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Düsseldorf
Ein "Garten Eden" für junge Flüchtlinge

Junges Schauspielhaus Düsseldorf: "Garten Eden" für junge Flüchtlinge
Im Jungen Schauspielhaus lernen die jungen Flüchtlinge Gleichaltrige aus Deutschland kennen. In der Tanzgruppe verknoten sie sich auch schon mal die Beine. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die Jugendlichen lernen im Jungen Schauspielhaus tanzen und musizieren - und bauen gemeinsam einen Garten. Von Thomas Hag

Nach der Arbeit gibt es erst mal eine Portion Spaghetti. Denn die Gruppe von Jugendlichen, die sich in den Herbstferien im Jungen Schauspielhaus tummelt, hat schon einiges geleistet an diesem Morgen. Ein Teil hat eine Choreographie geprobt. Der andere hat Interviews gefilmt, und sogar eine kleine Musikgruppe hat sich gefunden. Das kann schon hungrig machen.

Das ganz Besondere an der Sache: Viele der jungen Leute sind Flüchtlinge, manche werden nur ein paar Wochen in Düsseldorf bleiben. Aber auch deutsche Teilnehmer sind dabei, wie die 15-jährige Carolina aus Bochum. Andere kommen aus der Ferne, bleiben aber länger, etwa der 18-jährige Fahim, der sich gerade in der Tanzgruppe unter der Leitung der Tänzerin und Pädagogin Phaedra aus Griechenland die Beine verknotet hat. Er ist vor einem Jahr aus Afghanistan zu seiner Familie gekommen, besucht ein Berufskolleg und spricht schon sehr gut Deutsch. "Die Tanzgruppe finde ich sehr gut. Die Lehrerin ist sehr nett, und ich habe schon Freunde gefunden", erzählt er. Und wie gefällt es ihm im neuen Land? "Die Leute sind freundlich, auch die Polizei." Es sind beiläufige Sätze wie dieser, die erahnen lassen, dass es nicht immer einfach war für die jungen Leute.

Deswegen achtet Alexander Steindorf, der zusammen mit Bianca Künzel und Dorle Trachternach das Projekt leitet, darauf, keinen Druck aufzubauen. "Einige der Flüchtlinge sind traumatisiert, und wir bedrängen niemanden, über sein persönliches Schicksal zu berichten. Alles soll spielerisch zugehen", sagt er. Dazu gehören Ausflüge in den Wildpark oder in die Stadt.

Gemeinsam sind sie alle Teil einer "Sehnsuchts-Werkstatt", vereint unter dem Thema des Garten Eden. Dazu gehört, dass sie auf dem Vorplatz des Jungen Schauspielhauses einen tatsächlichen Garten anlegen, ganz im Stil des "Urban Gardening". Und weil sich das alles nicht in ein paar Tagen realisieren lässt, wird das Projekt zu einem spielzeitübergreifenden Thema.

"Wir wollen, dass die Arbeit länger wirkt", sagt Steindorf. "Natürlich sind die Gruppen nicht sehr homogen, weil viele nur kurze Zeit hier bleiben. Aber es soll etwas sein, das Integration längerfristig fördert. Dazu gehören weitere Projekte." Auch die Zusammenarbeit mit dem FFT und dem Zakk seien geplant.

Derweil sprechen die Jugendlichen über ihre eigenen Sehnsuchtsorte. "Eine Welt ohne Krieg und schlechte Menschen", wünscht sich einer. "Keine Ketten", sagt ein anderer, "zusammen mit Familie und Freunden, Ruhe, kein Stress. Und anziehen, was man will." Am Ende der Herbstferien wollen die Teilnehmer der "Sehnsuchtswoche" Verwandten und Freunden das vorführen, was sie eingeübt haben.

Im Mai, wenn es in dem echten Garten auf dem Vorplatz blüht, soll es eine erste große Präsentation geben. Bis dahin sollen regelmäßige Workshops stattfinden.

Quelle: RP
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