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Düsseldorf
Jung, erfolgreich und neue Hausregisseurin

Düsseldorf. Bernadette Sonnenbichler ist mit ihren 34 Jahren schon hoch gelobt. In Düsseldorf bringt sie heute "Romeo & Julia" auf die Bühne. Von Annette Bosetti

Ihr Kopf ist reich gefüllt mit Bildern und Musik, die Worte sprudeln ihr nur so aus dem Mund, wenn sie anhebt, etwas präzise auszudrücken. Dann nimmt die zierliche Person auch noch die Arme dazu, bewegt impulsiv Kopf und Körper, stellt im Großformat dar, was sie verkörpert. Und schon nimmt Bernadette Sonnenbichler für sich ein.

Mit 34 Jahren ist sie hoch gelobt in den Feuilletons, im Theater ein Alfa-Tier, eine Autorität, die einen ganzen langen Abend zusammenschweißt, ein Ensemble zu Bestleistungen bringen kann und in der Vergangenheit zwingende, emotionale und detailgetreue Bilder geschaffen hat. Jetzt ist die Münchnerin in Düsseldorf als Hausregisseurin von Intendant Wilfried Schulz angekommen. Heute Abend ist Premiere ihrer Inszenierung von Shakespeares "Romeo & Julia".

Im Düsseldorfer Schauspielhaus hatte sie vor zehn Jahren ihr erstes Bewerbungsgespräch nach dem Studium am renommierten Max-Reinhardt-Seminar. Anna Badora, Düsseldorfs damals scheidende Intendantin, zog fort aus der Landeshauptstadt als Chefin nach Graz und nahm Sonnenbichler als Assistentin mit. Viel gelernt habe sie bei ihr, Badora habe sie immer ermuntert und gleich schon inszenieren lassen. Für den Applaus und die Anerkennung, die sie reichlich erhalten hat, ist sie sehr dankbar.

Viele Menschen hätten sie auf ihrem Weg begleitet, sagt Bernadette Sonnenbichler, ihr viel zugemutet, sie künstlerisch beeinflusst und gefördert. Diese ersten Jahre als junge Regisseurin kommen ihr heute vor wie eine lange Reise, die sie zu sich selber führte, ihr Selbstvertrauen steigerte und sie in ihrer Arbeit bestärkte.

Ihr Debüt als Regisseurin hatte sie in Aachen mit Kafkas "Die Verwandlung", während neun Spielzeiten hat sie am dortigen Stadttheater immer wieder Stücke überraschend inszeniert, darunter Bulgakows "Meister & Margherita" sowie Lenz' "Deutschstunde". Ihre Regiearbeit "Das Himbeerreich" wurde 2014 zum NRW-Theatertreffen eingeladen. Daneben war sie in Münster, München, Linz, Bozen und Wien als freie Regisseurin tätig - auch fürs Hörspiel, was sie leidenschaftlich gerne macht und was ihr mehrfach Preise einbrachte.

Der Weg zur Regie war eigentlich ein Ausweg, denn Bernadette Sonnenbichler wollte als Mädchen Musik studieren. Mit der Klarinette gewann sie bei "Jugend musiziert", doch ihre Punktzahl reicht nicht, um zu einer höheren Ebene vorzustoßen. "Ich mit meiner Hybris", sagt sie und lacht schallend dazu, "konnte so etwas nicht ertragen. Ich beschloss also sofort, nicht Musikerin zu werden." Eine Berufsberaterin hat schließlich Schuld daran, dass Sonnenbichler für sich das Regiefach entdeckte. Weiß Gott viele Vorschläge hatte ihr die missmutige Vertreterin des Berufsinformationszentrums in der Schule unterbreitet, bei allem hatte die 17-Jährige mit dem Kopf geschüttelt. Sie wolle etwas erleben, hielt sie damals dagegen, etwas, das mit Kunst, Abenteuer, Poesie und Dramatik zu tun hat. "Dann gehen Sie doch zum Theater!" Diese Worte der Beamtin waren ihr Befehl und Auftrag.

Nach welchem Masterplan sie bei der Arbeit vorgeht, verrät Sonnenbichler. Dass sie gut mit dem Text umgeht, sagt sie, "ich bin keine Dekonstrukteurin". Und mit den Menschen auch. Das Schöne am Theater sei das gemeinsame Erlebnis. Sie habe im Leben gelernt, sich selbst Respekt zu geben wie anderen, weitere Tugenden seien Disziplin und Klarheit. An diktatorischen Vorgängen habe sie kein Interesse, sie setzt auf selbstverantwortliche Teams. Ganz am Anfang aber steht eine "recht gründliche" Vorbereitung. "Ich muss mich erst einmal alleine in den Text vertiefen, bis ich den Kern entdecke. Aus dem, was relevant ist, generiert sich die Welt, die ich dann erbaue."

Bei "Romeo & Julia" landen wir in einer dunklen Märchenwelt, "Sprache, Emotion, Bühne, Musik und Gewand - alles muss zusammenpassen, eins werden", sagt sie. Die Radikalität der Liebe interessiert sie, einer Liebe, an der sie nichts Vernünftiges, Alltagtaugliches oder Pubertäres festmachen kann. "Es ist die Liebe in ihrer Urform, die sich gegen das allgegenwärtige Elend in der Welt stellt. Das Menschsein!"

Quelle: RP
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