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Düsseldorf
Jury sucht Ackermann-Nachfolger

Düsseldorf. Die Kunstsammlung NRW steht ab November ohne ihre Leitung da. Für die erfolgreiche künstlerische Direktorin soll zeitnah ein qualifizierter Nachfolger gefunden werden. Dazu wurde eine Findungskommission einberufen. Von Annette Bosetti

Als das letzte Mal einer der wichtigen und vielleicht schillerndsten Kultur-Topjobs des Landes Nordrhein-Westfalen zu vergeben war, hatte sich der damalige Kulturstaatsminister Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) nahezu ein Jahr lang Zeit genommen für die Neubesetzung. Der kunstsinnige Mann, von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers an seiner Stelle mit den Geschäften betraut, hatte für die Bestellung eine Findungskommission eingesetzt. Als deren Ergebnis feststand, dass man die junge Marion Ackermann aus Stuttgart als Nachfolgerin von Armin Zweite an den Rhein holen würde, wurde auch Kritik an der Entscheidung laut.

In der Findungskommission saß nämlich ein recht potenter Sammler, der sauer war, da sein Favorit nicht genommen wurde und dies prompt nach der Wahl öffentlich verlauten ließ. So wurde der Name von Marion Ackermann, der Gewählten, noch bevor sie im September 2009 ihr Amt antrat, beschädigt. Während Grosse-Brockhoff von einer "Berufung" sprach, witterten die einschlägigen Kunstkreise in Düsseldorf und Umgebung Kunst-Klüngel. Viele fragten, warum die Stelle nicht ausgeschrieben wurde.

Nun aber ist es Marion Ackermann, die Düsseldorf verlässt, um schon in zehn Wochen, ab 1. November dieses Jahres, in Dresden Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlung zu werden. Und wie es aussieht, wird auch ihre Stelle nicht in Fachblättern neu ausgeschrieben. Dazu ist das Land übrigens nicht verpflichtet. Vielmehr hat man sich im Ministerium von Christina Kampmann (SPD) dazu entschieden, die Suche einer Nachfolge der künstlerischen Leitung der Stiftung Kunstsammlung NRW abermals einer Findungskommission anzuvertrauen. Ihr gehören Experten aus internationalen Kunstmuseen, Stiftungen und Verwaltung sowie Vertreter der Künstlerschaft an. Die Kommission wird durch Staatssekretär Bernd Neuendorf geleitet.

Angesichts des zeitnahen Ackermann-Abschieds hat die erste konstituierende Sitzung noch vor den großen Ferien stattgefunden, in der man sich über die Arbeitsweise und weitere Zeitläufe verständigte. Sogleich nach der Sommerpause sind die nächsten zwei Termine der Jurysitzung schon angesetzt, wie man aus Regierungskreisen hört. Es besteht die Absicht, möglichst schnell eine angemessene Nachfolge für Marion Ackermann zu finden.

Dass die Kunstsammlung dem Land lieb und teuer ist, kann man voraussetzen. Immerhin stellt das Land rund zehn Millionen Euro im Jahr an Mitteln für seine Landesgalerie bereit, wobei das Museum weitere vier Millionen selbst erwirtschaftet. Über das Profil, das man der künftigen Leitung abverlangt, ist noch nichts bekannt. Wünschenswert wäre für die Zukunft der Kunstsammlung, wenn der oder die Neue am Grabbeplatz die von Marion Ackermann eingeführten Modernisierungen mittragen und fortführen würde, vor allem die Hinwendung zur globalen und digitalen Zukunft sowie die Betonung der weiblichen Hälfte der Weltkünstlerschaft.

Der kaufmännische Geschäftsführer, der 2009 mit Marion Ackermann gekommen war, verlässt die Kunstsammlung zum 1. September. Über die Nachfolge von Hagen Lippe-Weißenfeld wird derzeit noch verhandelt.

Quelle: RP
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