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Düsseldorf
Junges Schauspielhaus erzählt die "Odyssee" als Heimkehrgeschichte

Düsseldorf. Der Sohn hat solche Sehnsucht nach seinem Vater. Der ist nun schon seit 20 Jahren fort, verschwunden aus dem Leben des Sohnes, auf Irrfahrt über das Mittelmeer. "Komm endlich heim!" - dieser Ruf steht am Anfang der Odyssee, die der belgische Regisseur Gregory Caers im Jungen Schauspielhaus inszeniert. Am Samstag ist Premiere. Er macht aus dem großen Irrfahrermythos eine Heimkehrergeschichte mit viel Musik - eine Rockoper mit großen Bildern, die einen großen Mythos für die Gegenwart greifbar machen sollen. "Odysseus ist eigentlich ein Kriegsheld", sagt Caers, "aber mich interessiert viel mehr, wie einer heimkehrt, der 20 Jahre unterwegs gewesen ist. Ich will wissen, was er dann noch als seine Heimat empfindet." Von Dorothee Krings

Caers hält das auch vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsbewegungen für eine wichtige Geschichte. "Wir erleben gerade, wie Menschen sehr viel auf sich nehmen, nach Europa kommen, weil sie irgendwann nach dem Krieg in ihre Heimat zurückwollen", sagt Caers, "wir beschäftigen uns damit, was diese Menschen dann erwartet."

Der Regisseur hat sein Ensemble aus Schauspielern aus Belgien, England und dem Ensemble des Jungen Schauspielhauses zusammengestellt. Er zeigt körperbetontes Theater, das wirkungsvolle Bilder entwirft, Musik und Tanz einsetzt. "In der Odyssee begegnet der Mensch mächtigen Göttern. Ich habe mich beim Lesen gefragt, wie er mit diesen höheren Mächten spricht? Da wurde mir schnell klar, dass Musik als Ausdrucksmittel ins Spiel kommen müsste", erzählt Caers. Er hat seine Karriere als Schauspieler begonnen, unter anderem für Johan Simons in Gent gespielt. Doch nach ein paar Jahren auf der Bühne reizte ihn die Regie. "Als Schauspieler hatte ich nur mich selbst, um mich auszudrücken, als Regisseur kann ich durch die Körper ganz vieler, toller Darsteller sprechen, das hat mich mehr und mehr gereizt." Bei einem Gastspiel in Japan lernte er den Leiter des Jungen Schauspielhauses, Stefan Fischer-Fels, kennen, der damals noch am Berliner Grips-Theater arbeitete. Fischer-Fels hat den belgischen Kollegen mit nach Düsseldorf gebracht und für mehrere Inszenierungen verpflichtet. Schon in den nächsten Wochen sind zwei weitere Arbeiten von Caers an der Münsterstraße zu erleben: das Märchen "Obiskie" und "Adams Welt" für Kinder ab zwei Jahren.

Für seine Odyssee, die eine Koproduktion mit Brüssel und Gent ist, hat Caers nach Szenen gesucht, die an Bilder im Unbewusstsein seiner Zuschauer anknüpfen. Wenn die Seefahrer etwa der Hexe Kirke in die Hände fallen, braucht die keinen Zauberstab, um aus den Männern Tiere werden zu lassen. Sie lässt sie einfach so ekstatisch feiern, dass sie im Blick der Betrachter zu Tieren werden. Mit dieser Odyssee steht eine gewaltige Bilderreise bevor.

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Quelle: RP
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