur Auswahl dieser Orte veranlasst hat, was er zur gigantischen Collage von Erde, Welt und Gesellschaft verbaut. Tatsächlich zieht man mit einem verlässlichen Gefühl von dannen. "Alles tanzt, oder?". "Stimmt", sagt der Künstler und grinst.

Quelle: RP
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