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Düsseldorf
Junggesellenabschied in Saudi-Arabien

Düsseldorf. Rasha Khayat hat ein spannendes Buch über eine deutsch-saudische Familie geschrieben. Von Claus Clemens

Der Name ihres Blogs war eine Schnapsidee. Denn eines ist Rasha Khayat ganz bestimmt nicht: eine "west-östliche Diva". Was die 1978 in Dortmund geborene Autorin auf ihren Internetseiten anbietet, ist solides Wissen über arabische Kulturen, kunterbunt und frech geschrieben. Ganz ohne Goethe, ganz ohne Allüren. Genauso natürlich ging sie mit ihrem Debütroman auf Lesereise und feierte in der Zentralbibliothek ihr "Bergfest": den 25. von insgesamt 50 Auftritten mit ihrem neuen Buch.

Der nicht allzu voluminöse Band "Weil wir längst woanders sind" erzählt dann doch eine west-östliche Geschichte. Es geht um das Geschwisterpaar Layla und Basil. Die Kinder einer deutschen Mutter und eines saudischen Vaters fühlen sich fremd in Deutschland. Als sie erwachsen werden, trifft Layla eine Entscheidung, die alles verändert und die niemand versteht. Sie beschließt einen Mann aus der alten Heimat Saudi-Arabien zu heiraten. Nicht aus Liebe, sondern aus Prinzip. Bruder Basil reist seiner Schwester hinterher und trifft auf einen wohlhabenden Familienclan, der ihn sehr herzlich willkommen heißt.

"Es geht für mich gar nicht darum, was besser oder was schlechter ist", sagte Schriftstellerin Rasha Khayat im Gespräch mit Michael Serrer vom Literaturbüro NRW. "Sowohl hier als auch dort gibt es Gründe, warum man dort leben möchte oder auch nicht. Ich finde es ganz spannend, dass ich immer mit der Frage konfrontiert werde, warum sie denn dahin geht." Ihr Buch sei eine Einladung, sich in Layla hineinzuversetzen und zu überlegen, ob so zu leben nicht auch eine Möglichkeit sei. "Wenn man diese Sehnsucht in sich verspürt", sagt sie. Der Lektor ihres Verlags wollte das Wort "Entortung" im Roman streichen, erzählt Khayat. Das sei kein richtiges Deutsch. Die Autorin beharrte auf dem, was im Englischen mit "displacement" gemeint ist, und setzte sich durch. "Vielleicht kommt das Wort ja eines Tages in den Duden, und das ist dann von mir", sagt sie.

Eine der unterhaltsamsten Episoden des Romans ist das, was auch in Saudi-Arabien als Junggesellenabschied bekannt ist. Wo hier auf einer Partymeile das Bier in Strömen fließt, enthemmt man sich dort in der Wüste um einen Hammelbraten und Whiskyduft aus der Shisha-Pfeife. Am Ende bleibt dort wie hier ein ziemlich dicker Kopf.

Quelle: RP
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